Jubel um virtuose Barockmusiker

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Außergewöhnlich ist die Besetzung von 4 Times Baroque (von links): Karl Simko (Cello), Alexander von Heißen (Cembalo), Jonas Tsc
Außergewöhnlich ist die Besetzung von 4 Times Baroque (von links): Karl Simko (Cello), Alexander von Heißen (Cembalo), Jonas Tschenderlein (Violine) und Jan Nigges (Blockflöte)l. (Foto: Thomas Siedler)
Johannes Müller

Vier smarte junge Männer haben am Sonntagabend ihr Publikum in der Villa Stützel zum zweiten Mal als virtuose Barockmusiker überrascht. Wer sie letztes Jahr hier erlebte, konnte deutliche Fortschritte registrieren. Die Formation 4 Times Baroque hatte inzwischen mit ihrem Debütalbum und ihrem Preis bei „Opus Klassik“ erstaunliche Erfolge gefeiert und ihr faszinierendes Zusammenspiel noch gesteigert.

Den Kontakten des Aalener Medizinerehepaars Sandra Roeddiger und Ralph Kurek zur Musikszene war es zu verdanken, dass die vier Frankfurter zu einem Adventskonzert in die Villa Stützel kamen. Außergewöhnlich schon die Besetzung: Cembalo (Alexander von Heißen), Cello (Karl Simko), Violine (Jonas Tschenderlein), Blockflöte und Moderation (Jan Nigges).

Programmtitel: „Bach & Telemann – fast beste Freunde“

Wer mit einer solchen Besetzung einen ganzen Abend lang mit alter Barockmusik unterhalten will, der ist auf gute Arrangements und Bearbeitungen angewiesen. Wie sich herausstellte, war das für die Profis eines solchen Ensembles offensichtlich keine Schwierigkeit, besonders wenn auch mal Michael Schneider, der Lehrer des Flötisten, aushalf. Ihr Programm hieß „Bach & Telemann – fast beste Freunde“. Beide Familien waren eng befreundet.

Ausgerechnet aus dem rätselhaftesten Werk des Altmeisters Johann Sebastian Bach, aus der Kunst der Fuge, hatte sich das Frankfurter Quartett das Stück „Contrapunctus 9 alla Duodecima“ ausgesucht. Es war nichts Melodisches, was angesprochen hätte, sondern die technische Perfektion der Läufe, an denen man sich profilieren konnte. Auch das vollendete Zusammenspiel imponierte von Anfang an. Beides bildete den Maßstab, an dem sich die Qualität des Musizierens der jungen Virtuosi überzeugend ablesen ließ.

Phantasievolles von Georg Philipp Telemann, der vom Bach-Sohn Carl Philipp schwärmte, frischte das Programm auf. Zwei Triosonaten in a-Moll machten den Unterschied zu Bachschen Werken überdeutlich. Hüpfende Rhythmik erinnerte an Tanzmusik, die Telemann mit dem jungen Bach in Berliner Café-Häusern des 18. Jahrhunderts und bei polnischen Bierfiedlern kennengelernt hatte. Da konnte der Flötist mit aufblitzenden Läufen sein Temperament und der Geiger seine raffinierte Grifftechnik und sein feines Abphrasierungen unter Beweis stellen.

Der Cellist faszinierte in Bachs Suite Nr. 1 in G-Dur und die Violine in der Sonate Nr. 1 in g-Moll mit astreinen Soli. Mit wunderbarer Klangkulisse und glitzernden Tongirlanden wartete der Cembalist auf.

Vom Moderator erfuhr man so nebenbei Kurioses über Telemanns Talent als Börsenmakler während seiner Hamburger Zeit, in der er im Hauptberuf Generalmusikdirektor war. Aus dem Frankreich Ludwigs XIV. übernahm der weltgewandte Komponist den Stil für sein Pariser Quartett, mit dem effektiven Kontrast zwischen übermütig-fröhlichen und graziösen Sätzen.

Klar, dass den Frankfurtern nach dieser abwechslungsreichen Präsentation glanzvoller Barockmusik jubelnder Beifall sicher war. Das Ensemble belohnte ihn mit „Merry Christmas“, einer mitreißenden Huldigung an das bevorstehende Fest, komponiert von einem Hongkong-Chinesen, der noch am Nachmittag per Telefon sein Einverständnis für die kurzfristige Aufführung in Aalen gab. Für den Dreikönigstag (6. Januar 2019) kündigte Sandra Röddinger den zweiten Auftritt des Ensembles „Viatorius“ mit Miriam Striegel und geistlicher Kammermusik an.

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