„Helfen bringt Freude“: Wenn Kinder zum ersten Mal im Leben Urlaub machen

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Auf dem Gipfel: Viele Teilnehmer der Caritas-Kinderfreizeit haben zum ersten Mal eine Urlaubsreise erlebt.
Auf dem Gipfel: Viele Teilnehmer der Caritas-Kinderfreizeit haben zum ersten Mal eine Urlaubsreise erlebt. (Foto: Caritas Ost-Württemberg)

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Ferien erleben: das ist für viele Kinder nicht selbstverständlich. Auch nicht in Deutschland. Mit ihrem Programm zur Kindererholung ermöglicht die Caritas Ost-Württemberg Kindern aus sozial benachteiligten Familien eine unbeschwerte Ferienzeit. Für manche Kinder sind es sogar die ersten Ferien ihres Lebens.

Wenn die Kinder mit der Caritas Ost-Württemberg in die Ferien in die Wildschönau in Tirol fahren, dann kann es passieren, dass manche schon ganz unruhig werden und schauen, wann denn endlich das Meer kommt. Denn von ihrem Reiseland haben sie in der Regel nur eine ganz ungefähre Vorstellung. Ans Meer kommen sie während der drei Wochen zwar nicht. Dafür dürfen sie in den Bergen wandern, basteln, im Freibad schwimmen, spielen, Lieder singen und Lagerfeuerromantik erleben.

„Für viele der teilnehmenden Kinder ist es das erste Mal, dass sie Ferien machen dürfen“, erzählt der Diplom-Sozialpädagoge Pirmin Heusel, der bei der Caritas Ost-Württemberg unter anderem für Sozialberatung zuständig ist, aber auch das Kindererholungsprogramm mitbetreut. Das Programm gibt es in dieser Form seit dem Ende der 70er-Jahre und ist mit einer Kinderfreizeit vergleichbar, erläutert Heusel. Zwischen 2002 und 2019 fanden in den Sommerferien jeweils zwei dreiwöchige Freizeiten statt, an denen insgesamt rund 150 Kinder teilnahmen. Dieses Jahr war lediglich eine Freizeit möglich. Der Grund dafür war allerdings nicht die Corona-Pandemie: Personalknappheit hatte lediglich eine Aktion möglich gemacht.

An der Freizeit können Kinder ab sechs Jahre teilnehmen. Der Großteil stammt aus sozial benachteiligten Familien, weiß der Sozialpädagoge: benachteiligt in finanzieller Hinsicht, aber auch aufgrund ihrer Herkunft. 2019 erhielten über 100 Familien, deren Kinder an dem Programm teilnahmen, staatliche Hilfen wie Arbeitslosengeld II oder Wohngeld. 67 Kinder hatten einen Migrationshintergrund, 20 waren Heimkinder oder hatten eine sozialpädagogische Familienhilfe, 58 stammten aus Familien mit nur einem Elternteil. Der Migrantenanteil an dem Programm betrug rund 45 Prozent, erklärt Pirmin Heusel, die meisten Migrantenkinder kamen aus Syrien, dem Irak oder aus Tschetschenien.

Aus Heusels Erfahrung ist die Freizeit die „beste Integration“, denn gerade die Kleinen aus Migrantenfamilien finden in der Kindererholung schnelleren Zugang zu Sprache, Kultur und dem gegenseitigen Umgang. Hilfreich ist dabei, dass die Kinder in Kleingruppen zu sechs Kindern betreut werden; für jede dieser Gruppen ist eine Betreuungskraft vorgesehen.

Die meisten Eltern könnten sich eine solche Ferienfreizeit für ihren Nachwuchs niemals leisten, erzählt der Sozialpädagoge. Sie müssen aber in der Regel nichts bezahlen, wenn sie Arbeitslosengeld II bekommen und die Krankenkasse einen Zuschuss beisteuert. Denn die Ferienfreizeit hat durchaus gesundheitsfördernde Aspekte: Die Kleinen bekommen eine ausgewogene Ernährung, können sich bewegen und und haben angemessene Ruhepausen. Das ist wichtig, denn ein Teil der Kinder kennt von zuhause keine regelmäßigen Mahlzeiten oder gesundes Essen. Wenn nun die Krankenkasse den Zuschuss bezahlt, dann bewilligt das Sozialamt auf Antrag die Kindererholung.

Allerdings haben nicht alle Krankenkassen diesen Zuschuss in ihrem Leistungskatalog. Deswegen sind die Spendengelder aus der Aktion „Helfen bringt Freude“ so wichtig: Familien, deren Kasse nichts beisteuert, bekommen einen Teil der Kosten für die Ferien dann aus den Spendengeldern oder aus anderen Fonds. „Die Eltern müssen dann nur einen kleinen Obolus leisten“, erklärt Pirmin Heusel. Mitunter erhalten die Kinder aus den Spendengeldern auch feste Schuhe oder wetterfeste Kleidung, die sie auch noch nach den Freien anziehen können.

Die Flüchtlingsbetreuer berichten, dass viele Kinder nach den drei Wochen einen „unwahrscheinlichen Sprung gemacht“ hätten, erzählt der Sozialpädagoge. Es sei auch schon vorgekommen, dass heutige Betreuer in ihrer Kindheit an dem Programm teilgenommen haben. Vielleicht gehörten auch sie zu den Kindern, die zum erstenmal nach den Ferien von ihrem Urlaub erzählen konnten.

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