OB Rentschler über die Stadtpolitik

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Oberbürgermeister Thilo Rentschler hat am Samstagmorgen die Reichsstädter Tage vor dem Rathaus eröffnet. Die Eröffnung begleite
Oberbürgermeister Thilo Rentschler hat am Samstagmorgen die Reichsstädter Tage vor dem Rathaus eröffnet. Die Eröffnung begleiteten mit Römer, Bergmann, Spion, Schubart und Eisenbahner historische Figuren aus der Stadtgeschichte. (Foto: Thomas Siedler)
Redaktionsleitung

„Mehr geht nicht.“ Mit diesem Satz hat Oberbürgermeister Thilo Rentschler die städtebauliche Entwicklung Aalens beschrieben. Seine mittlerweile traditionelle Rede zum Auftakt der Reichsstädter Tage hat das Stadtoberhaupt für eine Art persönlicher Regierungserklärung genutzt.

Fanfarenklänge des Städtischen Orchesters hießen die Gäste der Eröffnungsfeier zu den 44. Reichsstädter Tagen vor dem Rathaus willkommen, und die Läschtermäuler der Aalener Fasnachtszunft stimmten das Olamer Lied an, in dem es im Refrain so schön heißt: „Onser Stadt, die isch toll, da fühlt sich jeder wohl...“

Rentschler begrüßte am Samstagmorgen besonders die Delegationen aus den befreundeten Städten: aus Saint Lô in Frankreich, aus Antakya in der Türkei, aus Tatabanya in Ungarn, Christchurch in England, Cervia in Italien, Saint Ghislain in Belgien, Webster in den USA und erstmals aus Vilankulo in Mosambik. Die Delegation aus dem afrikanischen Land hatte mit 8600 Kilometern Luftlinie die weiteste Anreise auf sich genommen. Während die Freundschaft mit Vilankulo noch ganz frisch ist, währt die Partnerschaft mit Saint Lô in der Normandie mittlerweile 40 Jahre. Ein Grund zum Feiern.

Menschen aus über 120 Nationen leben in Aalen

Rentschler bekannte sich deutlich und unter dem Applaus seiner Zuhörer zur repräsentativen Demokratie, in der frei gewählte Abgeordnete die Politik bestimmen und nicht Autokraten, populistische Präsidenten oder weitaus schlimmere Formen der Machtausübung. In diesem Zusammenhang verwies das Stadtoberhaupt auf das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland als einem herausragenden Schatz für das friedliche und tolerante Zusammenleben in einer Gesellschaft, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion und Geschlecht. Frieden, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu bewahren, sei die große Aufgabe schlechthin. Als einen großen kommunalen Beitrag dazu wertete Rentschler Freundschaften zwischen Menschen aus unterschiedlichen Städten. Er sieht darin das Fundament für die Völkerverständigung. Froh zeigte sich der OB für die Möglichkeit, in Aalen mit Menschen aus über 120 Nationen friedlich zusammenzuleben.

Kommunalpolitische Herkulesarbeit

Die Entwicklung Aalens bezeichnete Rentschler als kommunalpolitische Herkulesarbeit. Ohne ständiges Vermitteln zwischen den mittlerweile sechs Fraktionen im Gemeinderat und ohne Einbindung der Ortschaftsräte und der Bürgerschaft wären die – so der OB – wichtigen städtebaulichen Entwicklungen in den vergangenen fünf Jahren nicht möglich geworden. Das Stadtoberhaupt wörtlich: „Jede gelungene Entwicklung, jede gemeinsam getroffene politische Entscheidung im Gemeinderat – für die Stadt – hilft, dass wir Schritt um Schritt zur Gesamtstadt werden, mit oberzentraler Funktion, mit gemeinsamer Identität, mit Stolz auf das Erreichte und mit dem Ehrgeiz für neue Ziele und Aufgaben. So bewahren wir unsere Heimat.“

Abbau von Schulden trotz „rekordverdächtiger“ Investitionen

Als Beleg für die kommunalpolitische Arbeit nannte der Oberbürgermeister den Abbau von Schulden trotz „rekordverdächtiger“ Investitionen. Die Pro-Kopf-Verschuldung im städtischen Haushalt beläuft sich demnach auf 382 Euro. 2013 waren es laut Rentschler noch 874 Euro. Im aktuellen Haushaltsplan enthalten seien alle wichtigen Weichenstellungen: Flächennutzungsplan, Innenentwicklung, Mobilität, Umweltschutz, Kultur, Sport, Freizeit und der Ausbau von Bildung und Betreuungsinfrastruktur. Dass es in Aalen vorangeht, sieht man nach Ansicht des Stadtoberhaupts auch an den zahlreichen neuen Baugebieten. Ausdrücklich lobte der OB das Engagement der Stadtwerke und erwähnte das Smart City-Konzept, die Förderung der E-Mobilität und die Großinvestition in die Bäderlandschaft.

Herausragende bürgerschaftliche Bewegung

Als weiteres Beispiel für kommunalpolitisches Handeln nannte der OB die 25 verschiedenen Bürgerinformationsveranstaltungen und Workshops zur Bürgerbetiligung in den Jahren 2017 und 2018. Die vor 20 Jahren gegründete Lokale Agenda würdigte er als herausragende bürgerschaftliche Bewegung. Bersonders stellte Rentschler das finanzielle Engagement von Gerhard und Manfred Grimminger für das neue Explorhino-Gebäude heraus. Beide werden auf Beschluss des Gemeinderats mit der Großen Ehrenplakette der Stadt ausgezeichnet.

Am Schluss seiner Rede machte der Oberbürgermeister noch Werbung für „drei Herzensangelegenheiten“. Erstens für die Aalener Kulturwochen, die die Vorfreude auf den Kulturbahnhof erhöhen sollen. Zweitens soll Aalen für alle Gründerinitiativen, Forschungsaktivitäten und Start-up’s noch attraktiver werden. Drittens versprach Rentschler, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Innenstadt attraktiv zu halten.

Claus Albrecht fordert mehr Parkplätze in der City

Die von OB Rentschler geäußerte Herzensangelegenheit zur Attraktivität der City war eine Steilvorlage für den Vorsitzenden des Bunds der Selbstständigen, Claus Albrecht. Er mahnte, die Erreichbarkeit der Innenstadt mit allen Verkehrsmitteln nicht zu vernachlässigen. Insbesondere der Altstadtring müsse erhalten bleiben und dürfe nur in Ausnahmefällen unterbrochen werden. Das Thema „Parkplätze“ müsse angegangen werden und zwar sowohl für Besucher als auch für Mitarbeiter von Geschäften in der City, der ÖPNV verbessert und die digitalisierte Fahrgastinformation nicht nur am ZOB installiert werden. Außerdem forderte Albrecht das vor Jahren erstellte Einzelhandelsgutachten in Bezug auf innenstadtrelevante Sortimente fortzuschreiben.

Für Politik, die den Frieden im Blick behält

Der evangelische Dekan Ralf Drescher und der katholische Pfarrer Wolfgang Sedlmeier sprachen gemeinsam einen Friedensgruß. Sedlmeier wandte sich an die Politiker, die es zurzeit schwer hätten, da die Gefahr bestünde, dass die Gesellschaft auseinanderfalle. Der Geistliche wünschte sich daher eine Politik, die das allgemeine Wohl und den Frieden im Blick behält. Denn diese Politik diene den allermeisten Menschen.

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