Mehr als ein Hauch von Cannstatt

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Jubeln möchte er auch in Aalen, dann allerdings in schwarz-weiß und ohne roten Brustring: Mittelfeldspieler Nicolas Sessa (links
Jubeln möchte er auch in Aalen, dann allerdings in schwarz-weiß und ohne roten Brustring: Mittelfeldspieler Nicolas Sessa (links). (Foto: Hansjürgen Britsch/Imago)
Sportredakteur/DigitAalen

Die Nachricht hat bei vielen VfB-Fans nicht gerade für Jubelstürme gesorgt. Doch Talent Nicolas Sessa hängt das Trikot mit dem roten Brustring an den Nagel und schließt sich dem Fußball-Drittligisten VfR Aalen an. Viele Fans der Stuttgarter hätten sich eine Ausleihe gewünscht, doch der gebürtige Stuttgarter mit argentinischen Wurzeln hat in Aalen einen Vertrag bis 30. Juni 2020 unterschrieben.

Der Kreis derer mit VfB-Vergangenheit wird immer größer auf der Ostalb. Mit Sessa trägt nun bereits der sechste ehemalige Spieler der Cannstatter das VfR-Trikot im aktuellen Kader des Drittligisten. Ebenfalls schon im Trikot mit dem traditionell roten Brustring aktiv waren nämlich: Patrick Funk, Marvin Büyüksakarya, Thomas Geyer, Mart Ristl und Marc Onuoha. Der 22-jährige Mittelfeldspieler soll bei den Aalenern vermutlich die rechte, offensive Außenbahn beackern und für noch mehr spielerische Momente und Torgefahr sorgen. Dass er das kann, hat er zumindest in der Regionalligamannschaft des VfB (15 Tore in 39 Spielen) schon mehr als einmal gezeigt.

VfB besitzt Rückkaufoption

Kein Wunder also, dass sein nun ehemaliger Trainer keine Luftsprünge, ob des Wechsels macht: „Nico ist für uns absolut nicht zu ersetzen. Er ist ein Spieler, der den Unterschied ausmacht, gerade in dieser Spielklasse“, sagt Marc Kienle gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Doch Stuttgart hat sich eine Rückkaufoption gesichert. „Wir bekommen Sessa ablösefrei und der Verein wird ihn weiter beobachten und kann ihn entweder zum Saisonende oder nach der nächsten Saison zurückholen“, sagt VfR-Sportchef Hermann Olschewski gegenüber den Aalener Nachrichten und fügt an: „Dann aber zu einem stolzen Sümmchen im sechsstelligen Bereich.“ Dass neben den genannten ehemaligen VfB-Spielern in naher Zukunft noch weitere folgen können, ist zudem denkbar. Denn man habe mit dem VfB „eine lose Kooperation und da spricht man über interessante Spieler“. „Für den VfB sind solche Wechsel natürlich auch deswegen interessant, da die zweite Mannschaft in der Regionalliga spielt und damit die Lücke zu den Profis in Liga eins sehr groß ist“, so Olschewski weiter: „Für uns ist das auch ein Stück weit unsere Philosophie.“

Der VfR bekommt nämlich somit „einen gut ausgebildeten Spieler“ und der VfB kann dem Spieler in der 3.Liga den nächsten Schliff verpassen, um ihn noch näher an den Profikader heranzuführen. Zustande kam der Wechsel allerdings auch, da Olschewski Sessas Berater (Kevin Kuranyi) gut kennt. „Das ist natürlich immer ein Vorteil“, sagt Olschewski. Mit dem Wechsel nach Aalen ist Nicolas nun auch wieder näher bei seinem Bruder Kevin, der beim Zweitligisten aus Heidenheim unter Vertrag steht. Einst von Julian Nagelsmann (damals B-Jugend-Trainer) zur TSG Hoffenheim II geholt, wechselte Nicolas Sessa im Januar 2017 zum VfB II und wollte sich hier für die Profimannschaft empfehlen. Einige Male schaffte er es unter dem damaligen Trainer Hannes Wolf sogar in den Kader, trainierte regelmäßig bei den Profis mit. Zu einem Einsatz in der Bundesliga reichte es aber nicht.

Nun also der Gang in Liga drei. Beobachtet hat er seinen neuen Teamkollegen bereits am Dienstagabend (gemeinsam mit seinem Berater Kevin Kuranyi) beim 3:2-Sieg über die Würzburger Kickers auf der Haupttribüne. Hier wurden auch die letzten Details seiner Verpflichtung geklärt. Nach dem Sieg gegen Kickers gab es dann die offizielle Bekanntgabe des Wechsel per Pressemitteilung des Drittligisten. Bei seiner ersten Stippvisite in der Ostalb-Arena dürfte dem Neu-VfRler mit der Trikotnummer elf vor allem das Tempo in der ersten Hälfte gefallen haben. „Mit Nicolas Sessa gewinnen wir einen spielstarken und ideenreichen Spieler für unser offensives Mittelfeld hinzu, der gleichzeitig auch Torgefahr ausstrahlt. Wir hatten ihn schon länger auf der Liste. Die Verpflichtung zum jetzigen Zeitpunkt war allerdings nur Dank dem VfB möglich, dafür möchten wir uns auch bedanken“, sagt VfR-Chefcoach Argirios Giannikis.

Sessa keine Option für Meppen

Eine Option für das Spiel in Meppen an diesem Samstag (14 Uhr) ist er indes nicht. Sessa hat „Wadenprobleme“ und wird erst in der kommenden Woche (Dienstag) voll einsteigen. „Wenn alles soweit ausgeheilt ist, dann ist er aber sofort eine Option. Schließlich hat er die komplette Vorbereitung beim VfB Stuttgart II mitgemacht und auch schon ein Ligaspiel absolviert.“ Mit der Verpflichtung von Sessa ist die Kaderplanung nun „offiziell abgeschlossen“ (Olschewski).

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