Jazzfest: Samy Deluxe und Avery Sunshine lassen Aalen vibrieren

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 Er hat’s eindrucksvoll bewiesen: Rap beim Jazffest funktioniert. Samy Deluxe brachte die Aalener Stadthalle am Samstag zum Bebe
Er hat’s eindrucksvoll bewiesen: Rap beim Jazffest funktioniert. Samy Deluxe brachte die Aalener Stadthalle am Samstag zum Beben. (Foto: Thomas Siedler)
gk und Gerhard Krehlik

Am Jazzfest Samstag hat die Stadthalle den Hip Hoppern gehört. Gefühlte 2000 überwiegend junge Besucher – tatsächlich mögen es round about 1500 bis 1600 gewesen sein – feierten mit Samy Deluxe, einem der erfolgreichsten deutschen Rapper, und mit der Soulsängerin Avery Sunshine eine vibrierende Party.

Hip Hop auf dem Jazzfest? Ein Rapper auf der Bühne? Eingefleischte Jazzpuristen werden dabei skeptisch den Kopf geschüttelt und mit den Augen gerollt haben. Jazzfestmacher Ingo Hug und seinen Mitstreitern vom Verein „kunterbunt“ sind derartige Berührungsängste eher fremd. Und das ist gut so.

 Rund 1600 Besucher kamen zum Samy Deluxe-Konzert in die Aalener Stadthalle.
Rund 1600 Besucher kamen zum Samy Deluxe-Konzert in die Aalener Stadthalle. (Foto: Thomas Siedler)

Attraktive Angebote auch außerhalb der „klassischen“ Jazzszene machen das Aalener Jazzfest bekannt und pushen die Besucherzahlen, siehe Max Giesinger im letzten Jahr und jetzt Samy Deluxe, quasi am entgegengesetzten Rand des musikalischen Spektrums. Und wenn nur ein Bruchteil der Besucher vielleicht in reiferen Jahren auch den Jazz für sich entdeckt, dann ist die Strategie von Ingo Hug schon aufgegangen.

Dem 1977 in Hamburg als Sohn eines sudanesischen Vaters und einer deutschen Mutter geborenen Samy Sorge war es sicher auch nicht in die Wiege gelegt, dass er mal die Aalener Stadthalle beim 28. Jazzfest zum Kochen bringen würde. Seine schwierige Kindheit spiegelt sich in seinen deutschen Texten bis heute wieder. Diese Texte kann man live zwar nur schwer verstehen, aber was ein echter Hip Hopper ist, der kennt das meiste von Samy Deluxe sowieso auswendig.

Stadthalle quillt vor Equipment fast über

Die Texte sind – natürlich – Protest und Provokation in einem und stehen sachlich oft auf eher wackligen Beinen. Aber er trifft damit den Nerv und das Lebensgefühl vieler Jugendlicher. Musikalisch betreiben Samy Deluxe und seine Crew einen erheblichen Aufwand, den man heutzutage nur noch selten erlebt. Die Bühne der Stadthalle quillt vor Equipment fast über. Und ein gutes Dutzend Musiker und Sängerinnen sorgen für den entsprechenden Sound. Das reicht von Geige und Cello über eine Bläsersektion und einen dreiköpfigen Background Chor bis hin zu Keyboard, Gitarren und zwei Schlagzeugen.

Das Warm up übernahm Avery Sunshine, die amerikanische Sängerin und Pianistin Denise Nicole White. Auch sie fand – von einem Gitarristen begleitet - mit ihrer phänomenalen souligen Stimme problemlos den Kontakt zum gut gelaunt mitgehenden Publikum im Saal. Emotional, kraftvoll und groovend entführte Avery Sunshine die Zuhörer in die musikalische Welt des Soul, Funk und Gospel. Am Schluss ihres Auftritts überließ sie das E-Piano dann Matthew Whitacker und die Zuhörer kamen noch in den Genuss einer kleinen, äußerst temperamentvollen und spannenden Session.

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