Kaktus-Rudi hat auch ein Händchen für Palmen

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„Willkommen im Paradies.“ Rudi Pfitzer fühlt sich in seiner Oase wohl. Stolz ist er derzeit vor allem auf seine blühende „Yucca
„Willkommen im Paradies.“ Rudi Pfitzer fühlt sich in seiner Oase wohl. Stolz ist er derzeit vor allem auf seine blühende „Yucca rostrata“. (Foto: Thomas Siedler)
Redakteurin/DigitAalen

Mit seinen Kakteen hat Rudi Pfitzer schon immer für Schlagzeilen gesorgt. Zu Zeiten, als Altstadt-Rudi noch in der Radgasse wohnte, waren seine Kakteen auch für Hunderte von Touristen ein beliebtes Fotomotiv. Seit 15 Jahren lebt der Ur-Aalener nicht mehr in der Fußgängerzone, sondern in der Triumphstadt. Sein Name Kaktus-Rudi ist ihm allerdings geblieben. Dass er nicht nur ein Händchen für diese Pflanzen hat, sondern auch für Palmen, zeigt seine „Yucca rostrata“, die derzeit in seinem Garten blüht. Eine Seltenheit, wie Rudi Pfitzer sagt.

Während andere in den Ferien gen Süden fliegen, hat Rudi Pfitzer sein Madeira oder Teneriffa vor der Haustüre. „Willkommen im Paradies“, ruft der schwäbische Exot und präsentiert seine kleine Oase, die locker mit einem botanischen Garten mithalten kann. Inmitten der Pracht steht seine „Yucca rostrata“, die in Texas und in Mexiko beheimatet ist. Seit zwei Jahren hegt und pflegt er das gute Stück. Geblüht hat sie bislang allerdings ebenso wenig wie seine anderen Palmen. Dass sie in diesem Sommer erstmals ihre ganze Pracht entfaltet, sei dem Wetter zu verdanken, sagt Pfitzer, der regelmäßig beim Anblick der hängenden, glockigen und cremefarbenen Blüten, die über den Blättern beginnen und über einen Meter nach oben reichen, sprachlos ist.

Kakteen wurden auch von Japanern gefilmt

Trotz seines Faibles für Palmen hat er seine Leidenschaft für Kakteen nicht aufgegeben. Über hundert davon stehen auf Fensterbänken, auf der Terrasse, auf dem Balkon und im Wohnbereich. Die Liebe zu den stacheligen Pflanzen brachte ihm vor Jahrzehnten seinen Spitznamen Kaktus-Rudi ein, auf den das Original stolz ist. Auf großen Lettern hat er diesen auch an seinem Briefkasten verewigt. Zu Zeiten, als er noch in der Radgasse in dem Gebäude der Spion-Metzgerei wohnte, wurde sein Kakteenfenster unzählige Male abgelichtet und sogar gefilmt. „Auch von Japanern, die bei der Firma Zeiss zu Gast waren“, erinnert sich Pfitzer, der findet, dass er Citymanager hätte werden sollen. Denn lange bevor die Sommeraktion Aalen City blüht ins Leben gerufen wurde, blühte es bei ihm auf den Fensterbänken und vor seinem Domizil auf der Straße. 1992 warb er im Rahmen der Veranstaltung des Innenstadtvereins sogar mit dem Slogan: „Auch ich bin dabei.“

Bereits als kleiner Junge sei Pfitzer von Kakteen fasziniert gewesen. Diese Leidenschaft habe sein Vater ihm und seinen vier Brüdern in die Wiege gelegt. Nahezu täglich sei er als Bub an dem Schaufenster der Gärtnerei Königer in der Bahnhofstraße vorbeigegangen, wo heute das griechische Restaurant Poseidon seinen Sitzt hat, und habe das Schaufenster bewundert, in dem etliche Kakteen ausgestellt waren. „Geld, sich solche zu kaufen, hatten wir damals nicht“, sagt Pfitzer. Allerdings seien die fünf Jungen immer wieder an einer Stelle im Langert fündig geworden, an der die Gärtnerei Königer ihren Grünabfall und Torf abgelegt habe. „Und meist fanden wir in den Haufen verkrüppelte Kakteen, die wir dann aufgepäppelt haben.“

Für lautstarke Partys und Halligalli bekannt

Den ersten Kaktus leistete sich Pfitzer schließlich nach seiner dreijährigen Lehrzeit im Jahr 1960. Später hatte er auch genügend Geld, um diese auf verschiedenen Reisen ins Ausland oder in botanischen Gärten zu bewundern. Aufgrund seiner Liebe zu den Kakteen ist er seit Jahrzehnten auch mit dem „Kakteen-Doktor“ Franco Albanese, eng verbunden, der bei der Gärtnerei Königer gelernt und einst auch den Disco Pub betrieben hat.

Einen Namen gemacht hat sich Pfitzer allerdings nicht nur mit seinen Kakteen, sondern auch als Altstadt-Rudi. Auf dem Marktplatz geboren und aufgewachsen und 1955 mit seiner Familie in die Mittelbachstraße umgezogen, ist Pfitzer in der Tat seit jeher ein Altstadt-Kind. Dieser blieb er auch als Erwachsener treu und lebte drei Jahrzehnte in der Radgasse, wo er unter anderem für seine legendären, mitunter lautstarken Partys bekannt war. Viele Aalener erinnern sich auch heute noch an das Halligalli, das er am Freitag an den Reichsstädter Tagen veranstaltet hat, als dieser Tag noch gar kein Festtag war. Als in der Stadt die Bürgersteige hochgeklappt wurden, ging es bei ihm erst so richtig rund. Ein Highlight des schwäbischen Animateurs war das von ihm inszenierte Feuerwerk, bei dem er eine Holzlatte aus dem Fenster schob und auf dieser etliche Vulkane entzündete. 1992 setzten ihm seine Freunde am Freitag des Stadtfestes sogar ein Denkmal und nannten die Radgasse in Rudigasse um, sagt Pfitzer und zeigt ein Foto von dem Ereignis.

Der Aalener war auch immer musikmäßig gut unterwegs. „Ich bin der größte Musikfan überhaupt“, sagt er und wirft mit Stilrichtungen wie Jazz, Swing, Rock’n’Roll, Country, Soul und und und nur so um sich. Wie viele Bänder, Platten und CDs er besitzt, könne er nicht sagen. „Massenhaft.“ Immer wieder in den Genuss seiner Sammlungen sind auch Besucher verschiedener Veranstaltungen gekommen, bei denen er als DJ aufgelegt hat. Unter anderem in der ehemaligen Tenne in Wasseralfingen oder im Bottich. Und wenn er nicht hinterm DJ-Pult stand, war er immer vorne mit dabei. Noch heute entgeht ihm keine Veranstaltung und bei der Ü40-Nikolausparty im Bottich schenkt er seit eh und je als Weihnachtsmann jeder Frau einen kleinen Kaktus. Überall mitzufeiern und gut drauf zu sein, ist seine Devise.

Die Zahl 23 hat ihm mehrmals Glück gebracht

Bekannt war Pfitzer vielen Aalenern auch als eifriger Teilnehmer an Preisausschreiben und Gewinnspielen. An Tausenden habe er teilgenommen und sei dabei auch recht erfolgreich gewesen. Ein tolles Erlebnis sei es gewesen, als der ehemalige OB Ulrich Pfeifle bei einem Gewinnspiel eines Aalener Autohauses seinen Namen gezogen und er den Hauptpreis in Form einer Reise in die Türkei gewonnen habe. Ein glückliches Händchen habe er auch immer wieder mit seiner Glückszahl 23 gehabt. Dass er am 23. Geburtstag hat, am 23. heiratete und seine Tochter um 23.23 Uhr geboren wurde, könne ja nur Glück bringen, sagt Pfitzer.

Müllproblem und Vandalismus haben zugenommen

Weniger Glück hatte er, als er vor 15 Jahren aus seiner Wohnung in der Radgasse, in der er in Miete lebte, ausziehen musste. „Das tat schon ein bisschen weh.“ Seine neue Bleibe in der Triumphstadt, in der er mittlerweile seit zwölf Jahren lebt, tröstet darüber hinweg. Altstadt-Rudi hin oder her. In der Innenstadt möchte er heute auch nicht mehr leben. „Das Müllproblem hat zugenommen ebenso wie die Beschädigungen.“ Sicherlich sei auch zu seinen Zeiten in der Radgasse mal etwas vorgekommen, sagt Pfitzer und denkt an seinen gestohlenen Oleander. Im Gegensatz zu heute sei dieser allerdings nach acht Tagen wieder an seinem Platz gestanden, weil den Dieb wohl das schlechte Gewissen geplagt habe. Ein solches gehe den meisten Tätern heute ab.

Auch als Besucher der Stadt habe er sich vor allem im Sommer rar gemacht. „Ich bleibe lieber in meiner Oase und freue mich an meiner ,Yucca rostrata’“, sagt Pfitzer und hofft, dass deren Blühen keine Eintagsfliege war. Dann wird ihm vielleicht auch mal der Name Palmen-Rudi zu Ehren.

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