Naturschutz kommt am Falkenberg unter die (Wind)räder

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Keine 700 Meter von der Windkraftanlage entfernt befindet sich ein Horst des geschützten Wanderfalken.
Keine 700 Meter von der Windkraftanlage entfernt befindet sich ein Horst des geschützten Wanderfalken. (Foto: Dammenmiller)
Aalener Nachrichten

Die drei Windkraftanlagen am Falkenberg bei Bartholomä sind fast fertig, doch ob sie wie geplant den Betrieb aufnehmen dürfen, ist fraglich. Denn keine 700 Meter von der westlichsten Anlage entfernt befindet sich ein Horst des streng geschützten Wanderfalken. Der seltene Greifvogel gilt als hochgradig gefährdet, durch die Rotoren von Windkraftanlagen erschlagen zu werden, deshalb muss der Abstand in Baden-Württemberg mindestens 1000 Meter betragen.

„Wir sind im Genehmigungsverfahren angehört worden und haben unsere Bedenken mehrfach schriftlich wie auch in einem persönlichen Gesprächstermin mit Vertretern der Projektgesellschaft und der Behörde vorgebracht“, sagt Armin Dammenmiller, Kreisvorsitzender Ostalb des Nabu (Naturschutzbund Deutschland).

Das im Rahmen des Genehmigungsverfahrens vom Projektierer in Auftrag gegebene Artenschutzgutachten hatte keinerlei Probleme mit Greifvögeln attestiert. Nach Einschätzung der Naturschützer genügt dieses Gutachten jedoch nicht den fachlichen Anforderungen, wie diese in ihrer Stellungnahme zum Genehmigungsverfahren gegenüber den Behörden deutlich gemacht haben. Unter anderem hatten die Naturschutzverbände dabei auf die Wahrscheinlichkeit von Greifvogelbrutplätzen in der Nähe der Anlagen hingewiesen. Trotzdem wurde der Windpark im November vergangenen Jahres vom Landratsamt genehmigt, ohne dass genauere Untersuchungen angeordnet wurden. Obwohl der Nabu sowie der Landesnaturschutzverband und der BUND Widerspruch einlegten, wurde sofort mit dem Bau begonnen.

Einziger Horst auf östlicher Alb

Während der Brutsaison im Frühjahr dieses Jahres haben die Naturschützer deshalb selbst nachgesehen und die Flüge der seltenen Greifvögel beobachtet. Dabei gelang es ihnen, den Wanderfalkenhorst an der Abbruchkante der Alb zweifelsfrei nachzuweisen und zu dokumentieren. Der Horst sei mit einem Brutpaar besetzt gewesen, das dort Jungvögel aufgezogen habe, sagt Dammenmiller.

„Das Vorhandensein dieses Brutplatzes ist seit rund 20 Jahren bekannt“, so der Naturschützer. Entgegen den Vorgaben der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg seien für das Gutachten im Rahmen des Genehmigungsverfahrens jedoch keine Daten von der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz angefordert worden.

Der Befund wiegt laut Dammenmiller umso schwerer, als es sich aktuell um den einzigen bekannten Horst des Wanderfalken auf der östlichen Alb handle.

Projektierer für den Windpark Falkenberg sind die Stadtwerke Heidenheim. Der Widerspruch der Naturschützer liegt seit April beim Regierungspräsidium. Doch erst nach fast fünf Monaten habe die Behörde ein Lebenszeichen von sich gegeben und den Nabu um Konkretisierung der Einwände gebeten, berichtet Dammenmiller verärgert.

Die Naturschützer lassen keinen Zweifel daran, dass sie gegen eine Zurückweisung ihres Widerspruches rechtliche Schritte erwägen. Dass die Anlagen demnächst in Betrieb gehen sollen, sehen er und seine Mitstreiter nicht als Grund, ihren Widerstand aufzugeben. „Damit würden wir Planer und Verwaltung geradezu ermutigen, den Naturschutz auch bei künftigen Projekten vor vollendete Tatsachen zu stellen“, sagt Dammenmiller.

Weitere Windkraftprojekte gibt es im Ostalbkreis derzeit genug, und einige sind aus Sicht der Naturschützer durchaus strittig. Als Beispiel nennt Dammenmiller den Windpark Eiwald/Adelmannsfelden/Abtsgmünd, für den noch das Genehmigungsverfahren läuft. Dort hätten vom Bauherren beauftragte Gutachter den seltenen und streng geschützten Schwarzstorch „übersehen“, der dort erwiesenermaßen brüte.

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