Nach Nördlingen soll doch alle zwei Stunden ein Zug fahren

Nun also fährt der Zug doch, zumindest einmal alle zwei Stunden, dazwischen fährt ein Bus.
Nun also fährt der Zug doch, zumindest einmal alle zwei Stunden, dazwischen fährt ein Bus. (Foto: fabian Sommer/dpa)
Redakteur

Auf der Riesbahn kommt es für die Bahnfahrer nun doch nicht ganz so schlimm wie zunächst befürchtet. Zumindest im Zweistundentakt werden auch nach dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember Züge auf der Strecke zwischen Aalen, Nördlingen und Donauwörth verkehren. Zuvor hatte der neue Betreiber Go Ahead angekündigt, den Abschnitt Aalen-Nördlingen monatelang nur mit Bussen zu bedienen.

Pläne sind nachgebessert worden

Den nachgebesserten Plänen zufolge wird alle zwei Stunden ein Zug eingesetzt, in den Stunden dazwischen ein Bus. Dieses Konzept haben Vertreter des Unternehmens am Mittwochabend in einem Gespräch auf Einladung des Fahrgastverbandes Pro Bahn vorgestellt. Auch das baden-württembergische Verkehrsministerium berichtete von der neuerlichen Planänderung.

Nicht hinnehmbares „Bayern first“

Go Ahead hat die Ausschreibung des Freistaates Bayern für den Betrieb mehrerer Bahnstrecken in Bayerisch-Schwaben gewonnen. Als einzige davon reicht die Strecke Nördlingen-Aalen in größerem Umfang auf baden-württembergisches Gebiet. Bislang betreibt Go Ahead in Bayern den Regionalverkehr zwischen Lindau und München, in Baden-Württemberg unter anderem zwischen Stuttgart, Aalen und Crailsheim. Allerdings fehlt dem Unternehmen für die neuen Strecken eine ausreichende Anzahl an Lokführern. Daher sollte der Betrieb auf mehreren Strecken nur in abgespecktem Umfang aufgenommen werden – gleich das komplette Angebot auf Schienenersatzverkehr umzustellen, war aber nur für die Strecke nach Baden-Württemberg vorgesehen. Entsprechend verschnupft reagierte man im Stuttgarter Verkehrsministerium, von einer nicht hinnehmbaren „Bayern first“-Haltung war die Rede.

Winfried Hermann zunächst zufrieden

Nun schreibt sich Südwest-Verkehrsminister Winfried Hermann die neuerliche Planänderung von Go Ahead als Erfolg auf die Fahne. „Unser Eingreifen im Interesse der Fahrgäste war offenkundig erfolgreich“, teilte der Grünen-Politiker mit. „Es ist gut, dass jetzt nach dem Fahrplanwechsel zumindest ein Zwei-Stunden-Takt auf der Schiene angeboten wird. Dennoch fordern wir, schnellstmöglich das bestellte stündliche Angebot auf der Riesbahn umzusetzen.“

Subunternehmen übernimmt die Strecke Aalen-Nördlingen-Donauwörth

Go Ahead hat für die Strecke Aalen-Nördlingen-Donauwörth nun ein Subunternehmen beauftragt, das Personal und Züge stellt. Spätestens ab Juni 2023 soll nach Angaben des Unternehmens der normale Fahrplan erreicht werden, also ein Stundentakt auf der Schiene.

Fragen bleiben dennoch offen

Für Matthias Beß, stellvertretender Vorsitzender von Pro Bahn in Baden-Württemberg, stellt sich trotz der jüngsten Nachbesserungen die Frage, warum Go Ahead gerade auf der Riesbahn sein Angebot am stärksten einschränkt. Mehrere andere Strecken, darunter München-Augsburg, werden von Anfang an in vollem Umfang bedient. Das Unternehmen habe unter anderem damit argumentiert, dass zwischen Aalen und Nördlingen die Züge am wenigsten stark genutzt würden, so Beß. Dabei sei der „umgekehrte Denkansatz“ richtig: „Gerade da, wo das Angebot ohnehin schon sehr dünn ist, da sollte man es nicht noch mehr ausdünnen“, fordert der Fahrgast-Vertreter. „Es gibt dann zwar die wenigsten Betroffenen, aber die Auswirkungen für die wenigen, die die Strecke noch nutzen, sind am größten.“ Zwischen Augsburg und München beispielsweise würden so viele Züge verkehren, dass ein Ausfall für die Fahrgäste vergleichsweise leicht zu verschmerzen sei – ganz anders als zwischen Aalen und Nördlingen. „Wenn der Takt ohnehin so dünn ist, tut man den Leuten doppelt weh.“

Aus Sicht von Beß sind die Probleme, die Go Ahead auf der Riesbahn hat, kein Einzelfall. Die meisten Betreiberwechsel würden nicht reibungslos verlaufen: „Das braucht Jahre, bis das rund läuft.“

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