Handwerker warten auf den Breitbandausbau

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Vor allem im ländlichen Bereich warten Betriebe dringend auf den Breitbandausbau – der lässt aber mancherorts auf sich warten.
Vor allem im ländlichen Bereich warten Betriebe dringend auf den Breitbandausbau – der lässt aber mancherorts auf sich warten. (Foto: Carsten Rehder)
Schwäbische Zeitung
Redakteurin/DigitAalen

Wenn sich eine Homepage nicht in Sekundenschnelle aufbaut, ist das für Privatnutzer nervenaufreibend. Für Betriebe ist es mehr als das: Gutes Internet bedeutet gute Vernetzung mit anderen und wird immer wichtiger. Das Land und die Kommunen kümmern sich um den Breitbandausbau – auf den mancher Gewerbetreibende sehnsüchtig wartet. Vor allem im ländlichen Bereich sind die Verbindungen noch nicht optimal.

„Wir würden den Breitbandanschluss dringend benötigen“, sagt Harald Riek, der eine Zimmerei in Adelmannsfelden hat. Allerdings ist der Ausbau im Teilort Haid erst im Jahr 2022 vorgesehen – viel zu spät für den Holzbaubetrieb, der täglich größere Planunterlagen oder Bilddateien verschicken muss. „Wir mussten selber nach besseren Möglichkeiten schauen, weil hier im ländlichen Raum das Internet über die Telefonleitung quasi noch in der Steinzeit festsitzt“, sagt Riek. Er ist mit seinem Unternehmen auf Funk umgestiegen. „Das ist machbar, aber wir kommen an unsere Grenzen. Wir erkennen immer mehr einen Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Holzbauunternehmen.“

Gesetzgeber macht Vorgaben, stellt aber kein Netz dafür

Widersprüchlich sei vor allem, dass vom Gesetzgeber gefordert werde, dass die Lohnsteuer oder die Kommunikation mit der Berufsgenossenschaft online abgehandelt wird, aber das entsprechende Internetvolumen nicht zur Verfügung gestellt werde. Und um das Thema Funk stehe es nicht viel besser: „Das uns zur Verfügung stehende Datenvolumen ist nicht vergleichbar mit dem in einer größeren Gemeinde oder Stadt.“

Blick in die Zukunft: Betriebe arbeiten mit Clouds

Die Zimmerei Kruger in Abtsgmünd-Ölmühle wartet ebenfalls auf den Breitbandausbau, spätestens im November 2018 will die Telekom hier das neue Netz bereitstellen. „Das ist für unsere Firma von höchster Wichtigkeit“, sagt Bauingenieur Martin Kruger. Aktuell verwende er Satelliteninternet mit einer 25 000-er Leitung. „Das ist an für sich in Ordnung, aber wenn man in die Zukunft blickt, kann man das nur noch mit Breitband bewerkstelligen.“

In Zeiten von Building Information Modeling (BIM) – „der Industrie 4.0 des Bauwesens“ – sei die Übermittlung von großen Datenmengen eine Grundvoraussetzung, um einen modernen Betrieb führen zu können. Das vernetzte Arbeiten nehme zu: „Zum Beispiel gibt es Clouds mit Zeichnungen eines Projekts, auf die alle beteiligten Firmen Zugriff haben und die jeder parallel bearbeiten kann.“ Die Vorstufe von BIM sei mit 3D-Zeichnungen bereits erreicht.

Unzufrieden mit dem Internet ist auch Gerhard Stegmaier, der in Forst eine Zimmerei betreibt. „Das Internet ist schlecht, wir brauchen dringend Breitband.“ Für Forst sei der Ausbau bis spätestens September 2018 angekündigt, er warte aber erst einmal ab, bevor er den Tag vor dem Abend lobe. „Das wurde schon öfter gesagt.“

Robert Scherer, der im Gewerbegebiet Bolzensteige in Hüttlingen eine Autowerkstatt betreibt, nutzt mittlerweile einen Breitbandanschluss der Netcom BW. Er habe damit gute Erfahrungen gemacht, sagt Scherer. Allerdings werde „das Monopol preislich recht gut ausgenutzt“. Der Tarif sei teuer und der Hausanschluss sei damals auch auf eigene Kosten gegangen. „In absehbarer Zeit wird es keine Konkurrenzsituation geben. Damit bleibt der Preis oben – leider.“ Das sei auch in neuen Gebieten zu erwarten, wenn nur ein Anbieter den Ausbau durchführe. Um auch zuverlässig über Telefon und Fax erreichbar zu sein, habe er auch seinen ISDN-Anschluss von der Telekom behalten – falls das Internet einmal ausfallen sollte. „Die Zuverlässigkeit steht da im Vordergrund.“

Anders entschieden hat Wolfgang Ribnitzky, der eine Kunstschmiede in Essingen betreibt. Er hat vor zwei bis drei Jahren seinen ISDN-Telefonanschluss aufgegeben und telefoniert über das Internet. „Ich habe einen Breitbandanschluss der Telekom und habe bei jedem zweiten bis vierten Telefongespräch Aussetzer.“ Wenn er den Hörer abnimmt, hört er oftmals nur das Piepsen des Telefons oder sein Gegenüber hört ihn nicht. „Ich hoffe, dass es besser wird.“

Nutzer von Breitband-Internet sind zufrieden

Wo das Breitband schon angekommen ist, sind die Nutzer meist zufrieden mit dem Internet. „Unser Bedarf ist gedeckt mit DSL 50 000“, teilt eine Schlosserei in Durlangen mit. Eine Schlosserei in Essingen ist gerade dabei, den Breitbandausbau zu installieren, während ein anderer Bauunternehmen in Essingen schon zufrieden ist: „Nur empfehlenswert – einfach schnell“, wird das neue Internet gelobt. Auch ein Autohaus in Aalen-Essingen lobt die Internetversorgung: „Wir sind gut versorgt, bei uns besteht kein weiterer Bedarf.“

Info: Schnelles Internet in den Aalener Teilorten

2018 stehen in den Aalener Teilorten mehrere Ausbauprojekte an: Mitte Februar wurde mit dem Breitbandausbau in Reichenbach und Bernhardsdorf begonnen. Hier soll eine Breitbandtrasse von Reichenbach über Bernhardsdorf und Laubach nach Leinweiler eingerichtet werden. Anbieter ist die Ellwanger Netcom BW, die eine flächendeckende Breitbandversorgung mit 50 MBit/s anbietet. Vorbereitend für einen späteren FTTB-Ausbau in Reichenbach und Bernhardsdorf (FTTB = Fiber to the Building, also Glasfaser bis in jedes Gebäude) verlegt die Stadt Aalen Leerrohrinfrastruktur im Graben des überörtlichen Netzes mit.

In Rauental, Vogelsang und Schwalbenhof starten die Baumaßnahmen für den FTTB-Ausbau voraussichtlich Ende April/Anfang Mai. Geplant ist ein Glasfaserausbau auch in Arlesberg, Bernlohe, Beuren und Niesitz und soll zu einem großen Teil dieses Jahr durchgeführt werden.

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