Mit einem Fingerschnipp im Tiefschlaf

Lesedauer: 5 Min
 Reiner Dehner (links im Bild) ist Diakon, Zauberkünstler und Show-Hypnotiseur. Wie zwölf Probanden der über 100 Besucher in der
Reiner Dehner (links im Bild) ist Diakon, Zauberkünstler und Show-Hypnotiseur. Wie zwölf Probanden der über 100 Besucher in der Sängerhalle selbst erfahren durften. (Foto: Markus Lehmann)
Freier Mitarbeiter

Mit einem Fingerschnipp in den Tiefschlaf: Wie Hypnose genau funktioniert, weiß man immer noch nicht so richtig. Aber sie funktioniert bei jedem, der bereit dazu ist. Wie die zwölf Probanden, die sich auf der Bühne der Sängerhalle von Reiner Dehner in diesen faszinierenden wie sonderbaren Zustand schicken ließen. Mit dem Auftakt zur Veranstaltungsserie „Kräfte zwischen Himmel und Erde“ hatte der Bildungsausschuss der katholischen Seelsorgeeinheit Wasseralfingen-Hofen ein gutes Gespür bewiesen. Über 100 Interessierte waren gekommen und hatten viele Fragen an den hypnotisierenden Diakon, der schon mal vor sechs Jahren als Zauberkünstler in der Sängerhalle war.

Apropos Zauberkünstler: Schon mit zwölf Jahren lernte Dehner Zaubertricks, trat mit 16 einem magischen Zirkel bei und wurde durch eine Hypnoseshow aufmerksam auf dieses Phänomen, das man im 18. Jahrhundert „animalischen Magnetismus“ nannte. Im theoretischen Teil des Abends geht er auf die Geschichte der Hypnose ein, auf die große Zeit der Hypnoseshows zwischen den 80er-Jahren und 2000 und er erzählt auch, was Hypnose und Glaube auf den zweiten Blick verbindet: Man kann dran glauben oder eben nicht, sich auf Erfahrungen einlassen oder nicht.

Hypnotisierbar ist jeder

Hypnotisierbar jedenfalls ist jeder, der es zulässt, stellt er fest. Die einen leicht und schnell, die anderen schwer und nur nach vielen Versuchen. Dehner berichtet, wie er seiner Frau die Geburt der zwei Töchter mit Hypnose enorm erleichterte und nahezu schmerzfrei geschehen ließ. Die Frauenärztin hätte ihn prompt eingestellt als „Geburtshelfer“. Er erzählt von den Therapiemöglichkeiten bei psychosomatischen Krankheiten, Bulimie, Suchtentwöhnung, Gewichtsproblemen. Und er zeigt die Grenzen auf. Hypnose ist nur ein Anstoß, eine „Hilfe zur Selbsthilfe“. Wer etwa mit dem Rauchen aufhören will, muss das wollen und Selbstdisziplin mitbringen.

Tief in Morpheus’ Reich

Nach dem theoretischen Teil in der Pause haben viele eine Frage an den schwarz gekleideten Diakon. Dann geht der praktische Teil los. Freiwillige braucht er nicht lange zu bitten. Sofort stehen zwölf Männer und Frauen auf der Bühne, es hätten aber noch gerne mehr mitgemacht. Doch das hätte auch den Rahmen der Bühne gesprengt. Harmonische Musik erklingt, per Headset schickt sie Dehner mit sanfter Stimme in den Schlaf. Sie sollen sich vorstellen, in einem Aufzug die Stockwerke runterzufahren, bis sie tief schlafen. Er sagt dabei: „Immer stärker wird diese Kraft, immer stärker.“ Und diese Kraft sei wie ein Magnet, der sie nach hinten zieht.

Tatsächlich sind die Teilnehmer im Tiefschlaf, unterstützt von einigen Helfern legt er sie sanft zu Boden, andere schlafen im Stehen oder auf Stühlen. Dann geht es weiter: Wenn Dehner ihnen sanft ins Gesicht pustet, sind sie wach, wirken schlaftrunken. Ein kurzer Schnipp mit dem Finger und sie sind wieder tief in Morpheus’ Reich.

Und dann wird es richtig spektakulär. Bevor er sie ruckzuck aus dem Schlaf erweckt, hat er ihnen etwas „eingesagt“. Einer etwa kann nicht mehr die Zahl acht sagen, einer Dame macht er weis, dass es hier schrecklich heiß sei und sie entsetzlichen Durst habe. Um ihren Durst zu stillen, bietet er ihr eine saftige Aprikose an. Die Hypnotisierte beißt aber in eine Zitrone. Einen anderen macht er „hart und steif wie ein Brett“, auf das man sich setzen kann. Das funktioniert aber wohl aus statischen Gründen nicht so richtig. Am Ende holt er alle wieder „zurück“ und meint: „Alles, was gerade war, ist vergessen.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen