Pandamaske für alle

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Cro-Konzert in Aalen.
Cro-Konzert in Aalen. (Foto: tv)
Schwäbische Zeitung
Politikredakteur/Assistent der Chefredaktion

So stellt man sich ein Woodstock für die Jahrgänge 1999 und jünger vor. In der Scholz-Arena, wo bis zur Sommerpause noch Zweitligisten über den Platz stürmten, rennen jetzt Jugendliche über den Rasen. Viele von ihnen tragen das Markenzeichen ihres Stars als Logo auf dem T-Shirt, die Pandamaske des Hip-Hoppers Cro – oder direkt eine Kopie davon.

Der spielt tatsächlich in Aalen. Dieses Konzert ist eines, das sich so schnell nicht wiederholen wird: in der der Größenordnung und der Anziehungskraft. Auf den überfüllten Parkplätzen rund um das Stadion parken Autos aus dem gesamten Südwesten, dem benachbarten Bayern und sogar aus dem angrenzenden Österreich. Gut 18 00 sind gekommen, um Cro bei seinem Heimspiel zu sehen. Der 25-Jährige hatte bis vor einigen Jahren die Realschule auf dem Galgenberg besucht.

Bis Carlo Waibel, so der bürgerliche Namen des Musikers, um 20 Uhr auf die Bühne steigt, vertreiben die Vorgruppen die Wartezeit. „Lot“ bringt zumindest den Innenraum vor der Bühne etwas in Wallung. Teesy gibt den Gentleman, der Soul, aber auch rappen kann. Die Rhythmen zucken durch seinen Körper, er beherrscht die Musik und gibt sie an das Publikum weiter. Teesy scheut sich nicht vor dem Falsett, aber auch nicht vor dem Seelenstriptease in Reimen. „Dat Adam“ reduzieren den Hip-Hop auf das Wesentliche: zwei MCs und einen DJ. Mit ihrem sehr amerikanischen Sound unterscheiden sie sich vom restlichen Vorprogramm. Die Musiker aus konzentrieren sich auf den Bass, der sich durch die Zuschauerreihen sieht.

Kontrastprogramm sind da Simon First und I am Korny, die sich auf Akustikgitarren beschränken. Doch Simon First fasst das Wesen der Veranstaltung am Nachmittag treffend zusammen. „Heute Abend sind alle wegen einer Person da: Cro.“ Gekreische. „Und er kann euch hören.“ Noch lauteres Gekreische. Simon First hat recht. Es ist ein riesiges Spektakel, das auf den einen Künstler zugeschnitten ist. Die ganze Stadt beugt sich seit Tagen in Richtung des Stadions. Die Hotels sind ausgebucht, Schilder weisen schon von weitem zum Open-Air-Konzert, vor Tagen haben 120 Menschen einen Cro-Flashmob in der Innenstadt veranstaltet.

Als der Vorhang sich um 20 Uhr senkt, erwartet man daher erst mal eine Rede von Oberbürgermeister Thilo Rentschler. Aber es kommt der derzeit berühmteste Sohn der Stadt.

Cro ist der Prototyp der Jugend

Und das ist der Moment, auf den alle 18 000 gewartet haben. Eine Anspannung fällt vom Publikum ab, als würde es für alle kollektiv eine gute Nachricht erhalten, auf die sie seit Monaten gewartet haben.

Cro sieht aus wie die Jugend, er spricht wie sie, er singt von Dingen, die sie versteht. Cro ist ein Mensch gewordener Sneaker. Er könnte ohne seine Maske im Publikum stehen und würde nicht weiter auffallen. Das zeigt auch die Anekdote, die er erzählt. „Ich war gestern Abend im Delphi essen. Jemand am Nebentisch hat sich über das Konzert unterhalten – obwohl ich daneben saß“, amüsiert er sich.

Er ist so nett und harmlos, dass Eltern ihre Kinder im Grundschulalter zum Konzert begleiten und die Musik genauso feiern wie sie. Anders als andere Rapper wie Bushido leistet er sich keine Kontroversen. Das wird an diesem Samstagabend wieder deutlich. Schüler treffen ihre Lehrer samt Familie wieder. Kinder, die gerade alt genug sind für die musikalische Früherziehung, klatschen und springen umher. Das Publikum hängt ihm an den Lippen und wird zum mehrere tausend Menschen starken Chor. Cro ist ein Animateur, der bei seinen Hits wie „Easy“, „Traum“ und „Einmal um die Welt“ seinen Gästen ihre Gesten und Bewegungen vorgibt. Die Arme wippen wellenförmig in Richtung Bühne. Er fordert Geschrei ein, er bekommt Geschrei, dass in seiner Lautstärke die Kapazität der Anlage fast übersteigt. Die Handys ersetzen die Feuerzeuge und verwandeln die Masse in ein Lichtermeer. Als Belohnung gibt es Pyroeffekte, Konfettiregen und ein Feuerwerk zum Abschluss.

Cro versetzt Aalen in einen Rausch, der erst mit dem Sonnenuntergang endet. Der Kater wird länger als einen Tag andauern. Aber ohne Kopfschmerzen und Übelkeit.

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