Großbrand in Aalen: Historisches Bahngebäude wird ein Raub der Flammen

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Schwäbische Zeitung
Redakteurin Virngrund

Großbrand auf dem Aalener Baustahlgelände: Das alte Verwaltungsgebäude auf dem Stadtoval in Aalen ist am Mittwochabend in Flammen aufgegangen. Das leerstehende Gebäude mit 2000 Quadratmeter Grundfläche brannte fast vollständig ab. Der Schaden geht in die Millionenhöhe.

Gegen 19.16 Uhr ging über die Notrufzentrale der Polizei der erste Alarm ein. Aufgrund vieler weiterer Notrufe war schnell klar, dass es sich um einen Großbrand handeln musste. Das Feuer war in der ganzen Stadt weithin sichtbar; Rauchschwaden zogen durch die Aalener City, Ascheregen rieselte nieder. Alle Abteilungen der Feuerwehr Aalen und Rettungskräfte rückten aus – dennoch mussten nach und nach weitere Feuerwehren alarmiert werden: 128 Mann der Aalener Feuerwehr und aller ihrer Abteilungen aus Wasseralfingen und Hofen, aus Unterkochen und dem Welland (mit Dewangen und Fachsenfeld), wie auch vom Härtsfeld (Ebnat-Waldhausen) waren schließlich über Stunden unter Leitung des Aalener Kommandanten im Einsatz. Unterstützt wurden sie durch die Ellwanger Wehr, die mit einer zusätzlichen Drehleiter angerückt war. Insgesamt wurde über drei Drehleitern gelöscht.

Hochexplosive Gasflaschen

Der Löscheinsatz war für die Feuerwehr nicht ungefährlich: In dem alten, verwaisten Verwaltungsgebäude lagerten offenbar noch einige hochexplosive Gasflaschen, die entfernt werden mussten. Trotz aller Bemühungen konnte das historische Gebäude nicht gerettet werden: Noch während des Einsatzes fiel es in Teilen in sich zusammen. Die Dachkonstruktion eines Seitenflügels gab nach. Der Brand im historischen ehemaligen Bahnverwaltungsgebäude brach wohl im südlichen Teil aus, fraß sich schnell in Richtung Dach und zog durch den kompletten Gebäudeflügel in Richtung Norden. Das massive Gebäude, für das bei der Stadt einige Planungen für die zukünftige Verwendung vorlagen, wird seit einiger Zeit entkernt. Auch im Laufe des Mittwochs fanden dort an verschiedenen Stellen wohl Arbeiten statt. Als das Feuer durchs Dach schlug, sorgte der Ostwind für zusätzlichen Funkenflug in Richtung Bahnhof und Bahnhofstraße. Die Feuerwehr überprüfte sofort mögliche Gefahren für Gebäude in Windrichtung und fand im Bereich des Festsaals an der Ecke Bahnhofstraße/Düsseldorfer Straße dann auch einige Glutnester. Früh entdeckt, waren diese schnell zu bekämpfen, dennoch wurde vorsorglich der interne Betrieb im Gebäude abgebrochen und die anwesenden Personen nach draußen gebeten.

Feuerwehr kämpft verbissen

Gegen 21.40 Uhr war das riesige schwer beschädigte Dach schwarz, das Feuer aber noch nicht unter Kontrolle. Die Feuerwehr kämpfte verbissen um die Rettung des an der Nordseite angebauten Querflügels - alles unter den Augen der kompletten Stadtspitze, Oberbürgermeister Thilo Rentschler, Erste Bürgermeisterin Jutta Heim-Wenzler und Ordnungsbürgermeister Wolf-Dietrich Fehrenbacher machten sich ein Bild vor Ort.

Züge werden umrangiert

Als das Feuer durchs Dach schlug, wurde durch den Notfallmanager der Bahn das Umrangieren eines Zuges veranlasst, der im unmittelbaren Funkenbereich abgestellt war. Vier Regelzüge erlitten in dieser Phase Verspätungen von jeweils rund 15 Minuten.

Auch die Polizei hatte am Abend alle Hände voll zu tun. Sie war mit rund 25 Beamten am und rund um den Brandort eingesetzt. Das Gelände rund um das Stadtoval wurde von den Beamten weiträumig abgeriegelt. Düsseldorfer Straße und Hirschbachstraße waren am Abend für den Verkehr komplett gesperrt. So manchen Schaulustigen schreckte das trotzdem nicht ab. Bewaffnet mit Handykameras, versuchten immer wieder Menschen, sich der Brandstelle zu nähern; die Polizei musste durchgreifen und Platzverweise erteilen, denn die Schaulustigen behinderten immer wieder Rettungswege.

Vorsorglich wurden verschiedene Teams der Rettungskräfte an die Brandstelle beordert. Die Malteser schickten ihre Schnelleinsatzgruppe-Erstversorgung mit 19 Mann, das Rote Kreuz war mit einem leitenden Notarzt und dem Organisationsleiterteam sowie einer Rettungswagenbesatzung im Einsatz. Keiner der Rettungskräfte musste dann tatsächlich eingreifen, niemand wurde verletzt.

Zur möglichen Brandursache und auch zur Höhe des entstandenen Schadens wurden am Mittwochabend von der Einsatzleitung noch keinerlei Angaben gemacht.

Auf dem Stadtoval laufen seit Februar dieses Jahres Abräumarbeiten. Auf dem Gelände soll ein neues, modernes Stadtquartier entstehen. Das ehemalige Verwaltungsgebäude des Reichsbahnausbesserungswerks sollte allerdings erhalten bleiben und zum Kulturzentrum umgemodelt werden.

Das Feuer auf dem Stadtoval ist der zweite Großbrand in Aalen innerhalb kurzer Zeit. Bereits in der Nacht zum Mittwoch hatte es in der Beinstraße ein Feuer gegeben. Hier war ein leerstehendes Haus in Flammen aufgegangen.

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