Lucha: „Das ist kein Sozialgedöns“
Lucha: „Das ist kein Sozialgedöns“ (Foto: Manfred Laduch)

Klaus Pavel bedankte sich als Hausherr bei der Begrüßung zunächst bei Lucha für den Zuschuss an die Psychosoziale Krebsberatungsstelle, wie er es dem Fördervereins-Vorsitzenden Martin Redenbacher versprochen hatte. Über das Thema des Besuchs habe er ein wenig gestaunt, meinte der Landrat.

Das konnte der Minister sofort klären: Er habe das Fachzentrum Frühe Hilfen für Mütter, Väter und Schwangere (JuFam) ganz bewusst gewählt, weil hier sehr viel Expertise zu finden sei. Deshalb seien die im Ostalbkreis gemachten Erfahrungen auch in das „Landesprogramm Stärke“ eingeflossen.

Mit einer kurzen Präsentation stellte Jutta Funk, Geschäftsbereichsleiterin Jugend und Familie im Landratsamt, das Fachzentrum und dessen Aufgaben vor. Das reiche von der Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung über Familienbesuche bis hin zum Thema „Leihgroßeltern“.

Birgit Stephan stellte für das Sachgebiet JuFam die Zugangswege vor: 58 Prozent kamen von Beratungsstellen und sonstigen Fachdiensten, 29 Prozent aus den Gesundheitsdiensten und mit steigender Tendenz 14 Prozent von den Familien selbst oder Personen aus deren näherem Umfeld.

Zugang soll niederschwelliger werden

Hier kündigte Manfred Lucha an, dass der Zugang noch niederschwelliger werden solle. Die Voraussetzung „sozial schwach“, die manche junge Familie abhalte, solle gestrichen werden.

Seit seinem Start 2012 hat das Fachzentrum insgesamt 1684 Familien erreicht, davon 345 Mütter und Väter ganz praktisch mit Rat und Tat im häuslichen Umfeld durch Gesundheitsfachkräfte und Elternbegleiterinnen.

Ihn wundere der Erfolg nicht, erklärte der Minister. JuFam sei eben nicht „die alte Hoheits-Jugendhilfe“, an die man sich schon wegen der Angst nicht wendete, man bekomme sein Kind weggenommen.

Ein Angebot von JuFam ist auch die vertrauliche Geburt. Landrat Klaus Pavel zeigte sich positiv überrascht, dass 2017 im Ostalbkreis drei solcher Fälle professionell abgewickelt wurden – einschließlich der zuvor geregelten Adoption der Kinder.

Innerhalb des Landesprogramms „Stärke“ bietet JuFam Kurse für Mütter und Väter mit Kindern im ersten Lebensjahr, offene Treffs, Kurse für Eltern in besonderen Lebenslagen, Familienbildungsferien und Hausbesuche.

Der besondere Nutzen des kostenlosen und freiwilligen Angebots von Hilfe zur Selbsthilfe für Familien ist die garantierte Sicherheit und Vertrauen, erklärte Sonja Lietzenmayer. Die Familien-Kinderkrankenschwester schilderte anonym zwei von ihr betreute Fälle („Von Familie zu Familie erlebt man immer etwas Neues“). Von den Betreuten bekomme man tolle Resonanz. „Ihr Da-sein war der Rettungsanker!“ zitierte sie aus einem Dankesschreiben.

Man erkenne aus den Schilderungen, wie hochkomplex und verantwortungsvoll die Arbeit von JuFam sei, lobte Minister Lucha. „Das ist kein Sozialgedöns, und wer das behauptet, dem müsste man – im übertragenen Sinne, denn ich bin ja ein grundsätzlich friedfertiger Mensch – die Löffel langziehen.“ Landrat Pavel ergänzte, dass er in Gesprächen hin und wieder gefragt werde: „Was bringt's“. Damit stehe man dann vor dem bekannten Dilemma der normativen Beweisführung, bestätigte der studierte Sozialarbeiter Lucha. Er habe sich, so Klaus Pavel abschließend, für diese Frage eine klare Antwort zurechtgelegt: „Was es bringt, würden wir erst erkennen, wenn wir es abschaffen. Aber das wollen wir lieber nicht ausprobieren.“

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