Interkulturelles Oratorium

Lesedauer: 4 Min
Die 70 Sängerinnen und Sänger des Tübinger Kammerchors entfalteten zusammen mit dem Ensemble Asambura unter der Leitung von Fran
Die 70 Sängerinnen und Sänger des Tübinger Kammerchors entfalteten zusammen mit dem Ensemble Asambura unter der Leitung von Frank Oidtmann den Zauber afrikanischer Musik in Verbindung mit dem barocken Meisterwerk „Messias“ von Georg Friedrich Hän (Foto: Edwin Hügler)
Edwin Hügler

Ein ganz neues Klangspektrum hat der Kammerchor des evangelischen Stifts Tübingen mit dem Oratorium „MessiaSASAmbura“ in der Stadtkirche in Aalen geboten. Die 70 Sängerinnen und Sänger entfalteten zusammen mit dem Ensemble Asambura unter der Leitung von Frank Oidtmann den Zauber afrikanischer Musik in Verbindung mit dem barocken Meisterwerk „Messias“ von Georg Friedrich Händel.

Der Hamburger Komponist Maximilian Guth hat hier im Jahr 2016 etwas völlig Neues kreiert. Der „Messias“ erzählt die christliche Heilsgeschichte, Guth hat die Musik von Händel mit afrikanischen Elementen bereichert und ein interkulturelles Oratorium geschaffen. Es steht für das Zusammentreffen unterschiedlichster Kulturen und Religionen in Afrika. Diese Auseinandersetzung wird in „MessiaSASAmbura“ unter anderem durch die klanglichen Assoziationen zu Muezzinrufen und Glockenklängen transportiert.

Exotische Klangfarben

Eine große Rolle im ungewöhnlichen musikalischen Spektrum spielt der Einsatz afrikanischer Instrumente wie der tiefen Querflöte, der Marimba und der Kora, die afrikanische Harfe. Es entsteht Musik voller Rhythmik, Freude am Fremden und mit exotischen Klangfarben. Komplettiert wird das ungewöhnliche musikalische Szenario durch die europäische Orchesterbesetzung mit Streichern und Bläsern.

Sphärische, melancholische und groovige Klangwelten aus der tiefsten afrikanischen Seele treffen auf wunderschöne Melodien aus der Blütezeit des Barock – Händel meets Afrika.

Kammerchor, Ensemble und Solosängerin Julienne Mbodjé setzten die Intuition von Komponist Maximilian Guth meisterhaft um. Chor und Instrumentalisten harmonierten prächtig, die einzelnen Charaktere der Musikstücke kamen treffend zum Ausdruck. Bei den Soloteilen übten sich Orchester und Chor in der notwendigen Zurückhaltung, so dass die Solistin mit ihrer glockenreinen Stimme gut zur Geltung kam.

In „Darkness shall cover the Sea“ entstehen Wellenbewegungen in den Streichern aus diffusen Muezzinklängen, „Tumaini“ beschreibt die Seelenbefreiung und bei „For unto us a Child is born“ bringen Engel die hoffnungsvolle Nachricht. „Kuendelea“ symbolisiert den Ruf aus der Gruft, bevor das instrumentale „But who may abide“ das Wechselspiel zwischen ewiger Transzendenz und apokalyptischen Reitern musikalisch transportiert.

Was wäre eine auf Händel basierende Musik ohne das „Hallelujah“? Der Chor überzeugte bei diesem strahlenden Werk mit differenzierter Gestaltung und bewältigte selbst die höchsten Tonlagen souverän und mit großer Transparenz.

„Behold the Lamb“ erzählt vom Verrat an der Friedensmission. Die Klage über den Tod Jesu im Rezitativ „Thy Rebuke“ gestaltet sich als reizvoller Dialog zwischen einem barocken Klangbild und der afrikanischen Marimba. Mit dem „Amen“ als Segnung aller Völker und der Coda endet ein interkulturelles Oratorium, das musikalisch voller Kontraste ist und zum Nachdenken anregt.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen