In der Helferstraße herrscht ein buntes und fideles Nachtleben

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Schwäbische Zeitung
Saskia Stüven-Kazi

Wer an lauen Sommerabenden durch die Aalener Altstadt spaziert, der stößt in der Helferstraße auf ein buntes und fideles Nachtleben. Dicht an dicht tummeln sich zahlreiche Bars und Kneipen. Ob „Havanna-Bar“, „Quattro“, „Zum alten Hobel“ oder der Stadtbiergarten – in der Helferstraße wird den Hungrigen und Durstigen wahrlich geholfen. Früher allerdings war mit diesem Straßennamen weniger das leibliche Wohl als das geistige verbunden.

Denn der Name hängt mit der Einführung des evangelischen Glaubens in Aalen zusammen. Gehörte die Aalener Bevölkerung ursprünglich zum katholischen Bistum Augsburg und war dem Kirchenpatronat der Abtei Ellwangen unterstellt, öffnete sich die Stadt unter dem Schutz des Herzogs von Württemberg den Lutherischen Lehren. 1575 wurde in der Reichsstadt mit Hilfe des Tübinger Theologieprofessors und Kanzler der Universität, Jakob Andreä, die Reformation durchgeführt. Zwar wurde schon seit 1529 von reformatorischen Bestrebungen in Aalen berichtet, doch wurden diese vom Fürstpropst von Ellwangen und dem Bischof von Augsburg unterdrückt.

Als Folge der Reformation blieb Aalen über Jahrhunderte eine rein protestantische Stadt und wurde 1803 – nach dem Ende der Reichsfreiheit und dem Übergang der Stadt an die Krone Württembergs – sogar Sitz eines evangelischen Dekanats. Und was hat das nun alles mit der Helferstraße zu tun? Hier, im Haus mit der Nummer drei, wohnte im 19. Jahrhundert der „Helfer“. „Er hatte die Stelle des zweiten Stadtpfarrers, Organisten und Lehrers. Manchmal durfte er auch die Gottesdienste halten“, weiß Aalen-Kenner und „Nachtwächter“ Heinrich Fuchs. Heute findet man in dem Haus, das zu den ältesten der Stadt gehört, eine der urigsten Kneipen von Aalen: „Zum alten Hobel“. Dieser Name wiederum geht auf die alte Glaserei und Schreinerei zurück, die sich für rund 100 Jahre in dem Haus befand. „Und auf den alten Hobelbänken sitzen jetzt die Gäste“, freut sich Ruth Gross, die in der Helferstraße 3 geboren wurde und noch immer in dem Haus lebt, das nach wie vor in Familienbesitz ist. Ihr Urgroßvater war es, der 1896 die Glaserei und Schreinerei gründete.

Ebru Kaya, die Ende 2011 den „Hobel“ übernommen hat, findet die Geschichte des alten Hauses toll: „Erst neulich habe ich meinen ersten Stadtrundgang mitgemacht. Obwohl man hier geboren ist, hat man oft keine Ahnung von der eigenen Stadt“, sagt die sympathische junge Frau. Überall mache man Touren mit, ob in Rom, Florenz oder woanders – nur über die eigene Stadt wisse man wenig. „Das ist echt schade“, findet die Gastronomin, während sie ein kühles Bier zapft. Und dann geht sie mit dem Tablett nach draußen, um in der Helferstraße zu helfen – nämlich beim Durstlöschen.

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