Packendes Singspiel aus dem Mittelalter

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 Mit festlichem Gottesdienst und einem musikalischen Hochgenuss haben die evangelischen Christen Aalens am Sonntag ihr Gemeindef
Mit festlichem Gottesdienst und einem musikalischen Hochgenuss haben die evangelischen Christen Aalens am Sonntag ihr Gemeindefest gestaltet. Mit einem prächtigen Finale setzte die Choralschule den musikalischen Schlusspunkt. (Foto: Peter Schlipf)
Johannes Müller

Mit festlichem Gottesdienst, reichhaltigem Mittagessen und einem musikalischen Hochgenuss haben die evangelischen Christen Aalens am Sonntag ihr Gemeindefest gestaltet. Mit einem prächtigen Finale setzte die Choralschule den musikalischen Schlusspunkt.

Zahlreiche Besucher hatten sich dazu in der sonnendurchstrahlten Stadtkirche eingefunden. Auf der Empore hatten sich die Kinder und Jugendlichen der Choralschola, einem wichtigen Bestandteil der Aalener Kantorei, versammelt. In vielen Wochen fleißiger Probenarbeit hatte Kirchenmusikdirektor Thomas Haller ein mittelalterliches Singspiel eingeübt.

Piringer dirigiert Sänerschar

Während er an der Orgel saß, dirigierte der neue Kirchenmusikpraktikant Markus Piringer die große Sängerschar. Kurt Enßle aus Schwäbisch Hall hatte ein Ereignis aus der Stadtgeschichte des Jahres 1498 zu einem phantasievollen Singspiel geformt. Mittelalterlich klingende Melodien vermischte er geschickt mit Jazzrhythmen, die erkennbar aus den Südstaaten der USA stammten.

Aus dem kleinen, aber feinen Orchester stachen immer wieder Trompete und Flöte heraus. Markus Piringer sorgte für den perfekten Zusammenklang mit den jungen Stimmen. Unten im Altarraum erzählte eine Gruppe guter Sprecher die spannende Geschichte vom „Geheimnis der Kathedrale“, hinter der sich die beliebte Haller Michaelskirche versteckte.

Der damalige Abt Hadius wollte sich gemeinsam mit seinem Magister Renatus in betrügerischer Absicht am Kirchenbau persönlich bereichern. Aus den vom armen und durch Pest dezimierten Volk erpressten Geldern zweigte er Etliches ab, um in Begleitung von Renatus nach Rom zu reisen und sich die Kardinalswürde zu besorgen. Dass es doch nicht so weit kam, dafür setzten sich eine mutige Frau und ein erfinderisches Mädchen namens Johanna ein, die elternlos aus Magdeburg nach Schwäbisch Hall verschlagen worden war. Als „Knabe Johannes“ schlich sie sich in die Klosterschule ein.

Die gefälschten Bücher wurden entdeckt, Abt und Magister vor Gericht gestellt und als Betrüger verurteilt. Soweit die „erschröckliche Geschichte“. Die einstimmigen Gesänge schilderten Hunger und Not des Volkes, wechselten aber zur kanonartigen Mehrstimmigkeit, als der „Knabe“ aus Magdeburg seine dort erlernten Kontrapunkt-Kenntnisse zur Anwendung brachte. Das glückliche Eventende wurde mit überschwänglichen Halleluja-Kaskaden gefeiert.

Das Publikum feierte jedoch die Kunst der Choralschule und das Wirken ihres Dirigenten und Organisten. Dekan Ralf Drescher und Pfarrer Bernhard Richter freuten sich über den gelungenen Abschluss des Gemeindefestes.

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