Rommel hat keine eigene Straße verdient

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Erwin Rommel: Kriegsverbrecher oder Widerstandskämpfer?
Erwin Rommel: Kriegsverbrecher oder Widerstandskämpfer? (Foto: Archiv)
Johannes Müller

Von einer schwierigen und unsicheren Quellenlage haben namhafte Historiker bei einer weiteren Informationsveranstaltung gesprochen, die am Mittwochabend im kleinen Sitzungssaal des Rathauses der Aalener Öffentlichkeit angeboten wurde. Erneut ging es um die Persönlichkeit des ehemaligen Generalfeldmarschalls Erwin Rommel. War er ein Kriegsverbrecher im Dienste des Nazi-Regimes oder sympathisierte er mit dem Widerstand gegen Hitler?

Im Vorfeld einer bevorstehenden Entscheidung im Gemeinderat über die Umbenennung oder Beibehaltung der Erwin-Rommel-Straße in Aalen stieß das Angebot wieder auf großes Interesse. Kulturamtsleiter Roland Schurig moderierte die Kurzvorträge der Historiker zum Rahmenthema „Erwin Rommel – Mensch – Mythos – Militär“.

Hart gegen Soldaten vorgegangen

Lange Zeit sei Rommel ein dem Führer treu ergebener Nazi gewesen, obwohl es keinerlei antisemitische Äußerungen von ihm gebe, stellte Peter Lieb vom Zentrum für Militärgeschichte der Bundeswehr in Potsdam fest. Ob Rommel ein Kriegsverbrecher war, sei anhand der Quellen umstritten. Einerseits habe er in Nordafrika britische Kriegsgefangene geschont, andererseits sei er in Norditalien hart gegen die ins Lager der Alliierten übergelaufenen „Badoglio-Soldaten“ vorgegangen und habe den verhängnisvollen „Gesindel-Befehl“ erlassen, der auch für viele Zivilisten den Tod brachte.

Gewusst habe Rommel vom Widerstand des 20. Juli 1944 gegen Hitler wohl schon, sei aber nicht aktiv daran beteiligt gewesen. „Neuere Quellen rücken ihn in die Nähe des Widerstandes“, formulierte Lieb. Schließlich habe ihn die Nazi-Führung auch deshalb in den Tod getrieben, nachdem bekannt wurde, dass er sich für die neue Regierung zur Verfügung stelle, wenn es gelänge, Hitler umzubringen. Dass es nur noch diese Lösung gebe, habe er auch seiner Frau geschrieben. Als Rommel sich nach der verlorenen Schlacht von El Alamein geweigert hatte, den Befehl Hitlers zum Weiterkämpfen zu befolgen, war er bei ihm in Ungnade gefallen.

„Pflichterfüllung und Ehrgeiz haben Rommel geprägt“, stellte Cornelia Hecht (Haus der Geschichte Baden-Württembergs in Stuttgart) ihrem Referat voraus. Die Frage des Verbrechens in einem Unrechtstaat sei nicht eindeutig zu beantworten. Es gehe heute um den Umgang mit Rommel in der Erinnerung. Im Vorfeld einer Ausstellung über Rommel habe sie erfahren, dass es viele Erwin-Rommel-Straßen im Land gebe. Der Mythos des „großen Feldherrn und Heerführers“ sei immer noch lebendig und sei allerdings zu hinterfragen.

Lausbub und mutiger Segelflieger

Den regionalen Bezug zu Rommel, der seine Kindheit und Jugend verbracht habe, untersuchte Matthias Pfeffer, ehemaliger SG-Schüler in Aalen, heute Schulleiter in Heidenheim. Man sprach von Rommel als dem sympathischen kleinem Lausbuben und mutigen Segelflieger. Alfred Stützel habe ihm jedoch keine so hervorstechenden Eigenschaften zuerkannt. Und in Gmünd, wo Rommel das Abi machte, erzählt man sich die Anekdote, in der Schule sei er ermahnt worden, mehr zu lernen, sonst reiche es ihm gerade noch zum Schornsteinfeger.

Zum Propagandahelden aufgebaut

In der von Stadtarchivar Georg Wendt moderierten Podiumsdiskussion wurde vieles noch vertieft und ergänzt. Als Hauptmann der Reichswehr sei Rommel gegen die Widerständlern der Räterepublik nicht so brutal umgegangen wie viele andere Kommandeure. 1938 sei Hitler auf Rommel als den „idealtypischen bürgerlichen Soldaten“ aufmerksam geworden. Göbbels habe ihn zum „Propaganda-Helden“ aufgebaut.

Auf die Frage an die Experten: „Würden Sie eine Straße nach Rommel benennen?“ antworteten Peter Lieb und Cornelia Hecht „eher nein“. Matthias Pfeffer verneinte mit dem Hinweis auf Rommels Mitwirken an einem Angriffskrieg ebenfalls. Alfred Geisel, ehemaliger Vizepräsident des Landtags, sprach sich mit Hinweis auf Rommels Verstöße gegen Kriegs- und Völkerrecht auch dagegen aus.

Eine Anwohnerin der Erwin-Rommel-Straße in Aalen äußerte sich nachdenklich, der Name ihrer Straße gebe ihr Anlass, sich an Rommel und sein Schicksal zu erinnern und sich damit zu beschäftigen. Diesem Ziel diente schließlich auch der ganze Abend. Fortsetzung demnächst im Gemeinderat, der wahrlich vor keiner leichten Entscheidung steht.

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