Jazzfest-Samstag: Die lange Nacht im „Ostertag“

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Drummerin und Sängerin Sheila Cecilia Escovedo alias Sheila E. ließ es mit ihrer Band rockig, laut und temperamentvoll angehen.
Drummerin und Sängerin Sheila Cecilia Escovedo alias Sheila E. ließ es mit ihrer Band rockig, laut und temperamentvoll angehen. (Foto: Thomas Siedler)
Gerhard Krehlik

Wenn man sich als Jazzfestbesucher Samstag Nacht von der Stadthalle ins „Ostertag“-Gebäude zu den drei Bands aufgemacht hat, dann war man dort zwar immer noch auf dem 28. Aalener Jazzfest, aber in einer völlig anderen musikalischen Welt und auch in einer ganz anderen Atmosphäre als zuvor in der hip-hoppen Stadthalle.

Diese Unterschiede, die man auf ein und demselben Festival erleben kann, machen auch einen Teil des Reizes des Jazzfestes aus. Während man eben noch in einem kochenden Saal mit knapp 2000 Gleichgesinnten Samy Deluxe gefeiert und ihm zugejubelt hat, stand man danach im „Ostertag“ eher cool vor der Bühne und wippte – zumindest anfangs – vielleicht mit der Zehenspitze im Takt mit der Laser Blended Vision Band. Die kommen aus London und heißen tatsächlich so. Franz Donner, stellvertretender Vorsitzender des veranstaltenden Vereins kunterbunt, hat die Band für das Jazzfest „entdeckt“.

Augenoperateur und Bandleader

Bandleader Dan Reinstein nämlich verdient sein Geld tagsüber als Augenoperateur und arbeitet deshalb eng mit der Carl Zeiss AG zusammen. Nachts widmet er seine Zeit dem Jazz als Sopransaxofonist in seiner Band. Wann er schläft, das bleibt sein Geheimnis.

Auf jeden Fall, darauf machte er mit trockenem englischem Humor aufmerksam, trägt keiner in seiner Band eine Brille. Dass seine Musikerkollegen die Operationskosten bei ihm musikalisch abarbeiten, ist allerdings nicht mehr als ein Gerücht.

Musikalisch orientieren sich Reinstein & Co. an Hardbop und Soul-Jazz. Der Chef gibt als Frontmann mit seinem leidenschaftlich gespielten Sopransax, stilistisch ein wenig an Jan Garbarek erinnernd, die Richtung vor und dominiert den Sound der Band. Er spielt das Saxofon hochvirtuos, lässt es heulen und in höchsten Lagen emotional wimmern und klagen. Dazu liefern seine Jungs einen mitreißenden Groove ab, so dass das Wippen mit der Schuhspitze bei den meisten Zuhörer vor der Bühne schnell auf den ganzen Körper übergreift.

Nach diesem Sound aus einer Zeit, in der man in den Jazzclubs wegen des Qualms weitgehend unerkannt bleiben konnte, ging es mit der kalifornischen Drummerin und Sängerin Sheila Cecilia Escovedo alias Sheila E. und ihrer Band rockig, laut und temperamentvoll weiter. Sheila E. hat schon mit allem, was im Rock- und Popbusiness Rang und Namen hat, getrommelt. Schon ihr Startsong „Come together“ von den Beatles ließ die Halle beben. Spätestens jetzt stand niemand von den Besuchern mehr still. Weit nach Mitternacht lösten dann Tortured Soul – keine Unbekannten auf dem Jazzfest – die Princess of Percussion ab, ehe schließlich DJ Donnie Ross die Rolle des Rausschmeißers übernahm.

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