Landrat bereitet Bürger auf Einschnitte vor

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 Beinahe leer gefegte Straßen bestimmten während der ersten Phase der Kontaktbeschränkungen im Frühjahr das Bild in Ellwangen. G
Beinahe leer gefegte Straßen bestimmten während der ersten Phase der Kontaktbeschränkungen im Frühjahr das Bild in Ellwangen. Ganz so stark soll das öffentliche Leben im November nicht zurückgefahren werden. (Foto: fg)
IPF- UND JAGST-ZEITUNG

Die Entwicklung des Infektionsgeschehens zeigt auch im Ostalbkreis steil nach oben. Am Freitag verzeichnete das Kreisgesundheitsamt eine Zunahme der Neuinfektionen um weitere 59 Fälle, sodass die Gesamtzahl der aktiven Fälle nunmehr bei 341 und die Sieben-Tage-Inzidenz bei 103 liegt. Aus diesem Grund hat sich sich Landrat Joachim Bläse an die Bürger des Ostalbkreises gewandt und an ihre Solidarität sowie ihr Verantwortungsbewusstsein appelliert.

Bläse erkennt in seinem Aufruf an die Bürger die Anstrengungen an, die in den Bereichen Sport, Kunst und Kultur sowie in der Gastronomie mit „erheblichem organisatorischen und finanziellem Aufwand“ getätigt wurden, um Hygienekonzepte zu entwickeln und umzusetzen.

Dies reiche aber nicht mehr aus: „Trotz aller Anstrengungen in vielen Lebensbereichen ist es nicht gelungen, die Infektionen im Zaum zu halten. Wir beobachten im Ostalbkreis inzwischen ein diffuses Auftreten der Neuinfektionen quer durch alle gesellschaftlichen Gruppierungen. Die Nachverfolgung der Infektionsketten verursacht einen riesigen Aufwand, was uns letztlich dazu bewogen hat, die Hilfe der Bundeswehr in Anspruch zu nehmen.“

Vor diesem Hintergrund findet es Bläse nachvollziehbar, wenn Bund und Länder sich auf den ab 2. November bundesweit geltenden tiefen Einschnitt geeinigt haben: „Denn wir kommen bereits an die Grenzen dessen, was unsere Kliniken leisten können, ohne in noch größerem Umfang Operationen verschieben zu müssen. Und auch in den Alten-, Pflege- und Behinderteneinrichtungen im Kreis - also bei unseren schwächsten Bevölkerungsgruppen - ist das Virus bereits wieder angekommen.“

+++Corona: Die Krise auf der Ostalb+++

Deshalb wirbt der Landrat trotz aller wirtschaftlicher Härten dafür, ein weiteres Mal als Gesellschaft zusammenzustehen: „Lassen Sie uns gemeinsam alles dafür tun, dass wir durch massive Kontaktbeschränkungen und die Einhaltung der geltenden Hygiene- und Abstandsvorschriften einschließlich Tragen von Mund-Nase-Schutz im Laufe des Novembers die Infektionswelle brechen und die Zahl der Neuinfektionen deutlich reduzieren.

Ich bitte Sie dringend, keine Feiern und geselligen Zusammenkünfte in den privaten Bereich, der sich in den vergangenen Wochen als signifikanter Infektionstreiber herausgestellt hat, zu verlagern und auch dort sehr diszipliniert zu sein. Denn ansonsten laufen alle Maßnahmen ins Leere.“

Mit Blick auf die wirtschaftlichen Folgen der Beschränkungen für die von den Schließungen betroffenen Unternehmer, Selbständigen, Vereine und Einrichtungen ist dem Landrat wichtig, dass die vom Bund zugesagten finanziellen Hilfe schnell und unbürokratisch verteilt werden. Wichtig ist dem Kreischef besonders, dass die Zeit genutzt wird, um in den Novemberwochen Strategien zu entwickeln, wie es im Dezember weitergehen kann.

Damit das öffentliche Leben nicht wie im Frühjahr ganz zum Erliegen kommt, haben sich der Landrat und die Bürgermeister bei einer Videokonferenz darauf verständigt, dass etwa Gemeinderäte und der Kreistag samt Ausschüssen weiterhin vor Ort tagen, wenn die Tagesordnung nicht durch digitale Lösungen abgearbeitet werden kann. Grundsätzlich sollen nur die Punkte auf die Tagesordnung, die aktuell beschlossen werden müssen. Alle nicht zwingend notwendigen Termine will Landrat Bläse verschieben oder andernfalls virtuell absolvieren.

Gedenkveranstaltungen am Volkstrauertag soll es aus Sicht der Kommunen entweder gar nicht oder nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Form von Kranzniederlegungen mit anschließender Veröffentlichung im Mitteilungsblatt geben. Kreis und Kommunen haben sich zudem darauf geeinigt, auf Veranstaltungen wie Blutspenderehrungen oder Jubilarbesuche zu verzichten.

Martinsumzüge sollen nur in festen Kita-Gruppen und mit den Erzieherinnen, aber ohne Eltern oder andere Zuschauer stattfinden. Bei den Feuerwehren sollen lediglich Einsätze gefahren werden, es soll aber kein Übungsbetrieb stattfinden.

Die Dienststellen der Landkreisverwaltung sollen geöffnet bleiben: „Ich empfehle aber allen, vorab wo immer möglich einen Termin zu vereinbaren. So können Wartezeiten und auch unnötige Kontakte mit anderen Besuchern vermieden werden.“

Für Besuche in den Kliniken Ostalb und den Alten-, Pflege- und Behinderteneinrichtungen gilt die Corona-Verordnung des Landes. Danach sind Besuche in den Einrichtungen unter bestimmten Voraussetzungen nach wie vor möglich. „Hier müssen wir einen Weg finden, unsere Risikogruppen ausreichend vor dem Virus zu schützen, sie aber nicht sozial zu isolieren.

Bitte seien Sie im Interesse Ihrer Angehörigen und anderer Patienten und Bewohner bei Besuchen besonders vorsichtig, damit das Virus nicht dort hineingetragen wird!“, betont Bläse.

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