Krebs – „Unheilbar, aber ich lebe“

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#Marktplatz15: Markus „Popeye“ Bugger

#Marktplatz15: Seit Jahren engagiert sich Markus „Popeye“ Bugger, bekannt aus der Vox-Dokumentation „Harte Hunde“, für den Tierschutz und für krebskranke Kinder. Im vergangenen Jahr erkrankte der im Ostalbkreis lebende 44-Jährige selbst unheilbar an Lymphknotenkrebs. Wie er damit umgeht und warum es ihm so wichtig ist, über seine Krankheit öffentlich zu sprechen, erzählt er in unserem Videointerview Marktplatz15.

Schwäbische Zeitung
Redakteurin/DigitAalen

„Unheilbar, aber ich lebe.“ Markus Bugger, den seit 25 Jahren alle nur Popeye nennen, gibt nicht auf. Trotz der Diagnose Lymphknotenkrebs. „Ich war schon immer ein Kämpfer“, sagt der im Ostalbkreis lebende 44-Jährige, den viele aus der Tierschutz-Dokumentation „Harte Hunde“ des Fernsehsenders Vox kennen. Hier engagiert er sich gemeinsam mit Ralf Seeger und anderen Kollegen für notleidende Tiere. Seit Jahren setzt sich Popeye zudem für krebskranke Kinder ein. Im vergangenen Jahr ist der erfolgreiche Kampfsportler, der in der Vergangenheit mehrere Titel errungen hat, selbst an Krebs erkrankt und hat seither ein Ziel: Er will der Krankheit ein Gesicht geben.

„Solange wir leben, kämpfen wir, solange wir kämpfen, ist es ein Zeichen, dass wir nicht unterlegen sind und der gute Geist in uns wohnt. Und wenn dich der Tod nicht als Sieger trifft, soll er dich wenigstens als Kämpfer finden.“ Bei diesen Worten, die Popeye auf seiner Facebookseite postet, bekommt man Gänsehaut. In dem sozialen Netzwerk lässt er seit der Diagnose Lymphknotenkrebs seine Freunde und Fans an seinem Schicksal teilhaben. „Ich möchte mich nicht verstecken, sondern anderen Betroffenen Mut machen und meine Hilfe anbieten“, sagt Popeye im Gespräch mit den „Aalener Nachrichten“. „Und wer diese braucht, kann mich jederzeit über Facebook anschreiben.“

Großes Engagement für tumor- und leukämiekranke Kinder

Seit Jahren engagiert sich der 44-Jährige für tumor- und leukämiekranke Kinder. Unter anderem unterstützt er die Einrichtung „Kämpfer mit Herz“, die sein Freund Tobias Mack ins Leben gerufen hat. Der Erlös sämtlicher Kampfveranstaltungen und Seminare kommt dieser zugute. Dass er selbst allerdings einmal an Krebs erkranken würde, lag für ihn in weiter Ferne. Bis zum Dezember vergangenen Jahres.

Den Knoten, den er an der Leiste getastet hat, hielt er für einen Leistenbruch. Nach der Operation entpuppte sich dieser allerdings als faustgroßer Tumor. „Mich zieht so schnell nichts runter, aber die Diagnose des Arztes, Lymphknotenkrebs, war wie ein Schlag ins Gesicht und ich bin in ein richtiges Loch gefallen“, erinnert sich Popeye. Mittlerweile sind neben seiner Leiste auch der Bauchraum und die Lunge von Metastasen befallen und er bekommt Chemotherapie. Diese soll vor allem die Begleiterscheinungen des Krebses wie Nachtschweiß, Appetitlosigkeit, Juckreiz und Schwäche etwas abmildern. Obwohl der 44-Jährige durch die Chemotherapie geschwächt ist und ihm auch die Knochen schmerzen, könne er auf diese Weise noch am Leben teilhaben. „Ich weiß, dass ich einmal sterben muss, aber mit der richtigen Therapie bleiben mir vielleicht noch zehn bis 15 Jahre Zeit.“ Diese Worte gehen unter die Haut.

Eine wichtige Stütze für Popeye ist seine Freundin Michaela, die er vor einem Jahr bei einer Kampfsportveranstaltung in Heidenheim kennengelernt hat. Sie selbst ist vor zehn Jahren an einem bösartigen Tumor des Lymphsystems erkrankt. Die Ärzte haben ihr damals nur noch einen Monat zu leben gegeben. Doch sie hat es geschafft und ist nach eineinhalb Jahren Chemotherapie vom Krebs geheilt. Wie kraftraubend neben dieser das Prozedere mit den Behörden und Ämtern ist, weiß sie aus eigener Erfahrung. „Als ob der Krebs und die Therapie einem nicht schon allein genügend Energie rauben“, sagt die 31-Jährige und spricht vor allem das Gezeter mit Krankengeld oder dem Ausstellen eines Behindertenausweises an. „Nach der Diagnose Krebs können Betroffene schauen, wie sie zurechtkommen. Eine Anlaufstelle, an die man sich wenden kann, gibt es nicht“, sagt Michaela, die Popeye auch in diesen Dingen unterstützt.

Viel Kraft geben Popeye auch seine „Brüder“, die sich mit ihm in der Fernsehsendung „Harte Hunde“ und in dem Verein „Helden für Tiere“ für notleidende Vierbeiner engagieren. Der Kopf der Truppe, Ralf Seeger, sei wie ein Vater und Seelenverwandter, sagt Popeye. Vor kurzem haben die „Harten Hunde“ neue Staffeln für die Tierschutzdokumentation aufgenommen, die der Sender im Spätsommer ausstrahlt. Popeye hat sie beim Dreh in Hessen besucht. „Ich konnte zwar nicht körperlich anpacken, aber ich bin mit den Hunden spazieren gegangen. Dadurch habe ich wieder Kraft und Energie getankt.“

Viel Zuspruch bekommt Popeye auch von seinen Fans. „Es vergeht kaum ein Tag, an dem mich nicht Briefe oder Päckchen mit einer Chemodecke, Tee, selbst gemachter Marmelade oder anderen Aufmerksamkeiten erreichen“, sagt der überzeugte Vegetarier und Buddhist, der regelmäßig in die Kirche zum Beten geht und sich seit Jahren auch für hilfsbedürftige Menschen wie Obdachlose einsetzt. Mit dieser sozialen Ader straft er auch die Leute Lügen, die ihn aufgrund seiner zahlreichen Tattoos verurteilen. „Ich sehe vielleicht anders aus, aber ich habe das Herz am richtigen Fleck.“

An Aufgeben denkt der 44-Jährige nicht im Traum

Den Fankult um seine Person wegen der Sendung „Harte Hunde“ kann Popeye nicht nachvollziehen. „Ich mache das nicht, um groß rauszukommen oder um mich vor der Kamera zu produzieren. Ich mache das einzig und allein wegen der Tiere“, sagt der 44-Jährige. Um sich noch etwas Privatleben zu gönnen, verrät er deshalb auch nicht seinen genauen Wohnort im Ostalbkreis. Genug von seinem Leben gebe er auf seiner Facbookseite preis.

„Früher hatte ich Dampf drauf, heute bleibt mir durch die Chemotherapie die Puste weg. Aber ich zieh das durch. Der Weg geht weiter“, sagt Popeye. An Aufgeben denke er nicht im Traum. Und er hat noch viele Projekte vor. Unter anderem möchte er demnächst eine Spendenaktion für das „Segeltaxi“ ins Leben rufen. Und er möchte sein Leben noch intensiver nutzen. Im Hier und Jetzt zu leben, lautet auch sein Appell an die von Hektik und Stress getriebene Gesellschaft. „Genießt jeden Tag. Das Wertvollste ist die Gesundheit. Um dies zu verinnerlichen, muss man nicht erst an Krebs erkranken.“

Wer sich für das Schicksal von Popeye interessiert oder Hilfe braucht, kann sich auf seiner Facebookseite  mit ihm in Verbindung setzen. Auch der Verein Helden für Tiere freut sich über Unterstützung. Spendenkonto: Bankinstitut: Volksbank an der Niers eG, Konto-Inhaber: Helden für Tiere e.V, IBAN: DE97320613844311096015, BIC/SWIFT: GENODED1GDL.

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