„Rentner ab 2018“, der tiefe Spuren hinterlässt

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Leitender Regierungsschuldirektor Martin Sabelhaus (links) und Landrat Klaus Pavel (rechts) haben den langjährigen Leiter der K
Leitender Regierungsschuldirektor Martin Sabelhaus (links) und Landrat Klaus Pavel (rechts) haben den langjährigen Leiter der Kaufmännischen Schule Aalen, Hartmut Schlipf (Zweiter von rechts), in den Ruhestand verabschiedet und seinen Nachfolger Jochen Wörner in seinem neuen Amt begrüßt. (Foto: Thomas Siedler)

Stabwechsel an der Spitze der Kaufmännischen Schule Aalen (KSA): Mit einer kurzweiligen und stellenweise höchst amüsanten Feier ist am Montagabend ihr langjähriger Schulleiter Hartmut Schlipf in den Ruhestand verabschiedet worden. Gleichzeitig wurde sein Nachfolger Jochen Wörner in sein neues Amt eingesetzt. Wörner war bislang Abteilungsleiter für das Wirtschaftsgymnasium und die Wirtschaftsoberschule an der KSA.

„Sie hinterlassen Spuren“, bescheinigte Landrat Klaus Pavel dem scheidenden Hartmut Schlipf, der im Januar 2007 die Leitung der KSA übernommen hatte. Als starke Schulleiter-Persönlichkeit, so Pavel, habe Schlipf das berufliche Schulwesen in Aalen, im Ostalbkreis und weit darüber hinaus mit geprägt und sich um dieses große Verdienste erworben. Den Schülern ein fundiertes Wissen mitzugeben, sie zu motivieren und ihnen gleichzeitig eine soziale Komponente zu vermitteln, das sei, so der Landrat, ein großes Anliegen von Schlipf gewesen.

Garant für gute Ausbildung

„Sie waren Garant für eine sehr qualifizierte Ausbildung“, sagte Pavel weiter. Schlipf habe den Bildungsauftrag der Schule optimal und beispielhaft umgesetzt. Und dabei Wert auf ein internationales Profil der KSA gelegt, auch mit zahlreichen Schulpartnerschaften in aller Welt. Den neuen Schulleiter Jochen Wörner begrüßte Pavel als „Mister Zimmerberg“, engagiere er sich doch schon seit vielen Jahren für die Ferienlager in der Zimmerbergmühle. „Wir haben den perfekten Nachfolger gefunden“, war Pavel überzeugt.

Der Leiter der Abteilung Berufliche Schulen am Stuttgarter Regierungspräsidium, Martin Sabelhaus, zitierte Nelson Mandelas Wort von der Bildung als mächtiger Waffe. Für Hartmut Schlipf sei sie ein mächtiges Werkzeug für Schüler und Lehrer gleichermaßen gewesen, sagte er und erinnerte auch an Schlipfs Tätigkeiten in der Lehrerfortbildung und als Fachberater. Nie, so Sabelhaus, habe Schlipf Herausforderungen gescheut. Mit seinen großen Erfahrungen, zuletzt 2015/2016 im Auslandsschuldienst in Saudi-Arabien, habe Wörner eine gute Basis für seine neue Position, sagte Sabelhaus.

„Stimmenkönig in der Weststadt“

Hartmut Schlipf, so sagte Oberbürgermeister Thilo Rentschler, gehöre zu denen, die nicht auf Krawall gebürstet seien, sondern besonnen auf zu lösende Probleme reagierten – zuhörend und kollegial. Auch als Mitglied des Gemeinderats, dem er als „Stimmenkönig in der Weststadt“ seit 14 Jahren angehöre und in dessen CDU-Fraktion er sich dank seines Engagements auch für das Ausland zu einer Art Außenminister entwickelt habe.

Spuren zu hinterlassen, das bescheinigte auch der Vorsitzende der kaufmännischen Direktorenvereinigung, Franz Scheuermann, dem scheidenden KSA-Chef. Eher leise habe Schlipf dennoch unüberhörbare Töne angeschlagen. Die Hauptgeschäftsführerin der IHK Ostwürttemberg, Michaela Eberle, dankte Hartmut Schlipf dafür, dass er über viele Jahre ein wichtiger, verlässlicher und vertrauensvoller Partner in der Berufsbildung gewesen sei, sehr kreativ und stets offen für Neues.

Neben dem evangelischen Posaunenchor Unterrombach mit einigen beschwingten Stücken ließ es sich auch das Lehrerkollegium der KSA nicht nehmen, seinen langjährigen Chef gebührend zu verabschieden. Zum einen als stimmlich durchaus überzeugender Chor, zum andern in Gestalt von Eugen Gentner. Mit seinem perfekt gereimten Rückblick auf solche Dinge, die in den Abschiedsreden und Grußworten eher nicht vorkamen, hatte er mehrfach die Lacher auf seiner Seite. Zu der von den Schülersprechern Nuria Weng und Frank Wörner moderierten Feier, zu der eingangs die stellvertretende Schulleiterin Gerlinde Hald zahlreiche Gäste in der Cafeteria des Aalener Berufsschulzentrums begrüßt hatte, gehörte auch der Dank der SMV an den scheidenden Schulleiter, dargebracht unter anderem in Form einer Reb-Patenschaft, dank derer sich Schlipf nun über regelmäßige gute Tröpfchen von „seiner“ Rebe in Cleebronn freuen darf.

Vom Express in den Bummelzug

Im T-Shirt mit der Aufschrift „Rentner ab 2018“ stand Hartmut Schlipf am Ende auf der Bühne, nachdem er sich zuvor Jackett, Hemd und vor allem jener knallroten KSA-Krawatte entledigt hatte, die er einmal als „meine Marke“ seinen Kollegen verpasst hatte. Mit vielen Bildern und in amüsantem Plauderton zog Schlipf zum Schluss ein ganz persönliches Fazit seiner Zeit als Lehrer und dann Schulleiter, zunächst an der Technischen und dann an der Kaufmännischen Schule Aalen. Jetzt, so meinte er, wechsle er aus dem Regio-Expess in den Bummelzug. Und ganz viel Applaus aus dem Publikum begleitete ihn dabei in diesen neuen Lebensabschnitt. Alleine könne ein Schulleiter gar nichts erreichen, sagte Jochen Wörner in seinen Schlussworten, schon gar nicht an einer Schule mit 1500 Schülern aus 35 Nationen und mit 84 Lehrern. Die Starken zu fordern und die Schwachen zu fördern, das wolle er auch künftig als Schulleiter tun, versprach er.

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