Joachim Wagenblast und Oberbürgermeister Thilo Rentschler (rechts) bewundern eins der Werke.
Joachim Wagenblast und Oberbürgermeister Thilo Rentschler (rechts) bewundern eins der Werke. (Foto: Markus Lehmann)
Freier Mitarbeiter

Die Ausstellung ist bis 9. Juni im Bürgerhaus zu besichtigen. Infos: Telefon 07361 / 97910. Öffnungszeiten: Freitag, Samstag, sonn- und feiertags von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.

„Die ihr eintretet, lasst alle Hoffnung fahren“, steht vor dem Höllentor in Dantes „Göttlicher Komödie.“ Doch schreckte der Höllenhund am Eingang zur Museumsgalerie im Bürgerhaus die vielen Besucher nicht ab bei der Eröffnung der Ausstellung „Eden“. Was das Trio Brandt, Putze und Welzenbach zum Thema „Inferno in der Kunst“ zeigt, wird wohl noch viele Besucher in diese infernalisch-augenzwinkernde Kreativ-Schau locken.

Großflächige Malerei von Axel Brandt, Installationen und Bildhauerei von Thomas Putze und Andreas Welzenbach prägen „Eden“. Putze arbeitet mit Holz und Fundstücken, erschafft dämonische Wesen, Krähen oder Liebespaare. Eine der herausragenden Arbeiten ist „Inferno“: In einer Art Disko tanzen lasziv oder auch nur ausgelassen Mädchen mit schwarzem Haar und knallrotem Lippenstift. Putzes Technik: Mit einer Flex legt er Bau-Schaltafeln frei und bemalt sie. Das Bild trägt in Klammern den Titel „72 Jungfrauen“. Und das passt ganz gut zu Brandts „Märtyrer“, der auf einem Teppich auf einen gespreizten (Frauen)-Schenkel zufliegt. Daneben zwei vermummte Frauen (Titel: „SMS“) mit angedeuteten Drähten am Sprengstoffgürtel. Brandt knöpft sich auch andere Religionen vor, die das Paradies im Angebot haben. Man sieht den Papst, jovial winkend, vielfüßig und in einer Prozession mit Ministranten, die zur skurrilen Karikatur werden. Auf eine andere Art der Himmelfahrt machen sich zwei offensichtlich Sturzbesoffene im BMW. „Andechser Gefühl“ heißt das. Auf solchen bitterbösen Humor und rabenschwarze Ironie stößt der Besucher ständig – wie auch auf die Vergänglichkeit.

Als Meister des schwarzen Humors und Bildhauer der Extraklasse hat sich Welzenbach in der deutschen Kunstszene einen Namen gemacht. In diese Ausstellung bringt er aber auch Lokalkolorit mit. „SHW/Aus“ heißt ein Werk (Holz, Farbe, Eisenguss), ein anderes „Trautes Heim“ mit der Fraktur-Schrift „Glück alle“. Sein „Coconut Dream“ ist wieder einer dieser „Kunstautomaten“ aus einem einzigen Stück Holz und wenn er solche Szenen nicht aus einem Stamm freilegt, arbeitet er (kunst)-handwerkliche Massenware um. Oder „Volkskunst“. Nicht um sie zu Verhöhnen. Das zeigt er in seiner Serie „Lob der Amateure“ und besonders augenzwinkernd mit der „Siegessäule“.

Alles andere als eine beschauliche Paradies-Schau

Ortsvorsteherin Andrea Hatam hatte es geahnt, als Joachim Wagenblast (Bund für Heimatpflege Wasseralfingen) die Ausstellung „Eden“ ankündigte: Eine beschauliche Paradies-Schau wird das nicht, wie dann ja auch der weiterführende Titel „Inferno in der Kunst“ ankündigt. In ihrer Einführung sagte Katrin Burtschell das so: „Dieses Trio hat den Garten Eden umgegraben.“

Zur Eröffnung machte das Trio Musik (Welzenbach am Schlagzeug, Brandt am Bass, Putze Gitarre/Akkordeon) auf einem Holzpodest und vor Welzenbachs massivem „Herr Gier“ aus Linde. Dessen geöffneten Mund kann man „füttern“, etwa mit Geldscheinen. Die fallen aber hinten wieder raus. Er kriegt nie genug.

Die Ausstellung ist bis 9. Juni im Bürgerhaus zu besichtigen. Infos: Telefon 07361 / 97910. Öffnungszeiten: Freitag, Samstag, sonn- und feiertags von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.

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