Grüne: Knochengerüst ohne Fleisch

Lesedauer: 5 Min
 Aalen soll künftig ein klassifiziertes Radverkehrsnetz haben. An dem vorliegenden Plan dafür gab es im zuständigen Gemeinderats
Aalen soll künftig ein klassifiziertes Radverkehrsnetz haben. An dem vorliegenden Plan dafür gab es im zuständigen Gemeinderatsausschuss aber auch Kritik. (Foto: Arvchiv: Daniel Bockwoldt/dpa)

Aalen soll ein klassifiziertes Radverkehrsnetz erhalten. Das Ergebnis der umfangreichen Vorarbeiten dafür liegt jetzt zur abschließenden Beratung auf dem Tisch. In Jubelgesänge darüber ausgebrochen ist allerdings im Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung des Gemeinderats niemand so recht. Es bleibe noch einiges zu tun, lautete eine Gesamteinschätzung sinngemäß. Und vor allem die Grünen kritisierten, das, was da jetzt vorliege, sei ein „reines Knochengerüst ohne Fleisch daran“.

Rückblick: Ende 2017 hatte der Gemeinderat beim Darmstädter Planungsbüro VAR+ die Erarbeitung eines klassifizierten Radverkehrsnetzes für Aalen in Auftrag gegeben. Es folgten umfangreiche Bestandsprüfungen, Analysen, eine Bürgerbeteiligung mir Fragebogen und Online-Portal und schließlich konzeptionelle Zielsetzungen: Radverkehrsverbindungen zwischen allen Stadtteilen und den Nachbarkommunen, eine Einbindung in das Radnetz Baden-Württemberg, den Ausbau der Schnittstellen von Rad und ÖPNV samt Mobilitätsstationen und Abstellanlagen – all dies soll das Aalener Radverkehrsnetz leisten.

Schnellstrecken, Pendlerrouten und ein Basisnetz

Herausgekommen ist am Ende ein Netz mit 401 Kilometern Gesamtlänge. Dazu gehören auf Aalener Gemarkung 25 Kilometer Anteil an Schnellverbindungen nach Ellwangen, Westhausen, Schwäbisch Gmünd und Heidenheim, 33 Kilometer Anteil am Radnetz Baden-Württemberg, 57 Kilometer Pendlerrouten, 14 Kilometer sogenannte Basisrouten und 162 Kilometer als Verdichtungsnetz. Außerdem gibt es Vorschläge für die Standorte von Fahrradvermietungsstationen und Fahrradabstellanlagen sowie für Schnittstellen zwischen Rad, Bahn und Bus.

Eines machen Stadt und Planer aber auch deutlich: Das jetzt definierte Radverkehrsnetz sei kein starres Netz, es sei vielmehr laufend fortzuschreiben. Oder wie es Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle in der Ausschusssitzung sagte: Es gelte, mit viel Rückenwind auf dieser Basis weiterzumachen.

Thomas Wagenblast (CDU) machte vor allem zwei Punkte aus, an denen es weiterzuarbeiten gelte: Zum einen müsse der Ring um die Aalener Altstadt für Radfahrer noch sicherer werden, auch durch gezielte Kontrollen des dort geltenden Tempos 20 bei Autofahrern, zum andern bleibe die Stuttgarter Straße als Nadelöhr und insgesamt ungelöste Aufgabe eine große Herausforderung.

„Qualität ist noch nicht zu erkennen“

Weitaus kritischer ging Michael Fleischer (Grüne) mit dem vorliegenden Netzplan ins Gericht: Es sei ein reines Knochengerüst, das noch überhaupt kein Fleisch habe. Schutzstreifen entlang von Straßen als Teile eines klassifizierten Radverkersnetzes zu sehen, entspreche zudem nicht den Anforderungen, welche die Grünen an einen sicheren Radverkehr stellten. Fleischer sah auch Unterschiede in der „Diskussionstiefe“ zwischen den Ortschaftsräten und dem Gemeinderat. Der solle ein Gesamtkonzept durchwinken, ohne bislang die vielen noch offenen Baustellen in der Kernstadt je diskutiert zu haben, während sich die Ortschaftsräte intensiv mit der Situation in den jeweiligen Stadtbezirken hätten beschäftigen können. Die Grünen jedenfalls könnten das Radwegenetz noch nicht hinreichend in seiner Qualität erkennen. Weshalb sie sich beim endgültigen Beschluss im Gemeinderat der Stimme enthalten würden, wie Fleischer ankündigte.

Für die SPD befand es Claudia Seiler für gut, dass der Streitpunkt Schättere-Trasse ausgeklammert worden sei. Für „gigantisch lange“ hielt sie es hingegen, dass die Umsetzung aller jetzt formulierten Ziele auf 15 Jahre hinaus angelegt sein solle. Claus Albrecht (Freie Wähler) monierte, dass die Planer von VAR+ den vorhandenen Bestand der Aalener Radwege qualitativ gar nicht eingestuft hätten.

Regierungspräsidium prüft Schättere-Tunnel

Der Leiter des Grünflächen- und Umweltamts, Rudi Kaufmann, griff schließlich das Stichwort Schättere-Trasse auf. Für eine mögliche Freigabe des alten Eisenbahntunnels für den Radverkehr, so erklärte er, sei wegen des Fledermausvorkommens dort eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung durch das Regierungspräsidium notwendig. Die Anträge dafür habe die Stadt gestellt, die Behörde prüfe sie derzeit.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen