Kooperationsprojekt „BürgerEnergieWende“ geht an den Start

Lesedauer: 5 Min
 Die Beteiligten des Kooperationsprojektes (oberer Ausschnitt, v. l.): Hans-Peter Weber, Max-Robert Salzer, Christina Neufeld, P
Die Beteiligten des Kooperationsprojektes (oberer Ausschnitt, v. l.): Hans-Peter Weber, Max-Robert Salzer, Christina Neufeld, Prof. Dr. Carsten Lecon, Prof. Dr. Anna Nagl, Dr. Karlheinz Bozem, (unten v. l.) Andreas Ensinger, Klaus-Jürgen Lehmann, Prof. Dr. Bastian Kaiser, Anja Hoh (Foto: Ingrid Hertfelder)
Aalener Nachrichten

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg fördert ein Innovatives Kooperationsprojekt der Hochschule Aalen und der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg sowie der Bürgerenergie-Genossenschaften OstalbBürgerEnergie eG (OBE) und der erneuerbaren Energien Rottenburg eG (eER).

Ziel dieses Forschungsprojektes ist die Entwicklung von innovativen und nachhaltigen Geschäftsmodellen für Bürgerenergie-Genossenschaften. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fördert aus Photovoltaik-, Windenergie- und Bioenergieanlagen eingespeisten Strom für die Dauer von 20 Jahren. Damit endet zum Jahresende der Förderzeitraum für alle bis zum 31.12.2000 installierten und in Betrieb genommenen Anlagen. Für diese meist noch voll funktionsfähigen Anlagen gilt es Lösungen zu finden, wie diese Anlagen weiter betrieben und Strom ins Netz einspeisen können. Das ist zwingende Notwendigkeit, um die Ziele der Energiewende zu erreichen. Davon betroffen sind die meisten Bürgerenergie-Genossenschaften und Betreiber von privaten Erneuerbare Energie-Anlalgen (EE-Anlagen).

Federführend im Projektteam sind Professor Anna Nagl von der Hochschule Aalen und Professor Bastian Kaiser von der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg mit ihren akademischen Mitarbeitern Max-Robert Salzer und Anja Hoh. Die energiewirtschaftliche und IT-technische Expertise liefern der Energieexperte Karlheinz Bozem aus München und der Aalener Informatikprofessor Professor Carsten Lecon. Für die Energiegenossenschaften arbeiten Hans-Peter Weber, Vorstandsmitglied der OstalbBürgerEnergie eG, sowie Klaus-Jürgen Lehmann, Vorstandsmitglied der eER, im Forschungsprojekt mit. Betreut von Professor Stefan Pelz von der HfR und Karlheinz Bozem erarbeitet darüber hinaus Andreas Ensinger von der Überlandzentrale Wörth/I.-Altheim Netz AG (ÜZW) die energiewirtschaftlichen und -technischen Grundlagen in seiner Masterthesis im Studiengang Sustainable ENergy CompetenCE (SENCE).

Das Team um Prof. Dr. Anna Nagl eruiert nun Lösungen, den von den Alt-PV-Anlagen produzierten Strom zu bündeln und wirtschaftlich zu verwerten. Dabei sind Insellösungen, welche primär die Selbstnutzung des Stroms aus Erneuerbaren Energien (EE) im Blick haben sowie intelligente Vermarktungskonzepte zu analysieren. Insellösungen richten sich primär an private EE-Anlagenbetreiber. Dabei wird der Strom auf dem Anlagengrundstück soweit als möglich direkt verbraucht. Nicht direkt verbrauchter Strom wird in einer Batterie zwischengespeichert und dann verbraucht, wenn die PV-Anlage keinen Strom liefert. Dieses Konzept kann um Elektroautos und Warmwasserspeicher erweitert werden. Derzeit funktionieren Batteriespeicher und hoffentlich in absehbarer Zeit auch die Autobatterie als bidirektionale Speicher. Diese ermöglichen sowohl die Einspeisung als auch die Entnahme von Strom aus den Speichern. Der danach noch überschüssige Strom wird in das öffentliche Netz eingespeist. Dabei ist zu beachten, dass über die Hälfte der PV-Anlagen eine Leistung von weniger als 10 kWp (Kilowatt Peak) aufweisen.

Bei größeren Anlagen ist der Selbstverbrauch im besten Fall eine Zusatzoption. Hier sind andere Geschäftsmodelle zu entwickeln. So beschäftigt sich das Projektteam auch mit der Bündelung des Stroms über eine elektronische Energieplattform, über die der Strom an interessierte Kunden vermarktet werden kann. Besondere Herausforderungen liegen darin, vorherzubestimmen, wieviel Strom unter Berücksichtigung der Wettervorhersagen und der Verbrauchsdaten der Kunden in zukünftigen Perioden produziert bzw. verbraucht werden wird. Dazu bedarf es des Einsatzes von Prognosekomponenten und künstlicher Intelligenz. Die Funktion der Bürgerenergie-Genossenschaften ist hierbei die Vermarktung des Stroms sowohl der eigenen Anlagen als auch aus EE-Anlagen der Mitglieder. An dieser Stelle ist dann auch die Nahtstelle zu den Stadtwerken und Netzbetreibern. Hier passgenaue Lösungen und Geschäftsmodelle zu erforschen, ist die Zielsetzung des „Innovativen hochschulübergreifenden Kooperationsprojektes BürgerEnergieWende“.

Meist gelesen in der Umgebung

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen

Leser lesen gerade