Neues Licht auf altes Rätsel

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 Das Bild zeigt einen Schnitt durch den sogenannten Wall C auf dem Rosenstein, der in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts v.
Das Bild zeigt einen Schnitt durch den sogenannten Wall C auf dem Rosenstein, der in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. errichtet worden ist. (Foto: RP Stuttgart)
IPF- UND JAGST-ZEITUNG

Seit Anfang Juni finden erneut archäologische Ausgrabungen auf dem Rosenstein bei Heubach im Ostalbkreis statt. Die Ausgrabungen, die das Spezialistenteam um Projektleiter Christian Bollacher vom Landesamt für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart durchführt, sind Teil eines Forschungsprojektes, das sich der ungewöhnlich reichhaltigen vorgeschichtlichen Denkmallandschaft am Heubacher Albtrauf widmet. Im Zentrum des Interesses stehen dabei die mächtigen, angelegten Wälle und Gräben, die den Rosenstein und seine beiden Nachbarberge – Mittelberg und Hochberg – bis heute prägen. Christian Bollacher hat vor wenigen Tagen einen ersten Zwischenbericht zum Stand der aktuellen Forschungen abgegeben und in diesem Zuge über die neuesten Erkenntnisse zu den Kelten am Rosenstein informiert.

Ein faszinierender Brennpunkt der keltischen Landesgeschichte

Lange Zeit war über Alter und Funktion der Anlagen nur wenig bekannt. Mit den Forschungen des LAD ergibt sich nun der Blick auf einen faszinierenden Brennpunkt der keltischen Landesgeschichte. Mittlerweile wurde festgestellt, dass sowohl die „Teufelsmauer“ auf dem Mittelberg als auch der „Wall C“ auf dem Rosenstein in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts vor Christus als mächtige Mauern errichtet wurden. In einer Zeit tiefgreifender kultureller Umbrüche erschien es den Bewohnern der Rosenstein-Region offenkundig ratsam, ihre Wehrfähigkeit und Kampfbereitschaft durch die Anlage repräsentativer Verteidigungsbauwerke zu signalisieren.

Dass es dennoch zu kriegerischen Auseinandersetzungen gekommen ist, zeigen die Spuren massiver Zerstörung, die im Rahmen der aktuellen Grabungen an den Befestigungen festgestellt werden konnten. In ruhigen Phasen lebten die Menschen einst im Schutz der Mauern friedlich beieinander. Zahlreiche Kleinfunde berichten vom Leben in Haus und Hof, von Textilherstellung sowie Eisen- und Buntmetallverarbeitung. Die Teilhabe an weitgespannten Handelsnetzen zeigt sich beispielhaft in Funden sogenannter Briquetagen, keramischer Einweg-Gefäße, in denen in den keltischen Salinen des Heilbronner Raumes Salz gesotten und verhandelt wurde.

Die Grabungen des vergangenen Jahres haben hochinteressante Einblicke in die ungewöhnliche Konstruktionsweise des „Walls C“ auf dem Rosenstein eröffnet. Es handelte sich um ein komplexes Gebilde, dessen rampenartiger Baukörper eine gegen den Feind gewandte Holzfront ausbildete. Für Stabilität sorgten zwei oder drei Lagen dicht verlegter Ankerhölzer, die der Front festen Rückhalt im Wallkörper verliehen. Sie waren dort in einer Schicht aus Kalksinter verlegt, ein Material, das an den Karstquellen der umliegenden Täler gewonnen wurde. Es kann leicht abgebaut werden und verfestigt sich bei Austrocknung zu einer kompakten Masse – ein Effekt, den die keltischen Baumeister am Rosenstein geschickt für die statische Stabilisierung ihrer Wehrmauer nutzten.

Der somit erbrachte Nachweis, dass sich die Kelten an den Sinterterrassen und Tuffbänken der Karstlandschaft zu schaffen machten, wirft auch neues Licht auf ein altes Rätsel. Schon Franz Keller, der Heubacher „Rosenstein-Doktor“, der sich vor einem Jahrhundert um die Erforschung des Rosensteins verdient gemacht hat, berichtete davon, dass ihm bei seinen Grabungen am Hauptwall des Plateaus immer wieder akkurat gearbeitete Tuffsteinquader aufgefallen seien. Bislang herrschte die Meinung, diese Steine gehörten ins Mittelalter. Nun aber stellt sich die Frage, ob sie nicht bereits keltischen Ursprungs sein könnten.

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