Mit Basaltstäben im Kampf gegen die Sandknappheit

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 Martin Meidinger hat für die Bauindustrie ein neues Webverfahren entwickelt, mit dem man Bewehrungsmatten aus Basalt- anstatt a
Martin Meidinger hat für die Bauindustrie ein neues Webverfahren entwickelt, mit dem man Bewehrungsmatten aus Basalt- anstatt aus Stahlstäben herstellen kann. (Foto: Hochschule Aalen | Gaby Keil)
Aalener Nachrichten

Wäre Sand ein Lebewesen, er stünde auf der Liste für bedrohte Arten: Denn Sand ist weltweit der wichtigste Rohstoff für die Baubranche und wird vor allem zur Betonherstellung benötigt.

Martin Meidinger, Masterstudent an der Hochschule Aalen, forscht an einem neuen Verfahren für die Bauindustrie, das auf Basaltstäben basiert und dadurch Beton einspart. „Damit lässt sich der Sandknappheit entgegenwirken und zudem auch erheblich CO2 einsparen, denn acht Prozent der weltweiten CO2-Emissionen werden durch die Zementindustrie verursacht“, so der Student.

In Kooperation mit dem Unternehmen C-CON aus Sindelfingen, einer Tochterfirma der Weberei Zweigart & Sawitzki, hat der junge Mann eine Webmaschine entwickelt, die Basaltstäbe zu Bewehrungsmatten für den Betonbau verwebt. Bewehrungsmatten sind bislang Drahtgitter aus verschweißten Stahlstäben, die zur Verstärkung von flächigen Stahlbetonbauteilen wie Wänden und Decken dienen.

„Basaltstäbe weisen eine viel höhere Festigkeit auf als Stahlstäbe, dadurch können Wände und Decken wesentlich dünner ausgelegt werden – was mehr Wohnraum, weniger Gewicht und vor allem Einsparung beim Beton bedeutet“, erklärt Martin Meidinger, der gerade seinen Forschungsmaster im Studiengang Advanced Materials and Manufacturing an der Hochschule Aalen macht.

Basaltstäbe werden zwar im Bau verwendet, beispielsweise in Hafenanlagen, da sie nicht korrosiv sind. Bisher war aber keine Verwendung im Standard-Betonbau möglich, denn Basalt lässt sich – im Gegensatz zu Stahlgittern – an den Kreuzungspunkten nicht schweißen. Die einzelnen Basaltstäbe müssen aufwändig von Hand auf der Baustelle verbunden werden, doch durch Verweben erhält man Bewehrungsmatten nun auch aus Basaltstäben. Basalt gilt als Urgestein der Erde und wird an ehemals vulkanisch aktiven Orten zu Tage gefördert.

„Im Gegensatz zu Sand oder Erdöl gibt es genug davon. Jeder sitzt auf Basalt“, sagt Meidinger und lacht. Die eigentliche Innovation der Webmaschine ist das neuartige Webverfahren. Denn beim Verweben der etwa ein Zentimeter dicken, biegesteifen Stäbe müssen hohe Kräfte aufgebracht und aufgenommen werden, mit herkömmlichen Webtechniken wäre die Maschinengröße wirtschaftlich nicht darstellbar. Meidingers Fertigungsmaschine soll es nun zukünftig möglich machen, Basaltstäbe als verwobene Bewehrungsmatte standardmäßig im Bau zu verwenden.

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