Zwei Konzerte unter der Leitung von Thomas Baur hat der Aalener Kammerchor in Aalen im Evangelischen Gemeindehaus (unser Bild) u
Zwei Konzerte unter der Leitung von Thomas Baur hat der Aalener Kammerchor in Aalen im Evangelischen Gemeindehaus (unser Bild) und im Speratushaus in Ellwangen gegeben.. (Foto: Thomas Siedler)
Johannes Müller

Über 100 Zuhörer hat der Aalener Kammerchor am Samstag mit seinem überwiegend romantischen Liedprogramm im Speratushaus in Ellwangen begeistert. Am Sonntag waren es über 200 Besucher im evangelischen Gemeindehaus in Aalen. Thomas Baur hatte für beide Abende exquisite Chorwerke einstudiert.

Damit die 48 Chormitglieder ein jeweils anderes Klangerlebnis hatten, wählte Baur verschiedene Aufstellungen: In Ellwangen die normale in den vier Stimmgruppen, in Aalen die bunt gemischte. So standen die im Vergleich zu den Frauen die Tenöre und Bässe buchstäblich auf einsamem Posten – eine Herausforderung bei der heiklen Akustik im voll besetzten Saal des Gemeindehauses.

Es spricht für den Aalener Kammerchor, die schwierige Situation glänzend bewältigt zu haben. Für die vielen Zuhörer war diese seltene Aufstellung umso reizvoller. Sie schuf eine ungewohnt klare Transparenz, die der Chor mit scharf distinguierter Aussprache verdeutlichte.

Für das Opening hatte sich der die Abwechslung liebende Dirigent einen Griff in die frühe Sangeskultur einfallen lassen. Mit elf ausgewählten Stimmen intonierte er ein Madrigale von Monteverdi aus der Renaissance, die in ihrer Reinheit den Atem stocken ließ. Konträr zum Klang handelte der Text von der Höllenqual der Liebe.

Orffs „Odi et amor“

Mittelalterlicher Musik nachempfunden folgte von Carl Orff „Odi et amor – Hassen und Lieben“. Dann ging es richtig rein in die Romantik mit allen 48 Stimmen und den „Sieben Liedern für gemischten Chor“ von Johannes Brahms nach Texten aus „Des Knaben Wunderhorn“. Wie Adelinde Pfistner in ihrer originellen Moderation ankündigte, führte das Programm in die duftende Gefühlswelt von Wald und Wiesen mit Kränzelein aus Rosmarin und Röselein so schön. Die Gelegenheit für den Chor, Empfindsamkeit und Emotionen zu entfalten mit feinen Pianissimi und dramatischen Steigerungen, wenn die durch den Wald fegende Windsbraut und das laute Weltgewühle wilde Bewegung brachte. Ruhe und Besinnlichkeit verbreitete Brahms‘ Abendständchen. Mit Robert Schumann besang der Chor saisonbedingt den „Wunderschönen Monat Mai“, ließ Rose und Lilie erblühen und die Welt alter Märchen erstehen.

Mit der Ballade „Green Broom“ von Benjamin Britten sollte dessen Liebesverhältnis mit dem Sänger Peter Pears nicht verschwiegen werden, während Peter Cornelius zum Finale die Wogen wieder glättete mit seinem stimmungsvollen Lied von der „Liebe, dir ergeb‘ ich mich“.

Den großen Beifall des dankbaren Publikums belohnte der Chor mit der zauberhaft lyrischen Shakespeare-Sonette „Sommertraum“, vertont von Nils Lindberg. Wer von diesem schwedischen Komponisten mehr hören will, kann sich auf sein Requiem freuen, das Thomas Haller mit seiner Kantorei zur Zeit einübt und im November aufführt.

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