Mehrheit für Freundschaft mit Vilankulo

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Aalens Oberbürgermeister Thilo Rentschler und sein mosambikanischer Amtskollege Abilio Manuel Machado hatten am 2. Mai in Vilan
Aalens Oberbürgermeister Thilo Rentschler und sein mosambikanischer Amtskollege Abilio Manuel Machado hatten am 2. Mai in Vilankulo einen Freundschaftsvertrag unterzeichnet. Jetzt soll der Aalener Gemeinderat am 25. Juli den Vertrag ratifizieren. (Foto: Archiv: Thorsten Vaas)

Einer Städtefreundschaft zwischen der Stadt Aalen und der mosambikanischen Stadt Vilankulo scheint nichts mehr im Wege zu stehen. Eine geschlossene Zustimmung allerdings dürfte es nicht geben, wenn am 25. Juli der Aalener Gemeinderat den bereits Anfang Mai in Mosambik unterzeichneten Freundschaftsvertrag endgültig ratifizieren soll. Denn bei der Vorberatung im Kultur-, Bildungs- und Finanzausschuss mündeten die kritischen Stimmen, die es gab, am Ende in vier Enthaltungen der Grünen und eine Ablehnung durch Stadtrat Franz Fetzer (Freie Wähler).

„Der Gemeinderat der Stadt Aalen stimmt einer Städtefreundschaft mit der Stadt Vilankulo in der Republik Mosambik zu und ratifiziert die von den Oberbürgermeistern unterzeichnete Urkunde. Diese Städtefreundschaft soll durch Projektpartnerschaften untermauert werden.“ So lautet der Beschlussantrag, über den der Gemeinderat am 25. Juli endgültig befinden soll. Eine solche Städtefreundschaft, so machte Oberbürgermeister Thilo Rentschler jetzt im Kultur-, Bildungs- und Finanzausschuss deutlich, sei der richtige Einstieg, um Erfahrungen mit einer solchen Verbindung zu sammeln. Was in drei, vier oder fünf Jahren dann sein werde, wie sich die Welt bis dahin verändert haben werde, werde man sehen. Rentschler sprach von einer ersten Phase dieser Städteverbindung, in der es tatsächlich um Projektpartnerschaften gehen solle. Partner seien hierbei die Hochschule, die Firma Mapal und weitere Unternehmen sowie „Bildungsinstitutionen“ aus Aalen.

In Vilankulo schon ratifiziert

Er habe in Vilankulo, so der OB weiter, einen Freundschaftsvertrag unterzeichnet, den das Kommunalparlament der mosambikanischen Stadt inzwischen einstimmig ratifiziert habe. Städtefreundschaft oder Städtepartnerschaft, das sei für ihn, so Rentschler, ein Unterschied in der Intensität einer Beziehung. Mit dieser Bemerkung reagierte er auf Irritationen in den Reihen des Ausschusses, weil in der Sitzungsvorlage auch von einer Städtepartnerschaft die Rede ist.

Für die CDU sagte Uschi Barth, nachdem „formale Irritationen“ bezüglich des Vertragsabschlusses geklärt seien, gehe die Ratifizierung des Freundschaftsvertrags in Ordnung. Nachdem Aalen schon seit vielen Jahren aus seinem Eine-Welt-Fonds Hilfsprojekte in unterschiedlichen Ländern, darunter auch Mosambik, unterstütze, begrüße man den Ansatz von Projektpartnerschaften ausdrücklich. „Vielleicht gelingt es uns gemeinsam, die Situation der Menschen vor Ort nachhaltig zu verbessern“, so Barth.

Grüne in der Zwickmühle

In der Zwickmühle sah Thomas Battran die Grünen. Einerseits sehe man die Sinnhaftigkeit der Zusammenarbeit zwischen reichen und armen Ländern, andererseits fühle man sich im Falle Vilankulo weiterhin von der Entwicklung überrollt. Außerdem fehle den Grünen eine schlüssige und wahre Antwort auf die Frage, was wirklich eine nachhaltige Hilfe sei. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), auf das sich die Stadt so sehr berufe, sei aus Sicht der Grünen nicht unbedingt der erste Ansprechpartner, um diese Frage richtig zu beantworten. Da gebe es bessere Experten, deren fachliche Begleitung sich die Grünen gewünscht hätten. Hermann Schludi (SPD) sprach von einer „Formaldiskussion“, die man gerade führe, und machte deutlich, diesen richtigen Weg in der Zusammenarbeit versuche man ja gemeinsam zu erarbeiten. Genauso, wie für das BMZ die konkrete und konzentrierte Hilfe vor Ort der neue Ansatz der Entwicklungshilfe sei, betrete auch de Stadt Aalen mit dieser Städtefreundschaft Neuland. Ängste und Verunsicherungen, so Schludi, gehörten hierbei dazu, Begriffe und Vorstellungen von Städtepartnerschaften bisheriger Prägung würden da nicht mehr greifen. „Wir müssen in anderen Kategorien denken“, sagte Schludi, der auch Vorsitzender des Aalener Städtepartnerschaftsverein ist. Deshalb sei es auch „völlig Wurscht“, ob man nun von Freundschaft, Partnerschaft oder Projekten rede. „Ich möchte, dass wir den Mut haben, diesen Schritt zu gehen.“

„Demokratieverständnis lädiert“

Während Bernhard Ritter für die Mehrheit der Freien-Wähler-Fraktion feststellte, ihr gehe es um die humanitäre Hilfe vor allem für die jungen Menschen in Mosambik, outete sich Franz Fetzer als Abweichler. Durch das bisherige Vorgehen der Stadt sei sein Demokratieverständnis ziemlich lädiert worden – übrigens erst das zweite Mal seit der Eingemeindung Wasseralfingens nach Aalen 1975. „Man hätte über alles vorher reden müssen“, so Fetzer. Deshalb sage er nein zu dieser Städtefreundschaft – „aber nicht, weil ich nicht helfen will“.

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