Hochklassiger Liederabend: Von Liebesschmerz und Sehnsucht

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Einen besinnlichen, erbaulichen und zuweilen auch sehr melancholischen Abend, weit weg vom fasnächtlichen Trubel oder den Aufreg
Einen besinnlichen, erbaulichen und zuweilen auch sehr melancholischen Abend, weit weg vom fasnächtlichen Trubel oder den Aufregungen um das Sturmtief „Sabine“ bot das Konzert mit Andrè Schuen (rechts) und Daniel Heide in der Aalener Stadthalle. (Foto: Thomas Siedler)
Gerhard Krehlik

Im Rahmen der Veranstaltungen des Konzertrings Aalen haben der Bariton Andrè Schuen und sein Begleiter Daniel Heide am Klavier am Montagabend in der Stadthalle einen Liederabend gestaltet. Zahlreiche Besucher gönnten sich einen besinnlichen, erbaulichen und zuweilen auch sehr melancholischen Abend, weit weg vom fasnächtlichen Trubel oder den Aufregungen um das Sturmtief „Sabine“.

Mit Andrè Schuen, dem aus Südtirol stammenden Bariton, und dem in Weimar geborenen Pianisten Daniel Heide haben die Programmmacher zwei international renommierte Künstler engagiert, die auf den großen Festspielen und Konzertbühnen der Welt zu Hause sind. „Was für eine Stimme“, denkt man unwillkürlich, wenn Schuen – der auch optisch punkten kann – die ersten Takte des Liedes „Wenn mein Schatz Hochzeit macht“ von Gustav Mahler singt.

In den vier Liedern des Zykluses „Lieder eines fahrenden Gesellen“ vertonte Mahler seine Gedichte über die leidenschaftliche – allerdings nicht erwiderte – Liebe zu der Sopranistin Johanna Richter in Kassel. Es verwundert also nicht, dass diese Lieder von brennendem Liebesschmerz und unerfüllter Sehnsucht geprägt sind.

Schuen gelang es auf äußerst bemerkenswerte Art und Weise, die schmerzerfüllte Stimmung der Lieder wiederzugeben. Er tat das mit einer Stimme, die zwischen einem lyrischen Pianissimo und einem dramatischen Fortissimo alle Gefühle einer liebenden Seele mit scheinbar müheloser Selbstverständlichkeit hörbar und fühlbar machen konnte. Tragfähiges Volumen und Substanz in allen Lagen und in allen dynamischen Abstufungen, elegante, locker wirkende Oktavwechsel und – natürlich – eine vorbildliche Artikulation ließen die Konzertbesucher zuerst mit angehaltenem Atem zuhören und dann in Bravo-Rufe ausbrechen.

Gegenüber den schwermütigen Liedern von Mahler wirkten die ausgewählten Lieder von Franz Schubert, wie etwa das geheimnisvolle „Des Fischers Liebesglück“ oder das lebhafte „Der Musensohn“ nach einem Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe, fast schon heiter und ausgesprochen romantisch. Schuen sang Schuberts Lieder, darunter auch das romantische „An den Mond“ oder „Im Frühling“, zwar innig und gefühlvoll gestaltend, aber auch mit einer ungekünstelten, natürlichen Frische und berührte damit die Herzen und die Seelen der Zuhörer. Heide präsentierte sich auf dem Klavier sowohl als virtuoser, als auch hoch sensibler Begleiter. In den feinen gestalterischen Nuancen wie etwa einer kleinen Tempoverzögerung oder einem aparten Diminuendo konnte man hören, dass der Sänger und sein Pianist ein perfekt aufeinander abgestimmtes Team sind.

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