Inklusion im Ruhestand: Damit der Übergang gelingt

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 Ziel des Projektes ist es, Menschen mit und ohne Behinderung zusammen zu bringen um so deren Ruhestand gemeinsam aktiv zu gesta
Ziel des Projektes ist es, Menschen mit und ohne Behinderung zusammen zu bringen um so deren Ruhestand gemeinsam aktiv zu gestalten. (Foto: Friso Gentsch/dpa)
Redakteurin/DigitAalen

Einschnitte gibt es viele im Leben eines Menschen. Ein ganz entscheidender ist der Übergang vom Arbeitsleben in den Ruhestand. Mit den Herausforderungen, die diese Veränderung für Menschen mit und ohne Behinderung mit sich bringt, haben sich Verantwortliche des Samariterstifts im Inklusionsprojekt „GesiR“, Abkürzung für „Gestaltung inklusiver Ruhestand“ beschäftigt.

„GesiR“ ist ein von der Aktion Mensch gefördertes Projekt und läuft beim Samariterstift jetzt seit drei Jahren. Und so läuft es ab: „Etwa zwei Jahre vor dem Eintritt in den Ruhestand starten wir mit ersten Vorgesprächen“, erklärt Eva-Maria Rothaupt, die zusammen mit Gisela Graf-Fischer federführend am Projekt beteiligt war. Dabei überlege man, wie man das Thema Ruhestand angehe, welche Ziele der Klient habe und was er erleben möchte, so Rothaupt weiter. Man setzt also Interessenspunkte. „Im Anschluss daran prüft man, welche Angebote es in der Nähe für die unterschiedlichen Bedürfnisse gibt. Das können zum Beispiel Sportkurse sein oder Vorlesenachmittage“, sagt Eva-Maria Rothaupt. Dabei arbeitet das Samariterstift mit vielen Kooperationspartnern, darunter zum Beispiel der Sportkreis Ostalb oder das Bürgerspital Aalen, zusammen. Im nächsten Schritt überlegen die Verantwortlichen dann, wie das Projekt oder der Kurs gestaltet werden kann, damit Menschen mit Behinderung teilnehmen können. „Vor dem ersten Aufeinandertreffen von Nicht-Behinderten und Menschen mit Handicap gibt es auf beiden Seiten immer Unsicherheiten. Wer eine Behinderung hat und neu in einen Sportverein kommt, macht sich Gedanken, „wie reagieren die anderen auf mich?“, erklärt Rothaupt. Diese würden aber mit der Zeit abgebaut. Später sei es ein Ziel, dass die Klienten nicht nur an den Angeboten teilnehmen, sondern selbst ein Teil davon werden. So begleiteten dann beispielsweise Menschen mit Handicap einen Spielenachmittag für Senioren. Dabei könne man beobachten, dass es auf dem Land weniger Berührungsängste gibt, erklärt Michael Schubert, Regionalleiter der Behindertenhilfe Ostalb. „An unserem Standort Neresheim zum Beispiel gehören Menschen mit Behinderung zum Stadtbild. Im ländlichen Raum kennt man sich. In Aalen hingegen ist aufgrund der Größe der Stadt alles ein bisschen anonymer“, so Schubert weiter.

Herausforderungen sind die gleichen

Menschen mit oder ohne Behinderung haben übrigens mit fast den gleichen Problemen und Herausforderungen zu kämpfen, wenn es in den Ruhestand geht. „Vor allem wer sich vorher stark über seine Arbeit definiert hat, ist gefährdet, dann in eine Leere zu fallen. Viele soziale Kontakte fallen dann weg, auf einmal ist sehr viel freie Zeit da“, erklärt Schubert. Schwierig werde es auch, wenn jemand außer seiner Arbeit keine Hobbies oder Interessen gepflegt habe, ergänzt Eva-Maria Rothaupt. Auch wer kein soziales Netzwerk habe, könne Probleme bekommen. Beim Übergang in den Ruhestand müsse man auch lernen, raus aus dem Leistungsprinzip zu kommen, erklärt Schubert. „Statt ,schneller, höher, weiter’ stehen beim Sport dann mehr der Spaß und das gemeinsame Erleben im Vordergrund“, so der Regionalleiter weiter. Menschen mit Behinderung könnten erfahrungsgemäß besser damit umgehen, wenn die eigene Leistungsfähigkeit im Alter langsam nachlasse, erklärt er.

An diesem Donnerstag treffen sich die Projektverantwortlichen und weitere Personen aus Öffentlichkeit und Gemeinwesen zu einem Fachtag. Bisher ist laut Schubert noch unklar ob und in welcher Form die Aktion Mensch das Projekt noch fördern wird. Weitermachen wolle man aber in jedem Fall im Kleinen. Man wolle das Projekt dezentral vor Ort in die Alltagspraxis der verschiedenen Standorte integrieren, sagt Eva-Maria Rothaupt.


Mitgliederversammlung im Samariterstift: (von links nach rechts): Xaver Stark (1. Vorsitzender), Sylvia Caspari, Peter Hübener
Mitgliederversammlung im Samariterstift: (von links nach rechts): Xaver Stark (1. Vorsitzender), Sylvia Caspari, Peter Hübener (Kassenprüfer), Michael Maas, Ursula Schütz, Michael Melzer (Schatzmeister), Elke-Maria Boelcke, Erich Haller (2. Vorsitzender) (Foto: Ökumenischer Hospizdienstes Aalen e. V.)
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