Pfleiderer: „An der Düngeverordnung führt kein Weg vorbei“

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 Hauptreferentin Helga Pfleiderer (Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz) erläuterte den Landwirten unter andere
Hauptreferentin Helga Pfleiderer (Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz) erläuterte den Landwirten unter anderem die Düngeverordnung. (Foto: Edwin Hügler)
Edwin Hügler

Rund 120 Landwirte sind zur Fachtagung des Landesbauernverbands zum Thema „Düngung – geltendes Recht und zukünftige Vorgaben“ ins „Kellerhaus“ nach Oberalfingen gekommen. Es referierte Helga Pfleiderer (Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz).

Pfleiderer schenkte den Bauern reinen Wein ein und machte klar, dass aufgrund des Drucks der EU-Kommission an einer Novellierung der Düngeverordnung zum Schutz der Gewässer kein Weg vorbeiführe.

Deutschland werde von der Europäischen Union verklagt. Es gelte, die Nitratbelastung der Gewässer flächendeckend unter 50 Milligramm pro Liter zu bringen. Dabei spiele die Landwirtschaft eine große Rolle. In Deutschland gebe es 697 Nitratmessstellen, davon 57 in Baden-Württemberg. 18 Prozent aller Messstellen hätten eine zu große Nitratbelastung ergeben. Die deutsche Politik sei von der EU-Kommission aufgefordert, etwas gegen diesen Missstand zu tun. Dabei gebe es keinen Verhandlungsspielraum mit der EU.

Den Ausführungen von Pfleiderer zufolge sieht der Referentenentwurf für die Düngeverordnung vor, einschneidende Maßnahmen zu ergreifen. So dürften die Landwirte wesentlich weniger als bisher düngen. Im Grünland seien nur noch 80 Kilogramm organische Düngemittel pro Hektar erlaubt und es gelte einen Abstand von fünf Metern zu Gewässern einzuhalten.

Die Einbringungszeit für Dünger werde auf eine Stunde verkürzt, und für Festmist, Kompost und phosphathaltige Düngemittel gelte zukünftig eine Sperrzeit vom 1. Dezember bis 15. Januar. Das Düngen von gefrorenen Böden werde gänzlich verboten.

Außerdem gebe es umfangreiche Dokumentationspflichten für die Landwirte und eine Erhöhung der Strafe bei Vergehen von bisher maximal 10 000 auf 50 000 Euro, sagte Pfleiderer.

Für besonders belastete „rote Gebiete“ würden noch strengere Vorschriften gelten. So sei hier eine Verringerung der Düngung um 20 Prozent vorgesehen, die Sperrzeit belaufe sich auf vier Monate und die Herbstdüngung werde stark eingeschränkt. Wie zu erfahren war, ist im Ostalbkreis lediglich die Sanierungsfläche Dankoltsweiler ein solches „rotes Gebiet“.

Pfleiderer machte deutlich, dass die neue Düngeverordnung sehr wahrscheinlich im Frühjahr 2020 in Kraft trete. Die Landwirte müssten sich auf diese strengeren Vorschriften einstellen.

In der lebhaften Diskussion wurde von den Landwirten vor allem das Verbot der Düngung von gefrorenen Böden bemängelt. Außerdem sei es praktisch unmöglich den Dünger innerhalb einer Stunde auszubringen.

Zu Beginn der Fachtagung hatte der Vorsitzende des Bauernverbands Ostalb-Heidenheim, Hubert Kucher, die Gäste begrüßt. Außer der Düngeverordnung waren noch die Stoffstromverordnung, die EUF-Methode und der Nitratinformationsdienst in Baden-Württemberg Themen der Tagung.

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