Nach Beschwerden setzt GOA auf europäische Säcke

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 Nach Beschwerden setzt GOA auf europäische Säcke.
Nach Beschwerden setzt GOA auf europäische Säcke. (Foto: Archiv)
Redakteurin/DigitAalen

Die gelben Säcke sind zu dünn und reißen. Und mit ihnen auch der Geduldsfaden der Bürger, die sich in der vergangenen Zeit über die schlechte Qualität der gelben Säcke schwarz ärgerten. „Viele Beschwerden sind auch bei uns eingegangen“, sagt der Geschäftsführer der Gesellschaft im Ostalbkreis für Abfallbewirtschaftung (GOA), Henry Forster. Deshalb werde das Unternehmen fortan nicht mehr gelbe Säcke aus China, sondern von einem europäischen Hersteller beziehen. Diese hochwertigeren Säcke würden seit Anfang des Jahres ausgegeben.

Dicker sind die gelben Säcke deshalb allerdings nicht. Die Dicke sei auch nicht das Problem gewesen, die die importierten Tüten für Verpackungsmüll aus China haben leichter reißen lassen. Vielmehr seien die Nähte unzulänglich verschweißt und die Säcke mangelhaft auf die Rolle gezogen worden, sagt Forster. Angesichts der zahlreichen Reklamationen habe die GOA allerdings reagiert und werde die gelben Säcke künftig über einen Produzenten in Europa beziehen. Auch wenn diese im Einkauf teurer seien. Durch die geografische Nähe könnten beanstandete Säcke damit jedoch einfacher und weniger aufwendig an den Hersteller zurückgeschickt werden.

Je dicker der gelbe Sack, desto mehr wird er missbraucht

Der Wunsch nach dickeren gelben Säcken werde ständig laut. Doch das Duale System Deutschland (DSD), das regionale Entsorgungsfirmen wie die GOA für die Abholung der gelben Säcke beauftragt, gebe genau vor, wie die Säcke beschaffen sein müssen. Und dicker wolle man diese auch gar nicht haben, sagt Forster. Aus gutem Grund. Zum einen würde für die Herstellung dann mehr Plastik verbraucht – ein Widerspruch zum Umweltgedanken – und die Produktion wäre teurer.

Zum anderen würden, je dicker die Einweg-Plastiktüten sind, diese für andere Dinge missbraucht. Dies sei bereits jetzt schon der Fall, sagt Forster und denkt etwa an die Verwendung der gelben Säcke für Hausmüll, Altkleider, zum Abdecken von Pflanzen im Garten oder als Behältnis, um Gegenstände im Keller zu lagern. „Im Jahr geben wir acht Millionen gelbe Säcke aus, vier Millionen sammeln wir allerdings nur ein. Das heißt, die Hälfte wird für solche Sachen zweckentfremdet.“

Was in den gelben Sack darf, den die GOA alle vier Wochen abholt, ist eigentlich klar. Eigentlich. Denn mit dem Heft, das das Unternehmen mit Sitz in Schwäbisch Gmünd vor geraumer Zeit an alle Haushalte verschickt hat, stiftete es seinerseits bei einigen Lesern der „Aalener Nachrichten“ für Verwirrung. Entgegen des Aufdrucks auf dem gelben Sack, der Dosen und Konservenbüchsen erlaubt, sind diese unter der Rubrik „Das darf hier nicht rein“ ebenfalls aufgeführt. Was denn nun?

Dosen und Konserven dürfen in den gelben Sack

Forster bringt Licht ins Dunkel. Dieser vermeintliche Widerspruch sei ein Ostalbkreis-Thema. Bundesweit sei es so, dass Dosen als Leichtverpackung wie Tetrapacks oder Kunststoffflaschen in den gelben Sack gehören und automatisch auch dort landen. Im Ostalbkreis gebe es allerdings auch die Möglichkeit, die Dosen in die Container zu werfen, die sich an den Standorten der Glascontainer befinden. Viele Bürger würden dieses Angebot beim Wegbringen ihrer Glasflaschen nutzen. Auch, um mit den scharfkantigen Dosen den gelben Sack nicht aufzuschlitzen. Es sei aber nach wie vor erlaubt, Dosen und Konserven in den gelben Sack zu füllen.

So mancher Bürger möchte allerdings gar nichts mehr in den gelben Sack werfen, sondern vielmehr in eine reißsichere gelbe Tonne, die es etwa im Rems-Murr-Kreis gibt. Mit einer solchen bestünde keine Gefahr, dass die Säcke platzen, im Sommer bis zum Himmel stinken, vor der Abfuhr von Vögeln aufgepickt werden oder bei Unwetter durch die Gegend fliegen und dadurch der Müll auf der Straße landet. Doch auf diesen Wunsch habe die GOA keinen Einfluss, sagt Forster. Über die Abfallsatzung zu entscheiden und darüber, welche Systeme zum Zug kommen, sei Sache des Ostalbkreises.

Andere Landkreise, andere Systeme

Die GOA sei nur Dienstleister. Und ihr sei es letztlich egal, ob sie einen Sack oder eine Tonne leert. Darüber hinaus gebe es nach wie vor auch Landkreise etwa im Bayerischen, die weder einen Sack noch eine Tonne haben. In diesem Fall müssten die Bürger ihre Leichtverpackungen selbst zum Recyclinghof bringen. Wiederum andere Landkreise hätten Wertstofftonnen, in denen die Bürger alles reinwerfen können – von der Bratpfanne bis zum Bobbycar, sagt Forster.

Im Ostalbkreis habe man sich im Bereich der Wertstoffentsorgung als Bürgerservice für ein kombiniertes Hol- und Bringsystem eingesetzt, sagt Susanne Dietterle, Pressesprecherin des Landratsamtes. Dazu gehört etwa, dass Wertstoffe entweder im Turnus von vier Wochen von den Bürgern im gelben Sack zur Abholung bereitgestellt werden oder aber, dass sie, so oft sie es möchten, die Wertstoffe selbst im gelben Sack auf einem der Wertstoffhöfe anliefern können.

Durch den Einsatz der Sacklösung seien die Bürger flexibler. Darüber hinaus ließen sich die Säcke zu Hause einfacher lagern. Eine gelbe Tonne wird wohl keiner in der Küche deponieren, sagt Forster. Um dort dann den Verpackungsmüll zu sammeln, müsste der Bürger wiederum auf ein anderes Behältnis wie etwa auf eine Plastiktüte zurückgreifen.

Auch im innerstädtischen Bereich und in größeren Wohnanlagen stelle sich mit der Sack-Lösung das Problem der Aufbewahrung weiterer Tonnen nicht, sagt Dietterle. In Mehrfamilienhäusern würden bereits jetzt schon die blauen Tonnen und die Tonnen für Restmüll, die größtenteils im Freien deponiert werden, genügend Platz verschlingen, sagt Forster.

Bürger zahlt für den gelben Sack unbemerkt

Der gelbe Sack wurde 1992 von dem Dualen System Grüner Punkt eingeführt. Mittlerweile gibt es elf Duale Systeme, sagt Henry Forster. Sowohl die blaue Tonne als auch der gelbe Sack werde den Bürgern von der GOA kostenlos zur Verfügung gestellt.

Bei der blauen Tonne würden die Anschaffungskosten und der Abtransport des Altpapiers über dessen Verkauf finanziert, sagt Forster. Die Herstellung des gelben Sacks und dessen Entsorgung zahlen indes die Bürger selbst – unbemerkt, wohlgemerkt. Denn bei jedem Einkauf eines Joghurtbechers, von Tetrapack und Co. sei im Preis eine Lizenzgebühr enthalten, die die Supermärkte an das Duale System abführen müssen. Mit dem Erlös beauftrage dieses wiederum regionale Entsorgungsfirmen wie die GOA für die Einsammlung des gelben Sackes.

Mit der Einführung der Lizenzgebühr habe sich die Politik erhofft, dass es weniger Verpackungsmüll gibt, sagt Forster. Doch diese Lenkungswirkung erreiche den Bürger nicht. Denn diesem sei gar nicht bewusst, dass er beim Kauf von Plastikbechern und Co. einen oder zwei Cent quasi als Umweltgebühr mehr bezahlt. Auch die Einführung von Pfand für Einwegflaschen mit dem Ziel, dass weniger solcher Flaschen verkauft werden und verstärkt Mehrwegflaschen gekauft werden, sei daneben gegangen. Denn das bezahlte Pfand würden die Bürger eins zu eins am Automaten zurückerhalten. Ein Umdenken hätte es vielmehr bewirkt, wenn der Bürger von 25 Cent lediglich 20 Cent Pfand ausbezahlt bekommt, sagt Forster.

Erst am Abfuhrtag rausstellen

Damit der Ärger über von Tieren zerfetzte oder bei Unwetter umherfliegende gelbe Säcke ein Ende hat, appelliert Henry Forster an die Bürger, ihre gelben Säcke erst unmittelbar vor der Abfuhr auf die Straße zu stellen. Am Vorabend oder im Idealfall sogar erst am Abholtag vor 7 Uhr. Darüber hinaus sollten Bürger darauf achten, dass die gelben Säcke nicht zu vollgestopft sind und spitze Gegenstände möglichst nicht eingeworfen werden.

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