Hebammen hält es nicht lang im Beruf

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Elke Schönherr, die Kreisvorsitzende des Hebammenverbandes Ostalb / Heidenheim, weist auf die wachsenden Schwierigkeiten bei de
Elke Schönherr, die Kreisvorsitzende des Hebammenverbandes Ostalb / Heidenheim, weist auf die wachsenden Schwierigkeiten bei de (Foto: Vetter)

Während der Schwangerschaft, Entbindung und in der Zeit danach eine Hebamme an seiner Seite zu haben, gibt jungen Müttern Sicherheit. Doch immer mehr Frauen finden keine Hebamme mehr, warnt Elke Schönherr, die Kreisvorsitzende des Hebammenverbandes Ostalb / Heidenheim. Alles sei in Schieflage geraten.

„Gerade die aufsuchende Hilfe in den ersten Wochen nach der Geburt ist es, mit der Frauen Ruhe und Sicherheit finden – und eine sichere Mutter ist ein stabiles Kind“, erklärt Elke Schönherr im Gespräch mit den Aalener Nachrichten. Ein Hebammenzentrum, in das die Frauen mit dem Baby kommen müssten, könne das so in den ersten Wochen nach der Geburt nicht leisten, ist sie überzeugt.

„Uns geht es um die Versorgung der Familien und darum, dass diese in der Zeit der Umstellung eine professionelle Begleitung haben.“ Das Ziel sei die Gesundheit der Familien und ein guter Start ins Leben. Doch es scheint, als sei die Versorgung der Familien mit Hebammenhilfe bald nicht mehr als eine nostalgische Erinnerung, denn Schönherr weiß: „Die Zahl der Hebammen geht immer weiter zurück. Zwar gibt es noch genug Frauen, die den Beruf erlernen wollen. Aber die Verweildauer im Beruf ist extrem kurz.“

Das habe ganz klare Gründe: Veränderungen im Gesundheitswesen, starke Verlagerung auf den ambulanten Bereich nach der Geburt sowie schlechte Bezahlung bei stetig steigenden Kosten für Sozial- und Haftpflichtversicherung freier Hebammen. „Dabei ist der Bedarf an Hebammenhilfe in den vergangenen Jahren mehr und mehr gestiegen.“

Kein Wunder also, dass gerade im ländlichen Bereich viele Schwangere trotz frühzeitiger Suche keine Hebamme finden, die sie während der Schwangerschaft oder im Wochenbett und der Stillzeit betreuen kann. Alles sei in eine Schieflage geraten. Von den Frauen und Familien würden die Hebammen geschätzt. Was fehle, sei die politische Wertschätzung ihrer Arbeit, bemängelt Schönherr.

„Im Grunde muss eine komplette Reform her – mit angemessener Bezahlung, Wertschätzung und der Übernahme der Hebammenleistung durch die Gesellschaft.“ Schließlich bedeute eine kompetente Hebammenbegleitung vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit die Stärkung des gesundheitlichen Wohlergehens von Mutter und Kind. „Und damit leisten wir Hebammen einen gesellschaftlich relevanten Beitrag zur Frauen- und Familiengesundheit.“

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