Religiöser Extremismus ist Thema im Aalener Landratsamt

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 Im Landratsamt wurde Grundwissen über die Entstehung des Islam und seine Glaubensinhalte vermittelt.
Im Landratsamt wurde Grundwissen über die Entstehung des Islam und seine Glaubensinhalte vermittelt. (Foto: Landratsamt Ostalbkreis)
Aalener Nachrichten

Mit religiös begründetem Extremismus hat sich eine Fortbildungsveranstaltung der Koordinationsstelle Prävention des Landratsamtes Ostalbkreis befasst. Jens Ostwaldt, Leiter der Fachstelle für Prävention von religiös begründetem Extremismus beim Demokratiezentrum Baden-Württemberg, hat sich hier primär mit Formen des radikalen Islam beschäftigt.

„Das Ziel der Fortbildung war es, Wissen in den Themenfeldern Islam, Neo-Salafismus und Radikalisierung zu vermitteln. Ein wichtiger Aspekt war hier die Vorbeugung. Die islamistische und salafistische Szene in Deutschland wurde gemeinsam beleuchtet. Hierzu wurden auch Beispiele extremistischer Propaganda aufgezeigt“, erläutert Andreas Schumschal von der Koordinationsstelle Prävention des Landratsamtes.

Strukturen der muslimischen Verbände thematisiert

Die Ursprünge des Islam, seine zentralen Begriffe und Grundsätze sowie die verschiedenen muslimischen Strömungen wurden in einem Quiz angesprochen und geklärt. 4,7 Millionen Muslime leben in Deutschland. Im Rahmen der Fortbildung wurden die Strukturen der muslimischen Vereine und Verbände in Deutschland sowie deren Entwicklungen thematisiert.

Auch die Frage, wie man einem Anschluss an eine extremistische Gruppierung vorbeugen kann, stand im Raum. Im Schnitt dauert die Erkennung von Radikalisierungstendenzen drei Jahre. Junge Menschen müssen in ihren individuellen Problemlagen und Bedürfnissen erkannt und in ihren Lebenssituationen begleitet und gestärkt werden. Dadurch lassen sich erlebte oder gefühlte Benachteiligungen verhindern, die diese Individuen mit sich tragen.

Mit einer Einstiegsübung mit Bildern zum Islam und dem Salafismus wurden diese in problematisch und unproblematisch zugeordnet. Ein weiterer Schwerpunkt war die Entstehung von Radikalisierung bei Jugendlichen und in der Gesellschaft. Dabei wurde das Vier-Stufen-Modell des US-Psychologen Randy Borum vorgestellt. Demnach verläuft die Radikalisierung über die Beschwerde des eigenen gesellschaftlichen Status hin zu einem Zustand erlebter Ungerechtigkeit. Darauf wird ein Schuldiger oder eine Gruppierung ausgemacht, von der man sich distanziert und die abgewertet wird.

Thema stößt auf großes Interesse

Radikalisierungstendenzen sind nicht einfach zu erkennen, da sich die Betreffenden immer mehr ins Private zurückziehen. Man muss die Lebenswirklichkeit der jungen Menschen begreifen, um sie nicht an die radikalen Richtungen zu verlieren.

„Die hohe Anzahl an Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Bereichen wie Sozialarbeit, Schule, Polizei und Migrationsdienst zeigt, dass dieses Thema auf großes Interesse stößt“, betont Schumschal und stellt ein Aufbauseminar in Aussicht.

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