Gutgekleidete Songs übers Nacktsein

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Harald Martenstein und Georg Clementi sangen und lasen im fast familiären Rahmen in der Stadthalle.
Harald Martenstein und Georg Clementi sangen und lasen im fast familiären Rahmen in der Stadthalle. (Foto: Markus Lehmann)
Freier Mitarbeiter

Um den Zorn, die Nöte der Männer in Zeiten der politischen Korrektheit, um die Lust der Deutschen am Nacktsein und vieles mehr ist es in den „Zeitkolumnen und Zeitliedern“ mit Harald Martenstein und Georg Clementi in der Reihe „wortgewaltig“ gegangen. Die Besucher blieben angezogen, lauschten den Glossen und Chansons aber im fast intimen Rahmen. Allzu viele waren nicht gekommen in die Stadthalle.

Spontan war das literarisch-musikalische Doppel mitsamt den Gästen gleich auf die Bühne verlegt worden. Aber eigentlich war es ein Quartett, das zusammen mit Akkordeon und Akustikgitarre für Chansons der mal leiseren, mal der temperamentvollen Art sorgte. Martenstein ist Kolumnist der „Zeit“ und mag Musik, Clement ist Musiker und mag die Kolumnen von Martenstein. Warum also nicht die beiden Nenner verbinden. Drei CDs mit „Zeitliedern“ sind entstanden mit Titeln wie „Sie haben Schwein gehabt“ oder „Mir ist alles egal.“ In der Stadthalle gibt’s das live. Den Frust, die Freude, den scheinbar immer wiederkehrenden Lebensmittelskandal, die Lust an der Fleischesfreude. Es geht auch um die Lust der Deutschen, Fleisch zu zeigen: Nacktwanderwege, Nacktcampingplätze, Nacktlesungen. Martenstein wäre fast mal bei einem FKK-Club in Niedersachsen am Baggersee im Adamskostüm aufgetreten. Fast. Der Vereinsvorstand besann sich und der „Zeit“-Kolumnist las bekleidet.

Martensteins Anekdoten sind skurril, manchmal schräg und mit eher subtilem Humor. Martenstein liest mehrere „Zeit“-Kolumnen vor. Und die treffen bei dem herausragenden Sänger Clementi auf einen ausgesprochen guten Nährboden. Trotz der überschaubaren Besucherbezahl scheint’s den beiden ganz gut in Aalen gefallen zu haben: „ Aber kälter als in Berlin.“ Seine Frau, die aus Stuttgart stammt, so hört man, habe ihn vorgewarnt – Aalen liege in „Schwäbisch-Sibirien.“ Und Sibirien sei ja auch nicht so schlecht: „Tolle Natur.“

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