Mann aus Aalen missbraucht 7-jährigen Cousin – Haftstrafe

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Schwäbische Zeitung
Gerhard Krehlik

Wegen schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern ist ein 40-jähriger Aalener zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Das hat das Aalener Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsrichter Martin Reuff entschieden.

Der ledige Monteur hatte vor einer Woche am ersten Verhandlungstag die ihm vorgeworfenen Taten noch vehement abgestritten – wir haben berichtet. Zu Beginn der Verhandlung am Donnerstag ließ er über seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Peter Hubel jedoch erklären, dass er die zur Sprache gebrachten Taten einräume. Er hatte seinen damals 7-jährigem Cousin missbraucht und versucht dessen 6-jährigen Bruder zu missbrauchen, außerdem gab er den Besitz von rund 200 kinderpornographischen Bildern zu.

Damit ersparte er den beiden Opfern aus dem Jahr 2000 – mittlerweile erwachsene Männer – eine Aussage als Zeugen vor Gericht. Sie und weitere Familienangehörige waren jedoch im Gerichtssaal und verfolgten die öffentliche Verhandlung als Zuschauer.

Nach diesem Geständnis am zweiten Verhandlungstag ging es letztendlich darum, ob die zu erwartende Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt würde, oder ob der Beschuldigte ins Gefängnis muss. Er muss. Da half es auch nicht, dass er sich noch vor dem Plädoyer von Staatsanwalt Ulrich Karst verbindlich verpflichtete, dem Opfer einen Betrag von 5000 Euro als „Schadensersatz“ und Wiedergutmachung zu zahlen und dass er nicht vorbestraft war.

Staatsanwalt Ulrich Karst ging in seinem Plädoyer mit dem Angeklagten hart ins Gericht. Indirekt beschuldigte er ihn sogar, dem Gericht am ersten Verhandlungstag mit seinen gesundheitlichen Problemen – Richter Reuff musste den Notarzt rufen – ein Theater vorgespielt zu haben. Sein Geständnis und die angebotene Entschädigungssumme, so Karst, seien bei der Strafzumessung natürlich zu würdigen. Allerdings gelte es den Eindruck zu vermeiden, dass sich der Angeklagte mit dem Geld von einer zu verbüßenden Haftstrafe freikaufen könne. Und, so der Staatsanwalt, man müsse sich nicht nur fragen, wie es dem Täter möglicherweise im Gefängnis ergehen werde, sondern auch, wie es dem Opfer geht. Der mittlerweile 25-Jährige brach im Gerichtssaal während des Plädoyers des Staatsanwalts in Tränen aus.

Rechtsanwalt Peter Hubel wollte in seinem Plädoyer den sexuellen Missbrauch nicht verharmlosen. Man müsse jedoch, so Hubel, neben dem Geständnis und der angebotenen Wiedergutmachung auch berücksichtigen, dass sein Mandat bei den Taten erst 21 Jahre und ein paar Monate alt war und mit Sicherheit eine Reifeverzögerung vorgelegen habe. Wäre das alles nur einige Monate früher passiert, hätte vermutlich Jugendstrafrecht angewendet werden müssen, sagte Hubel. Ein Gefängnisaufenthalt würde für seinen Mandanten, der ein gefestigtes soziales Umfeld und einen unbefristeten Arbeitsplatz hat, eine existenzielle Bedrohung bedeuten.

Der Beschuldigte schloss sich den Ausführungen seines Verteidigers an, eine Entschuldigung oder ein Wort des Bedauerns kam jedoch nicht über seine Lippen. Das Urteil des Schöffengerichts nahm er äußerlich regungslos zur Kenntnis. Mit einer Berufung beim Landgericht Ellwangen ist jedoch zu rechnen.

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