Hobbyforscher machen auf der B29-Baustelle reiche Beute

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Im Jahr 2017 begannen Winfried Schweizer und Michael Stegmaier auf der Baustelle der B 29 in Mögglingen mit der Suche nach urzei
Im Jahr 2017 begannen Winfried Schweizer und Michael Stegmaier auf der Baustelle der B 29 in Mögglingen mit der Suche nach urzeitlichen Spuren. Aber erst ab dem Sommer 2018 waren sie auf knapp einem Kilometer Länge richtig erfolgreich. (Foto: Fotos: Stegmaier (1), Vaas (2))
IPF- UND JAGST-ZEITUNG
Dieter Vaas

Die Mögglinger feiern an diesem Wochenende die offizielle Freigabe der Ortsumfahrung. Bei diesem Fest können Besucher in der Mackilohalle auch einen Blick auf das „Mögglinger Gold“ werfen. Das fanden die beiden heimischen Hobbyforscher Michael Stegmaier und Winfried Schweizer bei ihrer Arbeit auf der Großbaustelle.

Im Jahr 2017 begannen Schweizer und Stegmaier auf der Baustelle mit der Suche nach urzeitlichen Spuren. Aber erst ab dem Sommer 2018 waren sie richtig erfolgreich. Einen Querschnitt präsentierten sie bereits in einer Dauerausstellung im Rathaus. Weitere Vitrinen wurden nun für die B29-Feier vorbereitet. Zu sehen sind hier dann Pyrit, sogenanntes Katzengold, sowie fossile Funde aus dem unteren Jura (200 bis 180 Millionen Jahre vor unserer Zeit).

Große Sammlerkonkurrenz

Fast jeden Tag suchten Schweizer und Stegmaier vor Ort. Die Konkurrenz war groß: Sammler kamen nicht nur aus der Region. Vor allem an Wochenenden reisten Hobbygeologen aus dem gesamten süddeutschen Raum an. Und das hat einen guten Grund: Denn bis heute ist immer noch vieles im Schwarzen Jura zu finden. Der Bereich erstreckt sich zwischen der Sternhofbrücke und der Unterführung bei der Mackilohalle. Als nächste Schicht folgt der Braune Jura, der in Mögglingen weitgehend fossilienlos ist.

Die beiden 53-jährigen Freizeitforscher aus Mögglingen kennen sich schon seit der Grundschulzeit. Unabhängig voneinander begannen sie bereits als Kinder mit dem Sammeln von Fossilien. Erst als sie beide die 30 überschritten hatten, trafen sie sich zufällig bei den Ostalbgeologen in Aalen.

Von Mögglingen aus zogen sie fortan gemeinsam auf die Schwäbische Alb oder gar bis ins Fränkische, durchsuchten Steinbrüche oder Felder und „schleiften viel nach Hause“. „Ein richtiges Glücksgefühl kommt auf, wenn ein Fund im Acker liegt“, sagt Stegmaier, der sein Geld als Realschullehrer verdient.

Nach dem Sammeln beginne die eigentliche Arbeit: das Freilegen und Präparieren der Fundstücke. Dies erfolgt im Winter, wenn es draußen zu kalt ist und die Nächte lang sind. Anfangs arbeiteten beide mit Hammer und Meißel, bis sie auf Fachmessen besseres Werkzeug fanden. Als „Quantensprung“ habe sich ein Druckluftstichel erwiesen. Das Gerät zur Feinpräparation von Fossilien koste zwar stolze 700 Euro, verkürze die Arbeit aber unglaublich, sagen die beiden Männer.

Grammophon-Nadeln und Cola

Wenn es besonders fein werden soll, greifen die Sammler gar zu alten Grammophon-Nadeln, die Stegmaier wie einen Schatz hütet und regelmäßig mit Diamant-Schleifpapier nachschleift.

In zahlreichen Experimenten fanden die beiden zudem heraus, wie sie ihre Präparate optisch aufhübschen und zum Glänzen bringen können. Herkömmliche Cola erwies sich dabei als besonders taugliches Mittel. Den vollen Erfolg brachte Essigessenz. Es komme aber immer auf das Material an. Bei Ammoniten würden Tensidreiniger zum Beispiel den Ton anlösen, weiß Schweizer.

Die Bestimmung der Fossilien ist der letzte und schwierigste Teil. Dafür ist viel Routine und Fachliteratur erforderlich. Letztere ist schwer zu finden. „Das Beste wurde vor 1900 veröffentlicht“, unterstreicht Stegmaier. Er hat Material aus unzähligen europäischen Antiquariaten zusammengetragen. Ein teures Vergnügen: Für sehr seltene Fachbücher werden auch schon mal über 1000 Euro verlangt.

Ein wichtiger Helfer beim Bestimmen der Arten ist ein Buch des Tübinger Professors Friedrich August Quenstedt (1809 bis 1889) aus dem Jahr 1858. Er war Geologe, Paläontologe, Mineraloge und Professor in Tübingen. Bei der Suche nach besonderen Fundorten helfen indes die Bücher von Theodor Engel (1842 bis 1933). Der evangelische Theologe und Paläontologe veröffentlichte in seinem „Wegweiser durch Württemberg“ sämtliche Fossilienfundstellen, an denen er erfolgreich war. „Das Buch ist eine wahre Fundgrube“, sagen Winfried Schweizer und Michael Stegmaier.

Doch nicht immer waren sie anhand von Engels historischen Hinweisen auch erfolgreich. Als sie zum Beispiel in Waldstetten nach einem „Goldbächle“ suchen wollten, stellte sich heraus, dass das Fließgewässer inzwischen komplett in Röhren eingefasst und abgedeckt ist.

Ausstellung in Böbingen

Neben der Ausstellung zur Feier der B29-Freigabe bereiten Michael Stegmaier und Winfried Schweizer derzeit gemeinsam mit dem Naturkundeverein Schwäbisch Gmünd ein weiteres Projekt vor.

In Böbingen wollen sie am 18. Mai anlässlich der Nacht der Museen im Rahmen der Remstal-Gartenschau eine weitere Ausstellung eröffnen. Sieben Wochen lang sollen hier im Rathaus Teile einer fossilen Seelilienkolonie präsentiert werden, die in den 1980er Jahren in der Nähe des Römerkastells ausgegraben wurde. Mit rund 45 Quadratmetern handelt es sich bei dieser Kolonie um den bislang größten Fund seiner Art im Bereich der Schwäbischen Alb.

Die Versteinerungen wurden geborgen und sind heute im Museum Löwentor in Stuttgart gelagert. Sieben große Platten kommen für die Dauer der Ausstellung nach Böbingen zurück. Außerdem steuern die beiden Sammler eigene Funde bei. Denn davon haben sie mehr als ausreichend auf Lager.

Über die Geologie Mögglingens hält Michael Stegmaier zudem am 21. Mai einen Vortrag im alten Schulhaus seiner Heimatgemeinde.

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