Überraschung im Aalener OB-Wahlkampf: Inge Birkhold tritt nun doch nicht an

 Inge Birkhold, die 23 Jahre lang das Aalbäumle bewirtet hat, kandidiert nicht mehr für die OB-Wahl.
Inge Birkhold, die 23 Jahre lang das Aalbäumle bewirtet hat, kandidiert nicht mehr für die OB-Wahl. (Foto: Archiv: Peter Schlipf)
Redakteurin Aalen

Inge Birkhold wird für die im Juli anstehende Aalener OB-Wahl nicht kandidieren. Das hat sie am Donnerstagmorgen den „Aalener Nachrichten/Ipf- und Jagst-Zeitung“ mitgeteilt. Zu den Gründen, die sie dazu bewogen haben, möchte sich die CDU-Stadrätin, Kreisrätin, langjährige Wirtin des Aalbäumle und Inhaberin des Stadthöfle nicht äußern. Auch Anhänger der CDU und der Grünen, von denen sich die 53-Jährige Rückendeckung erhofft hat, halten sich bedeckt.

Noch vor einem Monat war die 53-jährige Aalenerin guten Mutes, als gemeinsame Kandidatin der CDU und der Grünen bei der OB-Wahl ins Rennen gehen zu können. Auch von vielen Bürgern aus sämtlichen gesellschaftlichen Kreisen sei sie dazu ermutigt worden, ihren Hut in den Ring zu werfen. Vier Wochen später ist alles anders. Auf der Liste der OB-Kandidaten wird Inge Birkholds Name im Juli nicht stehen. Warum sie sich gegen eine Bewerbung entschieden hat, bleibt unklar. Ob persönliche Gründe eine Rolle spielen oder sie von ihrer Partei keine Unterstützung für eine mögliche Kandidatur bekommen hat, bleibt im Dunkeln.

„Dass Inge Birkhold nicht mehr für eine Kandidatur zur Verfügung steht, bedauere ich“, sagt der Fraktionsvorsitzende der CDU im Aalener Gemeinderat und Stadtverbandsvorsitzender, Thomas Wagenblast. Warum sich die 53-Jährige zu diesem Schritt entschlossen habe, wisse er nicht. Allerdings habe er vor ihrer Entscheidung den allergrößten Respekt. Gerüchte, denen zufolge Inge Birkhold in einem Treffen des Stadtverbands nahegelegt worden sei, sich wegen fehlender Verwaltungserfahrung nicht für eine Kandidatur zu entscheiden, kann Wagenblast nicht bestätigen. Auch von einer mangelnden Unterstützung vonseiten der CDU könne keine Rede sein. „Definitiv nicht.“

Gespräche mit anderen potenziellen OB-Kandidaten würden derzeit laufen, sagt Wagenblast. Und jeder Interessent werde von der CDU aufmerksam registriert und durchleuchtet. „Uns geht es darum, den Richtigen zu finden und das ist eine schwierige Aufgabe, der wir uns mit Ernst widmen.“ Da es sich bei der OB-Wahl allerdings um eine Persönlichkeitswahl handele, sei es nicht zwingend notwendig, dass der Bewerber auch Mitglied der CDU ist. „Wir brauchen einen Kandidaten für Aalen und nicht einen für die CDU“, sagt Wagenblast.

Dass sich ein Interessent nach Informationen der „Aalener Nachrichten/Ipf- und Jagst-Zeitung“ bereits in der Fraktionssitzung der CDU am Dienstag kommender Woche vorstellen will, kommentiert der Fraktionsvorsitzende nicht. Auch er selbst ist in der Vergangenheit als möglicher OB-Kandidat gehandelt worden. Doch in Gesprächen mit seiner Familie sei Wagenblast zu dem Schluss gekommen, sich kommunalpolitisch nur im Ehrenamt zu engagieren. Frederick Brütting, Bürgermeister von Heubach, der seine Kandidatur vor wenigen Tagen öffentlich gemacht hat, sei ein respektiertes Mitglieder der kommunalen Familie, der sich allerdings im Wahlkampf mit einem Kandidaten der CDU messen müsse, sagt Wagenblast.

Dass Inge Birkhold das Handtuch geworfen hat, bedauert auch der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Aalener Gemeinderat, Michael Fleischer. „Wir schätzen Inge Birkhold als Stadträtin sehr.“ Was innerhalb der CDU gelaufen ist, sei allerdings Sache der Partei und sie müsse mit allen Konsequenzen leben. Zur anstehenden OB-Wahl und ob die Grünen einen eigenen Kandidaten stellen werden, will sich Fleischer nicht äußern. „Wir sagen erst dann was, wenn wir was zu sagen haben.“

Gerüchte, denen zufolge der Landtagsabgeordnete Winfried Mack gegen eine Kandidatur von Inge Birkhold gewettert habe, kann dieser nicht bestätigen. „Ich habe in den vergangenen Wochen niemals an einem Treffen des CDU-Stadtverbands oder anderweitigen Treffen der CDU teilgenommen, in denen es um eine mögliche Kandidatur von Inge Birkhold ging.“ Angesichts des Wahlkampfs und den derzeitigen Koalitionsverhandlungen wäre dafür auch keine Zeit geblieben. Auch der Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter dementiert eine Einflussnahme auf den Stadtverband und auf die mögliche Kandidatur von Inge Birkhold, die für ihn „eine tolle Kandidatin“ gewesen wäre und deren Rückzug er bedauere.

Angesicht der OB-Wahl dürfen parteipolitische Machenschaften keine Rolle spielen.

Roderich Kiesewetter

„Angesicht der OB-Wahl dürfen parteipolitische Machenschaften keine Rolle spielen“, sagt Kiesewetter, der sich auch einen nicht zur CDU gehörenden Kandidaten vorstellen könnte. Als Kreisverbandsvorsitzender oder gar als Bundestagsabgeordneter möchte er allerdings nicht in die Handlungsfreiheit des CDU-Stadtverbands eingreifen, der sich letztlich für einen Kandidaten entscheiden müsse. Nichtsdestotrotz werde er zeitnah das Gespräch mit Thomas Wagenblast suchen, auch vor dem Hintergrund, dass die Bewerbung für den Posten des OB am 16. April beginnt. Für Kiesewetter ist allerdings klar, dass die CDU nicht auf Teufel komm raus Bewerber suchen müsse, sondern solche angesichts des Postens allein auf die Partei zukommen würden.

Dass Inge Birkhold nicht kandidiert, finden viele Bürger, Parteigenossen und auch Stadträte anderer Fraktionen schade, die jetzt von dem Entschluss der 53-Jährigen erfahren haben. Als Stimmenkönigin bei der letzten Kommunalwahl, wegen ihrer Verbundenheit zu ihrer Heimatstadt und aufgrund ihrer lokalpolitisch geprägten Vergangenheit, in der sowohl ihr Großvater als auch ihr Vater Hans Birkhold die Geschicke der Kreisstadt mitgelenkt haben, hätte sie das Zeug zur Oberbürgermeisterin gehabt, sagen viele. Darüber hinaus wäre es endlich Zeit für eine Frau gewesen, die mit ihrer menschlichen und unkomplizierten Art Ruhe ins Rathaus gebracht hätte. Ihr mangelnde Erfahrung in der Verwaltung vorzuwerfen, sei schofel. Diese hätten auch andere OBs nicht, wie das Beispiel in Göppingen zeigt.

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