Glosse: Der schlaue Facebook-User – oder was Corona mit uns macht

In den sozialen Medien wird stets fleißig kommentiert
In den sozialen Medien wird stets fleißig kommentiert (Foto: Screenshot: läm)
Leiter der Redaktionen Aalen und Ellwangen

Es ist ein Phänomen, das vor allem uns Redakteuren tagtäglich begegnet: Es scheint so, als ob jeder, der einen Computer oder ein Handy einigermaßen unfallfrei bedienen kann, ein toller Schreiber ist. Wozu gibt es eigentlich unser Medium, das ja längst mehr ist als die gedruckte Zeitung auf 24 Seiten? Die Frage muss erlaubt sein.

Zur Unterstreichung der Eingangsthese lohnt ein flüchtiger Blick auf unseren Facebook-Kanal der Aalener Nachrichten/ Ipf- und Jagst-Zeitung, Schwäbische Ostalb. Auch dort sind sie unterwegs, die Wortakrobaten und Edelfedern, die durch die Corona-Pandemie, so scheint es, drastischen Zuwachs erhalten haben. Die wissen alles.

Die wissen, dass wir von der Regierung dafür bezahlt werden, täglich neue Corona-Unwahrheiten zu verbreiten. Die wissen, dass wir viel zu viel über Corona bringen und überhaupt gibt es doch hier auf der Ostalb keine vernünftigen Schreiber, geschweige denn schlaue. Deswegen greifen sie selbst fachmännisch zum virtuellen Pinsel und hauen in die Tasten, was das Zeug hält – versteckt hinter Displays oder Monitoren, teilweise mit unglaublichen Künstlernamen ausgestattet – und nicht immer auf der Ostalb verortet.

Das inspiriert. Ich gehe zum Bäcker meines Vertrauens und nehme die Auslage mal ganz genau in Augenschein. Nach dem: „Sie wünschen?“ lege ich los, ungefiltert, dramatisch, wütend: Was haben sie sich dabei gedacht, solche Brötchen zu backen und dieses Brot würde ich nicht einmal meinem Hund anbieten.

Die Auswahl der süßen Stückle sind das i-Tüpfelchen dieses miesen Angebots. Einmal in Fahrt frage ich weiter, denn Corona regt schließlich auch mich auf: Warum muss ich überhaupt in diesem Laden eine Maske tragen? Als ob sich Corona ausgerechnet hier versteckt. Der Bäcker zeigt mir daraufhin einen Vogel und bittet mich freundlich, aber bestimmt, seinen Laden schnell wieder zu verlassen. Ich kann das eh´ besser, denke ich. Unfallfrei Teig kneten, das traue ich mir zu, ich habe ja schließlich zwei Hände.

Danach dürstet es mich nach etwas Fortbildung. Ich logge mich mal bei Facebook ein – da kann ich bestimmt wieder eine Menge lernen.

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