„Helfen bringt Freude“: Wasserkraft ist die große Chance für Nepal

Die Arbeiten für die Schule, die an das Ausbildungszentrum angeschlossen ist, sind in vollem Gange. (Foto: Zukunft für Nepal)
Redakteur Ellwangen

Trotz der enormen Schwierigkeiten aufgrund der Corona-Pandemie: Die Arbeit des Vereins „Zukunft für Nepal Ostwürttemberg“ ist aus Sicht der Vorsitzenden Petra Pachner im vergangenen Jahr sehr erfolgreich gewesen. Unter anderem sind in dem Ausbildungszentrum, das mit Unterstützung des Vereins in Jiwanpur aufgebaut wird, 15 Jugendliche als Schweißer ausgebildet worden. Drei von ihnen haben bereits eine feste Anstellung, einige weitere arbeiten beim Aufbau des Zentrums mit.

Kurz vor Jahresende 2020 hat Petra Pachner mit ihren Kontaktpersonen in Nepal Bilanz gezogen. Nachdem im Jahr 2019 jeweils eine Halle für Metall- und eine für Holzverarbeitung, beide mit jeweils 1400 Quadratmetern Grundfläche, im Ausbildungszentrum Jiwanpur errichtet wurden, ist 2020 die dazu gehörige Schule mit 17 Klassenzimmern fast fertiggestellt worden.

Dazu kommen ein Wohnhaus für die Jugendlichen, die dort eine Ausbildung absolvieren, ein Toilettengebäude und ein Generatorenhaus. Darüber hinaus wurde ein Areal mit einer Fläche von etwa 1,19 Hektar Fläche angeschafft, das es erlaubt, an Ort und Stelle Möbel zu produzieren. Zum Vergleich: Ein Standard-Fußballfeld umfasst lediglich 0,71 Hektar Fläche. Um das Gelände nutzen zu können, mussten Stufen in den Fels gesprengt werden. „Denn es gibt so gut wie keine Plateaus in Nepal“, erläutert die Vereinsvorsitzende Petra Pachner.

Mehrere Menschen beobachten die Arbeit eines Baggers
In dem gebirgigen Land Nepal ist es sehr schwierig, zusammenhängende Flächen für Bauprojekte zu finden. Deswegen müssen oft Gebirgshänge abgetragen werden. (Foto: Zukunft für Nepal)

Jiwanpur ist ein Teil der Stadt Dhunibesi, die in der Nähe der Hauptstadt Kathmandu im Zentrum des asiatischen Binnenstaates liegt. Durch den Bau des Ausbildungszentrums hat sich auch in der Umgebung der Bildungsstätte Einiges getan. Denn in Zusammenarbeit mit der Nichtregierungsorganisation „Viva con Agua“ ist es gelungen, der Wasserknappheit in der Region zumindest die Spitze zu nehmen.

Nach dem schweren Erdbeben im Jahr 2015 versiegten viele Quellen. Daraufhin wurde in der Nähe des Bildungszentrums eine Tiefbohrung vorgenommen. Als man auf Wasser stieß, wurde es mit Spezialpumpen an die Oberfläche geholt. Darüber hinaus wurden Wasserleitungen verlegt, so dass jetzt etwa 240 Haushalte mit Wasser versorgt werden können.

Das führte dazu, so Petra Pachner, dass sich in der Umgebung der Schule mehr und mehjr Menschen ansiedelten: „Rund um das Ausbildungszentrum haben sich bereits einige kleine Dörfer gebildet.“ Und die Jugendlichen, die in der Schule eine Ausbildung erhalten, haben eine Chance, eine reell bezahlte Arbeit zu finden, ohne dass sie sich im Ausland als Gastarbeiter verdingen müssen.

Gerade im Thema Wasser, liegt eine weitere Zukunftschance für das Land. Genauer gesagt, in der Wasserkraft. Welches Potenzial darin für Nepal liegt, zeigt sich daran, dass die Quellflüsse des Ganges, des größten Flusses Indiens, im Himalaya entspringen. Laut Petra Pachner ist es gelungen, in einer Kooperation mit dem Innovationszentrum Kathmandu fünf Ingenieure für das Ausbildungszentrum zu gewinnen. Sie sollen Jugendliche zu Wasserkraft-Servicetechnikern ausbilden.

Darüber hinaus wurde Ausstattung angeschafft, die den Jugendlichen eine praxisnahe Ausbildung erlaubt: Voith Hydro aus Herbrechtingen stellt Schulungsturbinen zur Verfügung und in Spanien wurde ein Wasserkraftsimulator erworben.

Bagger
In dem gebirgigen Land Nepal ist es sehr schwierig, zusammenhängende Flächen für Bauprojekte zu finden. Deswegen müssen oft Gebirgshänge abgetragen werden. (Foto: Zukunft für Nepal)

Die so ausgebildeten Jugendlichen werden gefragte Fachkräfte sein. Davon ist die Vorsitzende des Vereins „Zukunft für Nepal“ überzeugt. Darüber hinaus seien bereits beim Bau des Ausbildungszentrums viele Bauarbeiter beschäftigt worden, so dass das Projekt bereits jetzt vielen Menschen ein Einkommen ermöglicht habe. All das werde in enger Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort und der Regierung geleistet.

Diese Kooperation soll nicht zuletzt sicherstellen, dass das Projekt nachhaltig bleibt und auch mit Leben gefüllt wird. Bedauerlicherweise gebe es viele Beispiele für Projekte, bei denen teure Anlagen aufgebaut wurden, die inzwischen nicht mehr genutzt werden. „Die wirkliche Leistung ist die Nachhaltigkeit, dass ein Projekt auch langfristig betrieben wird“, erläutert Petra Pachner.

Die Vorsitzende des Vereins dankt deshalb den vielen Spenderinnen und Spendern sowie den Stiftungspartnern vor Ort, mit deren Hilfe dieses „Leuchtturmprojekt“ entstehen konnte, dem Staatssekretär beim Bundesministerium für Entwicklungshilfe, Norbert Barthle (CDU), sowie der deutschen Botschaft in Kathmandu. Nur mit Hilfe dieses Netzwerks sei es möglich gewesen, ein solches Projekt auf „gute Füße“ zu stellen.

Petra Pachner mit ein paar Studierenden
Petra Pachner (Zweite von rechts) führt gelegentlich Studierende nach Nepal, um ihnen die Probleme des Landes zu vermitteln. Rechts Professor Peter Warndorf von der dualen Hochschule in Heidenheim. (Foto: Zukunft für Nepal)

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