Kliniken Ostalb fehlt der Nachwuchs: Nur fünf von 45 Ausbildungsplätzen belegt

Lesedauer: 7 Min
Landrat Pavel informiert sich über die Gastroenterologie.
Landrat Pavel informiert sich über die Gastroenterologie. (Foto: Mia)
Redakteurin/DigitAalen

Etwa sieben Monate warten Patienten auf einen Termin in der Gastroenterologie, die für Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts zuständig ist, im Ostalb-Klinikum Aalen. Das berichtete Chefarzt Gerhard Kleber bei der Sitzung des Verwaltungsrats der Kliniken Ostalb.

Er zeigte dem Ausschuss die neuen Räume der Gastroenterologie. Die sind jetzt durch eine geschlossene Tür von der restlichen Klinik abgetrennt. Kleber betrat mit den Männern und Frauen im Schlepptau die medizinischen Räume. „Unser Röntgengerät ist rund um die Uhr im Einsatz“, berichtete er. Es käme viel zu oft vor, dass Patienten verschoben werden – etwa 30 bis 40 Patienten treffe es pro Monat. Der Termin werde dann von wenigen Tagen bis zu vier Wochen verschoben. „So ist das bei einer hundertprozentigen Auslastung“, sagte Kleber.

Aktuell hat die Klinik Teams für zwei Untersuchungsräume, die im Jahr etwa 3600 bis 3800 Endoskopien im Jahr machen. Ein zusätzlicher Raum sei in Planung, sagte Landrat Klaus Pavel. Dann könne man um etwa 1200 Untersuchungen pro Jahr aufstocken. Dafür müsse allerdings auch ein Facharzt mit Team eingestellt werden. Das sei für das erste Halbjahr 2019 angedacht, sagte Pavel.

Kleber stellte in einer Präsentation unterschiedliche Behandlungen der Gastroenterologie vor. Dabei stellte er infrage, ob es tatsächlich notwendig sei, etwa ERCP-Untersuchungen, sprich eine radiologische Untersuchung der Hohlräume der Gallenwege, an drei Standorten im Ostalbkreis anzubieten. „Wir glauben daran, dass es besser wäre, die selteneren Fälle an einem Standort zu betreuen. Die Qualität mit nur einem Team wäre besser.“

Neuer Chefarzt Psychosomatik

Michael Fritzsch stellte sich als Nachfolger von Askan Hendrischke als neuer Chefarzt der Psychosomatik vor. Seit einer Woche sei er in Aalen und habe sich einen ersten Eindruck verschafft. Dabei sei auffällig, dass sein letzter Patient in Göppingen ein Polizist war, der traumatische Erfahrungen von Gewalt gegen Beamte gemacht habe. Sein erster Patient in Aalen sei ein Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt, der von Häftlingen angegangen worden sei. „Das ist ein großes Thema.“ Auf Hinweise aus dem Ausschuss, dass Kinder- und Jugendpsychosomatik immer wichtiger werde, einigten sich Pavel und Fritzsch darauf, diesen Bereich künftig für Aalen zu berücksichtigen.

Mehr Plätze als Azubis

Pavel berichtete über die Ausbildungsberufe an den Kliniken. Viele Plätze blieben unbesetzt. „Es gibt nicht so viel Nachfrage, wie das, was wir anbieten können“, sagte Pavel. Für April 2018 wurden beispielsweise 45 Plätze genehmigt in der Ausbildung Gesundheits- und Krankenpflege. Besetzt wurden davon nur fünf. Bis Juni wolle man hier ein Konzept ausarbeiten. Das könne aber auch damit zusammenhängen, dass die meisten Schulen im August aufhören und dass der neue Kurs noch nicht so bekannt sei. Für 2019 solle im April wieder ein Kurs starten, dieses Mal in der Kinderkrankenpfelege, aktuell gebe es dafür sieben bis zehn Teilnehmer. Insgesamt haben die Kliniken Ostalb 254 Auszubildende.

Eberhard Schwerdtner (CDU) merkte an, dass die Berufe von der Politik kaputt gemacht würden. Beispielsweise werde der Beruf als Altenpflegehilfe, der mit einem Hauptschulabschluss erlernt werden konnte, abgeschafft. „Das tut uns richtig weh.“ Für die Krankenpflegehilfe gebe es einen ähnlichen Trend, sagte Sylvia Pansow vom Vorstand der Kliniken Ostalb. Und ein weiteres Problem seien die Hebammenplätze. Dort seien ganze Kurse leer, weil alle auf die Studienplätze warteten.

Neues Gesetz stärkt nicht

„Wir haben ausreichend Pflegepersonal zur Verfügung im Vergleich zu anderen Kliniken, die unter der Pflegeuntergrenze liegen“, sagte Pansow. Die Untergrenze sei eine Pflegekraft auf zehn Patienten vor 22 Uhr und 20 Patienten nach 22 Uhr. Zum Pflegepersonal-Stärkungsgesetz (PPSG) verdeutlichte Pansow, dass der administrative Aufwand sehr hoch sei. Hier müsse dokumentiert werden, dass die Pflegeuntergrenze eingehalten werde. Und das penibel pro belegtem Bett, für eine Nichteinhaltung der Untergrenze würden 35 Prozent der Pflegekosten als Strafzoll abgezogen. Für die Personalabteilung sei das ein Mehraufwand, Dienstpläne müssten komplett neu gestaltet werden, da beispielsweise in Aalen die Nachtschicht nicht um 22, sondern bisher noch um 20.30 Uhr beginne. „Wir müssen komplett neue Wege in der Organisation unserer Pflegekräfte gehen.“

Man müsse den Politikern klar machen, dass ihre vermeintliche Stärkung der Pflege gar keine sei, sagte Aalens OB Thilo Rentschler (SPD). Das habe nichts mehr mit der Pflege der Menschen, sondern nur noch mit der Pflege der Zahlen zu tun, sagte Schwäbisch Gmünds OB Richard Arnold (CDU). In der Bevölkerung sei eine Unruhe und Beunruhigung zu spüren. Er schlug ein Moratorium als politisches Zeichen vor.

Das entsprach nicht Pavels Geschmack. „Ich würde einfach mal sagen, Ball flach halten. Wir haben schon viele Reformen erlebt und überlebt.“ Es gebe genug Hausaufgaben zu erledigen, wie beispielsweise die Anpassung der Dienstpläne in Aalen. „Halten wir uns an die festgelegten Fahrpläne.“ Außerdem sei nicht alles schlecht und fürchterlich, der begeisterte Vortrag von Chefarzt Kleber habe das verdeutlicht.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen