Häusliche Gewalt: 1974 betroffene Kinder im Ostalbkreis

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Im Ostalbkreis wurden von 2001 bis 2017 Personen in der Beratungsstelle begleitet. 1974 Kinder waren betroffen.
Im Ostalbkreis wurden von 2001 bis 2017 Personen in der Beratungsstelle begleitet. 1974 Kinder waren betroffen. (Foto: Patrick Pleul, dpa)
Aalener Nachrichten

Seit 17 Jahren finanziert der Ostalbkreis eine Stelle zur Beratung bei häuslicher Gewalt und Platzverweis bei der Landkreisverwaltung. Beraterin Ingrid Schröder berichtete kürzlich den Kreisräten im Ausschuss für Soziales und Gesundheit über ihre Arbeit.

„Familien oder Paare, die von Gewalt betroffen sind, finden in der heutigen Zeit mehr Möglichkeiten zur Verhinderung von Gewalt. Dies bringt auch zum Ausdruck, dass Gewalt schon lange nicht mehr eine Privatangelegenheit ist, sondern politisch wie auch gesellschaftlich keine Toleranz mehr findet“, sagte Schröder. „Auch die Statistik des Ostalbkreises zeigt, dass häusliche Gewalt weiterhin real existent ist und es sowohl bei der Polizei wie auch in der Opferberatung weiterhin Handlungsbedarf gibt.“

1974 betroffene Kinder im Kreis

Im Zeitraum von 2001 bis 2017 wurden 2059 Personen in der Beratungsstelle begleitet. 1974 Kinder waren dabei betroffen. Zu begrüßen sei, so Schröder, dass der Zugang zur Beratungsstelle aktiver von den Betroffenen komme. Die Hemmschwelle, sich zu „outen“, sei dank des gesellschaftlichen Tabubruches deutlich gesunken. Zudem werde deutlich häufiger der Zugang über die Webseite des Ostalbkreises genutzt, sodass auch die Online-Beratung mehr an Bedeutung gewinne. Diese E-Mails würden vor allem in der Nacht geschrieben, wo Ängste und Sorgen noch mehr Raum einnähmen.

Die Beratungsarbeit bei einem ausgesprochenen Wohnungsverweis durch die Polizei ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Von der Polizei wird dies damit begründet, dass man im Vorfeld schon auf die Beratungsstelle verweisen würde und sich dadurch Wohnungsverweise erst gar nicht ergäben. Ein anderer Grund sei, dass die Betroffenen trotz Information durch die Polizeibeamten keinen Kontakt zur Beratungsstelle aufnehmen würden.

Gesellschaftliche Veränderungen stellen auch die Beratungsstelle vor neue Herausforderungen. So ist eine bis jetzt nicht zufriedenstellend gelöste Aufgabe die Unterbringung und Versorgung von Senioren, da der demografische Wandel auch in Gewaltbeziehungen nicht Halt macht. Das „Seniorenpolitische Gesamtkonzept“ des Ostalbkreises bietet hier erstmals die Möglichkeit, auch diese Form von Gewalt im Alter zu einer sozialen Frage zu machen. „Zudem gibt es noch keine gute Lösung bezüglich eines Täters, wenn durch psychische Erkrankung Gewalt in der Beziehung ausgelöst wird“, erläuterte Schröder. Es gebe noch viele Herausforderungen, die darauf warten, gelöst zu werden.

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