Rocker wird zu zwei Jahren Haft verurteilt

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Rocker wird zu zwei Jahren Haft verurteilt.
Rocker wird zu zwei Jahren Haft verurteilt. (Foto: Archiv- Arne Dedert / dpa)
Schwäbische Zeitung
Edwin Hügler

Das Schöffengericht Aalen unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Martin Reuff hat einen 31-jährigen Aalener wegen gemeinsamer gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte als Mittäter an einer Messerattacke und an Schlägen auf einen 44-Jährigen beteiligt gewesen ist.

Wie bereits berichtet ist es am 24. Juni 2017 zunächst auf dem Parkplatz des Mediamarktes zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Opfer und dem Haupttäter gekommen. Beide sind seit Jahren zerstritten und kennen sich aus der Rockerszene und aus dem Bordellmilieu. Das Geschehen verlagerte sich dann auf den Parkplatz beim Kaufland im Industriegebiet.

Der Angeklagte brach sein Schweigen vom ersten Verhandlungstag und schilderte aus seiner Sicht den weiteren Tathergang. Er sei vom Haupttäter, den er schon seit 16 Jahren kenne, angerufen worden mit dem Hinweis, es gebe Streit und er solle ihm helfen. Daraufhin sei er zum Kaufland gefahren. Der Angeklagte bestätigte, dass es hier zu einer Messerattacke gegen das Opfer gekommen sei, allerdings nicht von ihm. Er habe zwar eine Machetenhülle in der Hand gehalten, die Waffe aber nicht eingesetzt. Der Angeklagte bestritt auch, dass man auf das am Boden liegende Opfer eingeschlagen habe.

Weitere Zeugen bestätigten jedoch, dass auf das Opfer eingetreten worden sei. Allerdings blieb unklar, ob es sich um drei oder vier Personen gehandelt hatte. Nach der Tat ist der Angeklagte zunächst geflüchtet und in der Türkei untergetaucht. Dort habe ihn seiner eigenen Aussage zufolge die Sache „etwas bedrückt“. Daher kehrte er im Oktober 2017 nach Deutschland zurück und stellte sich der Polizei. Seither sitzt er in Untersuchungshaft.

Im weiteren Verlauf des Prozesses kamen die persönlichen Lebensverhältnisse des Angeklagten zur Sprache. Er hatte keine leichte Kindheit, da seine Eltern als er drei Jahre alt war geschieden wurden. Zwei Ausbildungen zum Straßenbauer und Zimmerer hat der Angeklagte abgebrochen, er war zeitweise in der Reinigungsbranche selbstständig tätig.

Richter Martin Reuff verlas das Vorstrafenregister des Angeklagten, das 15 Einträge enthält, darunter Diebstahl, Sachbeschädigung, vorsätzliche Körperverletzung und Betrug. 2016 verbüßte er eine Haftstrafe, zum Zeitpunkt der Tat lief noch die Bewährungszeit.

Ein neues Leben beginnen

Der Angeklagte bekräftigte, dass er einen Schlussstrich hinter seine Vergangenheit ziehen wolle. Zusammen mit seiner Freundin plane er außerhalb von Aalen ein neues Leben zu beginnen. Seinen Ausführungen zufolge hat er auch bereits die Zusage für einen neuen Arbeitsplatz.

Die Staatsanwaltschaft sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte zwar nicht den Messerstich ausführte, aber auf das Opfer eingetreten habe und forderte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Rechtsanwalt Christoph Reichart betonte, dass sein Mandant aus falsch verstandener Loyalität an der Tat beteiligt gewesen sei. Er hielt eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren für ausreichend.

Das Gericht verhängte letztlich eine zweijährige Freiheitsstrafe ohne Bewährung. In der Begründung verwies Richter Reuff darauf, dass es sich eindeutig um eine gemeinsame gefährliche Körperverletzung handele. Zudem komme zu Lasten des Angeklagten hinzu, dass er zum Tatzeitpunkt unter Bewährung stand.

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