Jazzfest: Musikalische Welten prallen aufeinander

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Peter Fessler, Peter Weniger, Sandra Röddiger, Daniela Wartenberg und Andrea Bauer (von links) sorgten Beifall in der Villa Stüt
Peter Fessler, Peter Weniger, Sandra Röddiger, Daniela Wartenberg und Andrea Bauer (von links) sorgten Beifall in der Villa Stützel. (Foto: Peter Schlipf)
Gerhard Krehlik

Das komplette Programm bis zum kommenden Sonntag findet sich auf www.aalener-jazzfest.de. Karten: Telefon 07361 / 4606444.

Nach dem „Goldenen Lamm“ in Unterkochen und dem Kino am Kocher ist das Aalener Jazzfest auf seiner „Tour de ville“ am Mittwochabend in der Villa Stützel angekommen. Der Andrang der Jazzfans war groß, und obwohl sämtliche verfügbaren Sitzgelegenheiten aktiviert wurden, mussten einige Besucher mit Stehplätzen vorlieb nehmen.

Jazz in der Villa Stützel? Da wundert sich der Fachmann zunächst einmal, im dortigen Salon war man seither eher auf klassisches Liedgut und Musik aus Barock und Renaissance eingestellt. Aber Sandra Röddiger, Macherin in der Villa Stützel, und Mr. Jazzfest Ingo Hug sind experimentierfreudig. Im Sommer war das Festival für Alte Musik schon zu Gast im Weinkontor von Ingo Hug, jetzt erfolgte quasi der Gegenbesuch mit dem Jazzfest.

Peter Fessler (Gitarre, Gesang) und Peter Weniger (Sopransaxofon) vertraten den Jazz, das „hauseigene“ Barocktrio mit Daniela Wartenberg (Cello), Andrea Bauer (Laute), Uli Bareis (Cembalo) und Sandra Röddiger (Sopran) widmete sich überwiegend der Musik der Renaissance.

Eins vorneweg: die musikalischen Gegensätze waren – wie nicht anders zu erwarten – gewaltig. Jazzduo und Barocktrio sangen und spielten abwechselnd, dadurch prallten zwei musikalische Welten unmittelbar und entsprechend heftig aufeinander. Die Zuhörer fanden sich in einem aufregenden musikalischen Wechselbad wieder, zumal Fessler und vor allem Weniger bei ihren Versionen von Jazz-Evergreens wie etwa „All the things you are“, „Girl from Ipanema“ oder dem legendären „Apelo“ von Baden-Powell die Grenzen ausgiebig ausloteten. Weniger ließ sein Saxofon jaulen, flüstern, genüsslich röhren, Fessler sang dazu mit unverwechselbarer Stimme.

Unmittelbar davor oder danach sang Röddiger mit geschmeidiger, gefühlvoller Stimme zum Beispiel „Che si puo fare“ der venezianischen Sopranistin Barbara Strozzi oder „Lumi potete piangere“ aus der Oper „La divisione del mondo“ von Giovanni Legrenzi. Dabei wurde sie sensibel vom Barocktrio begleitet. Krasser kann man unterschiedliche musikalische Welten nicht darstellen. Den Gershwin-Song „Our love is here to stay“ musste Röddiger dann quasi zwischen Tür und Angel singen, denn das Klavier zur Begleitung hatte nur im Nebenzimmer Platz. Die Zuhörer und sie selbst nahmen es mit Humor. Das Jazzer und Klassiker aber auch gemeinsam musizieren können, das erlebten dann die mitsummenden Zuhörer am Schluss beim herbstlichen Kinderlied „Hejo, spann den Wagen an“. „Eine einmalige Stimmung hier“, meinte dazu Jazzfan Manfred S. aus Lübeck.

Das komplette Programm bis zum kommenden Sonntag findet sich auf www.aalener-jazzfest.de. Karten: Telefon 07361 / 4606444.

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