Rekord: Der wärmste Januar in der Region

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Der Bodensee hat auch im Winter seinen Reiz. (Foto: Archiv: Felix Kästle)
Schwäbische Zeitung
Digitalredakteurin

Zu warm, zu nass, zu dunkel: Der bisherige Winter gehört zu den dunkelsten in der Geschichte der Wetteraufzeichnungen, der Januar war der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in der Region. Baden-Württemberg und Bayern knacken gleich mehrere Rekorde.

"Das ist der wärmste Januar seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in der Region, das ist sicher", sagt Roland Roth, Leiter der Wetterwarte Süd in Bad Schussenried. Dabei bezieht er sich auf die Werte aus den vergangenen 50 Jahren im südlichen Baden-Württemberg und Südwest-Bayern. "Das ist schon extrem. Ich hätte nicht gedacht, dass wir über die Werte aus dem Rekordjahr 2007 nochmal hinaus kommen würden."

In Baden-Württemberg war der Januar 2018 mit 4,4 Grad  (2017: -0,7 Grad) der sechstwärmste seit dem Jahr 1881. In Rheinfelden am Hochrein registrierten die Wetterbeobachter den Bundesrekord mit frühlingshaften 16,2 Grad.

Mehr als 500 Liter Regen auf den Quadratmeter

Der Januar stellte in Baden-Württemberg mit etwa 160 Liter Niederschlag pro Quadratmeter beim Niederschlag einen neuen Rekord auf - im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum 75 Liter. Die bundesweit niederschlagsreichste Region war der Südschwarzwald mit örtlich mehr als 500 Litern pro Quadratmetern. 

Allerdings schien im Januar auch oft die Sonne: Mit fast 45 Stunden (2017: 49 Stunden) war Baden-Württemberg das zweitsonnigste Bundesland, nur ein paar Minuten mehr Sonnenschein verzeichnete Bayern, das damit das sonnigste in Deutschland war - aber auch eines der kältesten mit 3,2 Grad. Strengen Frost gab es aber auch dort nicht, nicht mal in den Alpentälern. "Das ist eine absolute Seltenheit", sagt Roth von der Wetterwarte Süd. 

In Bayern regnete es weniger als in Baden-Württemberg: 120 Liter pro Quadratmeter prasselten herunter. Dafür beschäftigten gleich mehrere Stürme die Bayern: Am 3. Januar wütete Sturmtief „Burglind“ vor allem in Ober und Mittelfranken. In Oberstdorf wurde das Sportereignis „Tour de Ski“ wegen des starken Windes abgebrochen. 

Kalt, aber sonnig im Dezember

Baden-Württemberg war im Dezember mit 1,7 Grad (2016: 0,3 Grad) das zweitkälteste Bundesland. Kälter war es nur in Bayern mit 1,0 Grad, das mit rund 100 Litern pro Quadratmeter im Bundesvergleich niederschlagreich und mit aufgerundet 40 Stunden ein vergleichsweise sonnenscheinreich war. Auch dabei steht Bayern an der Spitze: mit gut 40 Stunden das sonnenscheinreichste Bundesland im Dezember. Am längsten zeigte sich die Sonne im Alpenvorland, an einzelnen Orten gab es im Dezember sogar über 70 Stunden Sonnenschein.

Dabei kommt dem Voralpenland ganz besonders der Föhn zugute, der sich nicht bis zur vermeintlich nahen Schwäbischen Alb durchschlägt. Die warmen Winde sorgten dafür, dass die südlichsten Ränder der Republik Sonnenschein genießen könnten, während es schon wenig weiter nördlich trist und bewölkt sei, sagt Roth. 

Nur fünf Stunden Sonne im ganzen Monat

Kein Vergleich dazu war der Westen der Republik, wo es zeitweise grau, trüb und dunkel blieb:  Im Westerwald und Sauerland war die Sonne gebietsweise nur rund fünf Stunden zu sehen - im ganzen Monat. Im Bundesdurchschnitt schien die Sonne etwa 30 Stunden lang - das sind 78 Prozent des Solls von 38 Stunden. 

Weil es so wenig Sonne gab, kommt der bisherige Winter vielen extrem trüb vor. Dass es weniger Sonnenstunden als üblich gab, stimme, sagt Roth. Aber: "Wetter wird immer sehr  subjektiv wahrgenommen und kann auch in der Region stark wechseln. Heute sind auf der Alb Regen und Wolken und am See Sonnenschein. Das kommt öfter vor." 

Das milde Winterwetter ist dem Wind aus dem Westen zuzuschreiben. Zwischen den Hochdruckgebieten aus dem Süden mit warmer Luft und den Tiefdruckgebieten im Norden mit Kälte und Regen kommt aus dem Westen Luft vom Atlantik. Und die bringt das milde Wetter mit. Und daran liegt es wiederum, dass es gar nicht so neblig ist dieser Tage. Denn Nebel ist bei kalten Temperaturen häufiger und dichter. "Dass wir so wenig Sonne sehen - und das ist definitiv weniger als üblich - liegt an den Wolken, nicht am Hochnebel", sagt der Wetterexperte. 

Rekorde, Rekorde, Rekorde

Die Wetterbeobachter maßen in Bayern die bundesweit tiefste Temperatur des Monats Dezember, nämlich in der Nacht zum 10. in Reit im Winkl mit -16,2 Grad.  Allerdings hielt das nicht lange: Bereits einen Tag später stiegen die Temperaturen nachmittags auf 5,2 Grad. Am wärmsten war es im Dezember mit 14,3 Grad deutschlandweit in Sigmarszell-Zeisertsweiler, östlich von Lindau.

Und noch zwei "Siege" im Bundesvergleich: Der meiste Niederschlag des Dezembers fiel im Allgäu mit über 250 Liter pro Quadratmeter.  Auch die größte Tagesmenge wurde im Allgäu gemessen: Am 14. meldete Balderschwang 76,9 Liter pro Quadratmeter. 

Tauwetter und Sturm

Nach den extrem schneearmen Dezembern 2016 und 2015 fiel in der Adventszeit 2017 in den Alpen und Mittelgebirgen wieder ausreichend Schnee für Wintersport. Auch da haben die Allgäuer einfach Glück, sagt Roland Roth:  "Mehr Sonne, mehr Schnee. Im Allgäu schneit es öfter als auf der Alb bei gleicher Höhenlage." Das liege an den Bergen, die die Wolken aufhalten, die sich dann im Alpenvorland entladen. Doch das half an Weihnachten auch nicht weiter: Ausgerechnet zu den Feiertagen taute unterhalb von 1000 Metern ein Großteil der weißen Pracht wieder weg.

Schwere Sturmböen des Tiefs „Zubin“ wehten am Vormittag des 14. in Germering, westlich von München, einen tonnenschweren Kran um. In Landshut knickte der 18 Meter hohe Christbaum. Mühldorf meldete eine Bö von 126 km/h.  

Und die Aussichten? 

Wetterexperte Roland Roth zeigt sich überzeugt: Der Winter kommt zurück, "...und zwar in den nächsten zwei Wochen. Es wird auch noch am Bodensee Kälte und Schnee geben." Dazwischen werde es auch sonnige, schöne Tage geben. 

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