Höhepunkte einer Hochkultur

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Einen Bogen über 3500 Jahre zeigt die Ausstellung „Kunst der Alten Amerika“ des Kunstvereins Aalen im Alten Rathaus.
Einen Bogen über 3500 Jahre zeigt die Ausstellung „Kunst der Alten Amerika“ des Kunstvereins Aalen im Alten Rathaus. (Foto: Markus Lehmann)
Markus Lehmann

Öffnungszeiten bis 5. August: Dienstag bis Sonntag 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr. Infos: www.kunstverein-aalen.de

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Keramische Bilderbücher, archaische Artefakte, Botschaften einer untergegangenen Hochkultur. Jeder dieser Begirffe passt auf die Ausstellung „Kunst des alten Amerika“ des Kunstvereins Aalen. Sie spannt einen Bogen über 3500 Jahre – eine faszinierende Hommage an das „alte“ Amerika, also an Mittel- und Südamerika. Fruchtbares Land auch für Spiritualität, Kunstsinn, Schöpfergabe. Das zeigt diese Schau mit ihren 300 Exponaten. Die Ausstellung zeigt auch, dass es mehr gab als präkolumbianische Epoche oder die Kunst der Maya und Inka.

Dämonen und Rituale

Bei dieser Fülle fällt es schwer, Akzente zu setzen. Welches Exponat in den Vordergrund rücken? Den Regengott Tlaloc (Zapotekisch), die westmexikanische „Pretty Lady“ aus dem dritten Jahrhundert, die olmekische Büste aus dem fünften vorchristlichen Jahrhundert, die Venus von Valdivia (2000 v. Chr.) oder die urtümlichen Steigbügel-Gefäße? Die letzteren sind prägend für diese Ausstellung und sind „das“ Merkmal der Moche-Kultur in Peru: Götter, Dämonen, Rituale, Hermaphroditen, Priesterinnen oder ein Doppelgefäß mit Seehund sind nur einige der Höhepunkte. Apropos: Auch Phallus-Darstellungen und erotische Szenen finden sich in nicht geringer Zahl.

Herausheben kann man vieles. Etwa den Portraitkopf, ebenfalls aus der Moche-Periode, geschaffen etwa im Jahr 600. Mit eigentümlichem Blick schaut er aus der Glasvitrine, der Erschaffer muss ein kunsthandwerkliches Genie gewesen sein. Zu welchem Zweck diese Figuren dienten, ist nicht geklärt. Klar ist, dass sie auch ein „Draht“ zu den Göttern waren. Dürre bedeutete Tod. Also durfte sich der Regengott ganz oben in der Gunst der Verehrung wähnen. Quasi als lebensspendender Allvater.

Für Artur Elmer vom Kunstverein Aalen wird diese Kunst aus der Zeit zwischen 2500 vor bis 1500 nach Christus in ihrer Vielfalt und Qualität von anderen Kulturen dieser Erde nicht übertroffen. In seiner Eröffnungsrede legt er Wert darauf, den Titel nicht falsch zu verstehen: Es handle sich um die Kultur Mittel- und Südamerikas. Die aus Nordamerika kann er sich aber auch ganz gut in einer künftigen Ausstellung vorstellen.

Was im Alten Rathaus eine Brücke schlägt zwischen Vergangenheit und Gegenwart, das sind die herausragenden Keramikarbeiten von Kenji Fuchiwaki, der im Schloss Ludwigsburg arbeitet. Eines dieser wunderbaren Beispiele ist etwa die japanische Teezeremonie.

Als der Kunstverein vor 35 Jahren gegründet wurde, war eine der wichtigsten Säulen, Kunst und Kultur aus allen Teilen der Welt zu zeigen, einen Dialog zwischen den Kulturen einzuleiten. Für Elmer ist das wichtiger denn je bei einem Thema, das bei der Vereinsgründung eben kaum eines war: Migration und Flucht. In diesem Zusammenhang erwähnt er auch, welche Barbareien an Kunstschätzen durch fanatische „Strolche“ etwa im Irak angerichtet wurden, „im Namen Gottes“. Dass dennoch Artefakte überlebten, grenze „an ein Wunder“. Kunst auszulöschen, „ist ihnen nicht gelungen und wird ihnen auch nicht gelingen.“ Dass dies Fanatiker egal welchen religiösen Couleurs zum Glück nicht vollständig schaffen, zeigt auch diese Ausstellung.

Öffnungszeiten bis 5. August: Dienstag bis Sonntag 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr. Infos: www.kunstverein-aalen.de

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