Joel Frederiksen besingt die Liebe

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Mit Liebesliedern der Renaissancehat der Bassist und Lautenist Joel Frederiksen das Publikum in der Villa Stützel beeindruckt.
Mit Liebesliedern der Renaissancehat der Bassist und Lautenist Joel Frederiksen das Publikum in der Villa Stützel beeindruckt. (Foto: Peter Schlipf)
Gerhard Krehlik

Liebeslieder aus der Renaissance hat der amerikanische Bassist und Lautenist Joel Frederiksen am Montagabend in die Villa Stützel mitgebracht. Das Publikumsinteresse war groß, der Salon bis auf den letzten Platz besetzt.

Ach ja, die Liebe (seufz) – kaum ein anderes Thema hat die Menschen seit Anbeginn der Zeit so beschäftigt wie die intensiven Beziehungen der Menschen untereinander. Literaten, Poeten und Komponisten hat sie beflügelt, von den Minnesängern des Mittelalters bis zu den Songwritern unserer Tage.

Die Liedermacher der Renaissance sind der Faszination der Liebe auf besonders romantische Art und Weise erlegen, und Joel Frederiksen, Echo-Klassik-Preisträger 2013, trägt mit seiner Laute und seiner Stimme dazu bei, dass diese Liebeslieder aus dem 16. und 17. Jahrhundert nicht völlig aus unserer Kultur verschwinden.

Bis ans untere Ende der Tonleiter

Er tut das auf beeindruckende Art und Weise. Vor allem seine Bassstimme, mit der er auf der Tonleiter bis an deren Ende hinabsteigt, ruft immer wieder das ungläubige Erstaunen der Zuhörer hervor. Mittels eines breiten dynamischen Spektrums und auch durch seine lebhafte Mimik gelingt es ihm, den unterschiedlichen Stimmungen der Liebenden – von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt – lebhaft und anschaulich nachzuspüren.

Und er macht das sogar in drei Sprachen, zunächst in Englisch mit Songs von Robert Johnson oder John Dowland wie etwa „Orpheus, I am…“ dann auf Altfranzösisch etwa mit Liedern von Nicolas Vallet oder Gabriel Bataille und nach der Pause schließlich singt Frederiksen auch auf Italienisch.

Beeindruckender zweiter Teil

Dieser zweite Teil des Programms ist besonders eindrucksvoll, denn dabei begleitet sich Joel Frederiksen nicht nur mit einer sogenannten „Erzlaute“, auf der zusätzlich zu den Saiten der Laute auch Basssaiten aufgespannt sind, sondern er verblüfft auch durch ausgedehnte, präzise gesungene Coloraturen in Basslage, wie etwa in „Chi mi confort‘ahimé“ oder „Deh chi d’alloro“ von Giulio Caccini. Und die Zuhörer lernen, dass die Italiener schon in der Renaissance mit der Liebe und vor allem mit dem Liebeskummer ein wenig lockerer umgegangen sind als andere. „Sie liebt mich nicht…“ heißt es etwa in „Armilla ingrata“ von Andrea Falconieri, „… also schau ich mich nach einer anderen um!“

Als besonderen Service für die Zuhörer gab es in der Villa Stützel alle Liedtexte auch zum Mitlesen. Der begeisterte Beifall der Besucher wurde am Schluss mit zwei Zugaben belohnt, zunächst mit einer eigenen Version von Joel Frederiksen über „Scarborough fair“ und dann noch mit einem lustigen englischen Trink-lied, in dem es am Schluss heißt: „…better drunken than dead“. Genau!

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