Multiple Sklerose verursacht Behinderungen, doch bei zwei Dritteln der Patienten kann mit umfangreicher Therapie der Krankheits
Multiple Sklerose verursacht Behinderungen, doch bei zwei Dritteln der Patienten kann mit umfangreicher Therapie der Krankheitsverlauf abgemildert werden. (Foto: AOK Baden-Württemberg)
IPF- UND JAGST-ZEITUNG

Die Zahl der Multiple-Sklerose-Patienten im Ostalbkreis und im Land Baden-Württemberg nimmt zu. Diesen Trend beobachtet die Krankenkasse AOK. Unter den AOK-Versicherten im Ostalbkreis sind 265 Personen im Jahr 2013 an MS erkrankt gewesen. Diese Zahl ist 2017 auf 346 gestiegen. Derselbe Trend lässt sich auch in Baden-Württemberg beobachten. 2013 gab es unter den AOK-Versicherten hier 10 922 Erkrankte, 2017 sind es 13 284 Patienten gewesen.

Es beginnt schleichend, hier ein Kribbeln, mal ein Taubheitsgefühl, manche haben auch Sehstörungen. Über die letzten Jahre hinweg ist die Zahl von Multiple-Sklerose-Patienten kontinuierlich angestiegen. Frauen sind etwa 2,5-mal mehr betroffen als Männer. Am häufigsten tritt die Erkrankung im Alter zwischen 50 und 54 Jahren auf.

Bei MS schädigt das eigene Immunsystem die Nervenbahnen

AOK-Arzt Jan Paulus: „Multiple Sklerose, kurz als MS bezeichnet, ist eine chronische, nicht heilbare entzündliche Erkrankung. Dabei schädigt das eigene Immunsystem Nervenbahnen in Gehirn und Rückenmark. Dies kann zu sehr unterschiedlichen Symptomen führen, wie Seh- und Gefühlsstörungen, Müdigkeit, Schmerzen in Armen und Beinen, Lähmungserscheinungen, Schwindel und Zittern.“ Bei den meisten Patienten verlaufe die Entwicklung der Erkrankung in Schüben.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts sind weltweit etwa 2,5 Millionen Menschen erkrankt. In Deutschland leben nach Berichten des Bundesversicherungsamtes mehr als 240 000 MS-Kranke. Ein Drittel der Betroffenen haben einen günstigen Verlauf, ein weiteres Drittel leidet unter einer leichten Behinderung, kann aber den Alltag weiter bestreiten. Das letzte Drittel ist schwer behindert und stirbt im Extremfall.

Daher ist eine individuell an den Bedürfnissen der Patienten ausgerichtete Behandlung inklusive Physiotherapie, neuropsychologischen Rehabilitationsangeboten und Ergotherapie besonders wichtig. Hilfsmittel unterstützen die Betroffenen bei der Bewältigung des Alltags.

„Körperliche Aktivität kann der Entstehung von Begleiterkrankungen vorbeugen. Deshalb sollten Betroffene zum Sport motiviert werden, benötigen aber dringend individuelle Beratung“, erläutert Jan Paulus und ergänzt: „MS wird entscheidend vom Lebensstil und psychologischen Faktoren mit beeinflusst. So verbessert die Behandlung einer bestehenden Depression die Prognose. Um sozialer Isolation vorzubeugen, werden körperliche Aktivität und Hobbys empfohlen.“

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