Kirche: Frauen wollen streiken

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 Der Frauenbund Aalen hat der Maria symbolisch den Mund zugeklebt. Ohne die Frauen würde in der Kirche vieles nicht funktioniere
Der Frauenbund Aalen hat der Maria symbolisch den Mund zugeklebt. Ohne die Frauen würde in der Kirche vieles nicht funktionieren. Viel zu sagen haben sie meist trotzdem nicht. Unser Foto zeigt hinten von links Luzia Gutknecht, Marija Treska und Christel Stockhammer und vorne von links Birgitta Pfeil, Rosi Bernlöhr und Maria Eßeling. (Foto: Dorothea Halbig)
Dorothea Halbig

Nachdem der Frauenbund Aalen sich im vergangenen Jahr beinahe aufgelöst hätte, bringt er sich nun um so stärker zurück ins Gedächtnis. Mit einem neuen, jüngeren Vorstand, viel Kraft und Motivation nehmen sie auch die älteren Mitglieder mit in einen Kampf für eine bessere Kirche.

Mit „Maria 2.0“ treten aber nicht nur die Aalener in Aktion. Bundesweit gibt es den Wunsch nach einer Erneuerung der katholischen Kirche. Schockiert von Missbrauchsfällen und männerbündischen Machtsystemen richtet sich die Aktion „Maria 2.0“ mit einem offenen Brief an Papst Franziskus. „Wir stehen fassungslos, enttäuscht und wütend vor dem Scherbenhaufen unserer Zuneigung und unseres Vertrauens zu unserer Kirche“, heißt es in dem Brief. Dieser kann online auf der Petitionsplattform von Campact eingesehen und unterschrieben werden, oder auch in Printform beim Frauenbund Aalen.

„Frauenlob wird gerne von Kirchenmännern gesungen, die aber allein bestimmen, wo Frauen ihre Talente in der Kirche einbringen dürfen. In ihrer Mitte dulden sie nur eine Frau: Maria. Auf ihrem Sockel. Da steht sie. Und darf nur schweigen. Holen wir sie vom Sockel! In unsere Mitte. Als Schwester, die in die gleiche Richtung schaut wie wir.“

Schuldige aus dem Amt entheben

Im Brief werden die Missbrauchsfälle, deren Vertuschung, das Fehlen glaubhafter Entschuldigungen und Hilfe für die Betroffenen in der katholischen Kirche beklagt. Die Forderungen des offenen Briefs sind nicht neu, doch leider trotzdem sehr aktuell.

Schuldige sollen nicht nur versetzt werden, sondern aus ihrem Amt enthoben. Auch eine uneingeschränkte Kooperation mit Gerichten und Strafvollzugsbehörden wird gefordert. Menschen die sich schuldig gemacht haben, sollen nicht von der Kirche gedeckt werden.

Stellung der Frau angeprangert

Aber auch die Stellung der Frau in der Kirche wird angeprangert. Frauen nehmen in der katholischen Kirche oft soziale Funktionen ein, haben aber immer noch sehr wenig zu sagen. Es sollen also alle Ämter der Kirche auch für Frauen zugänglich gemacht, das Pflichtzölibat aufgehoben und die kirchliche Sexualmoral an der Lebenswirklichkeit der Menschen ausgerichtet werden.

Im Rahmen des Streiks in der Woche vom 11. bis 18. Mai ruft die Aktion auf, die Kirche nicht zu betreten und auch keine Dienste zu verrichten. Natürlich sind zur Protestaktion auch gerne Männer gesehen. Den Gottesdienst ausfallen lassen muss allerdings niemand. Vor den Kirchen werden Wortgottestdienste gehalten, gebetet, gesungen, Wünsche und Forderungen zusammengetragen.

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