Kreis will nicht noch mehr Arztpraxen übernehmen

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 Am Dienstag hat der Klinikausschuss des Kreistages getagt.
Am Dienstag hat der Klinikausschuss des Kreistages getagt. (Foto: Benjamin Ulmer)
Viktor Turad
Freier Mitarbeiter

Die dezentrale Klinikstruktur muss dem Kreis etwa vier Millionen Euro im Jahr wert sein. Darin ist sich der Verwaltungsrat der Kliniken in der öffentlichen Sitzung am Dienstag im Aalener Landratsamt ebenso einig gewesen wie am Tag zuvor der Bildungs- und Finanzausschuss (wir berichteten). Allerdings werden sich die Gremien noch mehr auch der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum annehmen müssen. Denn beim Landkreis sind allein in den vergangenen vier Wochen acht Anträge auf die Übernahme von Arztpraxen eingegangen, sagte der Landrat. Vor allem im östlichen Teil des Kreises sieht Klaus Pavel hier ein großes Problem. Der Kreischef machte jedoch auch deutlich: „Der Kreis kann nicht 100 Arztpraxen übernehmen!“

Kümmern soll er sich aber schon, auch daran ließ Pavel keinen Zweifel. Deshalb seien Workshops geplant, in denen es um die ärztliche Versorgung in der Fläche gehen wird und um die Frage, wo Schwerpunkte bei der Versorgung gesetzt werden könnten. Die niedergelassenen Ärzte hätten mit zu viel Ballast zu kämpfen, der den Betrieb erschwere. Deshalb soll nach dem Willen des Landrats eine Zusammenarbeit mit den drei Klinikstandorten geprüft werden, um eventuelle Synergien zu nutzen und gleichzeitig Kunden zu binden. Jedenfalls wolle der Kreis Rückendeckung für die ambulante Versorgung geben. Pavel: „Und wenn es nicht mehr anders geht, wenn alle Stricke reißen, muss der Ostalbkreis zur Not auch ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) betreiben!“

Während Jürgen Wacker (Freie Wähler) hier Bedenken anmeldete, weil er, wie er sagte, „massiv“ gegen MVZs und der Meinung ist, der Kreistag müsse einen Abbau aushalten, wandte sein Medizinerkollege Peter Högerle (CDU) ein, die Kreisärzteschaft müsse zwar einbezogen werden, sei aber im Grunde nicht der richtige Ansprechpartner. Vielmehr bedürfe es einer externen Beratung.

Für den Bereich der Kliniken forderte Pavel, den Sanierungskurs weiterzuführen. Er sei im Moment sehr zuversichtlich, weil einige Maßnahmen begännen, Früchte zu tragen.

Vier Millionen Euro für die Kliniken

Offene Türen rannte die CDU auch im Verwaltungsrat mit ihrem Vorschlag ein, für die Kliniken einen Strukturbeitrag in Höhe von vier Millionen Euro bereitzustellen, um die wohnortnahe Krankenhausversorgung sicherzustellen. Diese vier Millionen ergeben sich aus der Bereitstellung von drei Notfallaufnahmen, zwei Kinderkliniken und der Geburtenklinik in Ellwangen (wir berichteten). Diese mehrfachen Angebote im Kreis aufrecht zu erhalten, nannte der Landrat eine kluge Entscheidung.

Peter Seyfried (CDU) stellte klar, damit wolle seine Fraktion Sparbemühungen nicht konterkarieren. „Aber unsere dezentrale Struktur muss uns viel wert sein!“ Das Ziel sei vielmehr, die Qualität der Häuser zu verbessern und am medizinischen Fortschritt teilzuhaben.

Eine „Grundsympathie“ für den CDU-Vorstoß ließ Thilo Rentschler (SPD) erkennen, forderte jedoch, das Geld dürfe nicht in die allgemeine Verfügungsmasse fließen. Vielmehr müsse klar sei, wofür es gegeben werde. Dafür müsse die Verwaltung eine klare Zahlenbasis erarbeiten.

Wolfgang Schurr (Grüne) wollte keine dauerhafte Subvention, vielmehr müsse das Geld auch für den medizinisch-technischen Fortschritt, Großgeräte etwa, eingesetzt werden.

Verlängerte Öffnungszeiten bei den Klinik-Notfallpraxen?

Landrat Pavel wies in der Sitzung noch darauf hin, dass der Kreis vom Land für die Notaufnahmen an den Krankenhäusern eine zusätzliche Million vom Land bekommen könnte. „Das wäre eine spürbare Entlastung!“ Dass aus Stuttgart viel Geld in den Osten des Landes fließt, machte er mit einer weiteren Mitteilung deutlich: Bei Fördergesprächen habe das Sozialministerium am Dienstagvormittag 9,2 Millionen Euro für den ersten Bauabschnitt der Erweiterung am Klinikum in Mutlangen bewilligt. Für die Abschnitte II und III seien Zuschüsse in Aussicht gestellt, dies sei jedoch noch nicht spruchreif. Im Mai, kündigte Pavel an, werde mit dem Erweiterungsbau begonnen. Insgesamt, auch das sei bei den Gesprächen in der Landeshauptstadt deutlich geworden, werde die entscheidende Frage sein, welche medizinischen Leistungen die Ostalb brauche. Auch solche, die noch nicht im Angebot der Kliniken seien.

Für Patienten könnte sich noch eine Verbesserung ergeben, war in der Sitzung außerdem zu erfahren: Die Notfallpraxen der niedergelassenen Ärzte an den drei Kliniken sind künftig möglicherweise während der ganzen Woche bis 22 Uhr besetzt. Für Mutlangen ist dies in greifbarer Nähe, für Aalen und Ellwangen wird dies ebenfalls angestrebt. Pavel über die Probleme, die es noch zu lösen gilt: „Das ist eine richtige Herkulesaufgabe!“

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